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"Apotheose" - wie die Erhebung eines Menschen zu einem Gott nennt Josef Kern ironisch dieses Porträt eines Mannsbildes (1994).
Die Vielfalt von 300 Arbeiten erweist sich, klug arrangiert, einmal nicht als hinderlich. Trotz terminlichen Vorsprungs des Leopold-Museums haben die Linzer inhaltlich die Nase vorn.
Linz - Eine Provokation hat das Lentos ganz bewusst niemals in Betracht gezogen. "Man soll das Thema nicht verjuxen", sagt Stella Rollig. Und so zeigt das Plakat zur Lentos-Ausstellung Der nackte Mann auch keine nackten Tatsachen, sondern einen jungen Mann mit einer riesigen Narbe am Leib, ein Foto des deutschen Fotografen Bernhard Prinz. Verletzlichkeit und Blessuren also als Metapher für Nacktheit. Der als Held stilisierte Mann ist so wie Achill, eben nicht unverwundbar. Wie sehr kratzt der Verlust des Heldenstatus am Ego des Mannes? So klein wie ein Baby, eingerollt in Decken, zeigt der Realist Ron Mueck das Wesen Mann. Fast glaubt man das Bündel atmen zu hören. Ein anrührendes Objekt.
Bei dem Thema werde sie emotional, so die Lentos-Direktorin. "Denn für mich ist Genderpolitik so ein wichtiges Thema." Das stimmt. Mehrere Ausstellungen zu weiblichen Sichtweisen und feministischen Standpunkten (Mathilde Ter Heijne, Valie Export, Ursula Mayer), Homo- und Transsexualität (Gil & Moti, Gilbert & George, Eva & Adele) hat Rollig bereits in ihrem Haus gezeigt.
Leid ist Rollig inzwischen das Reden über die Konkurrenzschau im Leopold-Museum. Nach einer Leihanfrage des Lentos im Jahr 2011 holte man die in einer Schublade schlummernde Idee der Nackten Männer hervor und ging mit der Schau letztendlich sogar früher an den Start. Anders als in Linz war dort die kalkulierte Kontroverse wohl doch eine Option. Obwohl das Wiener Haus das Ausmaß der Erregung nicht abgesehen haben will, entschied man sich - als das harmlose Linzer Werbesujet bereits bekannt war - für das Bild dreier nackter Fußballer, ein Werk des Duos Pierre & Gilles. Und als die Proteste zu massiv wurden, lenkte man halbherzig ein. Statt es auszusitzen, etwa mit einer ernst zu nehmenden Diskussionsveranstaltung, überklebte man bei einem Teil der Plakate - den Größeren! - die Zipfel des Anstoßes.
Mit einer anderen Aktion verfehlte man jedoch die aufmerksamkeitsheischende Wirkung: Der nackte Papp-Mr. Big im Museumsquartier sollte bereits eine Woche vor Ausstellungsbeginn als Werbebotschafter fungieren. Völlig unbehelligt von empörten Skandalrufen lungert der Nackerte noch immer dort herum; den Kindern ist er dort willkommenes Kletter- und Spielgerät.
Körper als Schlachtfeld
"Your Body is a Battleground", zitiert Rollig die Künstlerin Barbara Kruger. In Linz interpretiert man das jedoch nicht als Kampfansage. Die subtileren Töne, die man sich von der Lentos-Schau erwartet hat, schlägt man auch tatsächlich an. Am Körper wird eben auch das Thema Männlichkeit sicht- und diskutierbar.
Und da die Emanzipation vom klassischen männlichen Rollenbild erst im 20. Jahrhundert begann, ist es auch logisch, mit Kunst ab 1900 einzusetzen. Im Leopold-Museum hatte man mit dem "ältesten nude in town" , der Figur eines ägyptischen Hofbeamten aus dem dritten Jahrtausend vor Christus, belegt, dass nackte Männer in der Kunst von jeher vorkommen. Auch die weiteren, zweifelsohne intelligent gemachten und hochkarätig bebilderten Kapitel verfolgen den "nackten Mann" quer durch die Kunstgeschichte, tendenziell mehr als Phänomen denn in gesellschaftspolitische Zusammenhänge gebettet.
Genau darin unterscheidet sich die Linzer Schau. In zwölf Kapiteln wird der Topos Mann richtiggehend filetiert. Sie lauten Adam, Akt, Bizeps, Ich, Hüllenlos, Pose, Penis, Herrschaft, Alter, Knabe, Schmerz, Schwul - ein einzelner Begriff reicht, um die Unterthemen klar zu umreißen. Eine didaktische Strenge, die nicht nur hilft, die Fülle von mehr als 300 Werken zu bewältigen, sondern auch zu weiterführenden Gedanken anregt und provoziert. Zum Beispiel zu einer These, wieso Männer es mit der Dekonstruktion ihres - nackten - Körpers noch weitaus schwerer haben. Sowohl das männliche Körperideal als auch das noch viel zu wenig verrutschte Rollenideal verknüpfen sich mit Stärke und Macht. Zerlegt man den Körper, zerbröselt gleich der ganze Mann, bzw. fühlt er sich infrage gestellt. Wurden Körper und Wesen der Frau jemals derart deckungsgleich interpretiert?
Arbeiten, die die Schwierigkeit meistern, ironische und kritische Distanz zum eigenen Geschlecht aufzubringen, gehören daher zu den Highlights der Schau: etwa Franz Kapfers Video An Druck auf die Eier von 1999. Darin zwingt der Wunsch nach dem größten Schwanz - Kapfer greift dabei auf einen eisernen Verkehrspoller zurück - den Mann und Künstler bei seinem lächerlichen Affentanz schmerzhaft in die Knie. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 15.11.2012)
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dass Sie uns die Augen öffnen, mit welchen fragwürdigen Methoden das Leopold-Museum arbeitet:
Während die Linzer Schau in einen seriös entwickelten Ausstellungs-Kontext gebettet ist, hat man in Wien, das zeigt auch die Werbung, billige Spekulation geliefert.
Verdienstvoll, dass wenigstens der Standard das aufzeigt.
M.E. sollte auch die Rolle, die Leopold im Zusammenhang mit der Schiele-Entdeckung gespielt hat, einmal nüchtern analysiert werden!
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