Mehr Schein als Sein bei Petraeus' Freunden

14. November 2012, 18:41
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In Tampa waren Scott und Jill Kelley die Lieblinge der lokalen Klatschpresse. Durch die Affäre um CIA-Chef David Petraeus wurde schnell klar, dass der Glamour wohl nur Fassade war: Das Paar ist hoch verschuldet

Von der erlesensten Gasparilla-Party des Jahres 2010 scheinen sie noch lange geschwärmt zu haben in Tampa: Scott und Jill Kelley, die großzügigen Gastgeber, ließen Kaviar, Champagner und teure Zigarren auffahren. Die Gäste sollten im Piraten-Outfit erscheinen, was die einen mehr, die anderen weniger wörtlich nahmen. Klatschreporter berichteten, als ginge es um Rockstars oder Hollywoodgrößen.

Die eine Woche Ende Jänner, Anfang Februar, in der die Hafenstadt in Florida mit einem wilden Karneval des legendenumwobenen Piratenkapitäns José Gasparilla gedenkt, ist so etwas wie der Gipfel des gesellschaftlichen Jahreskalenders. Und die Kelleys, das zeigte schon die Gästeliste, hatten es mit ihrem privaten Fest auf der sozialen Leiter nach ganz oben geschafft. Auch David Petraeus und seine Frau Holly waren der Einladung gefolgt. Schon bald durften Scott und Jill die beiden zu ihrem Freundeskreis zählen.

Als der General nach Afghanistan abkommandiert wurde, traf sich Jill regelmäßig mit Holly zum Shoppen oder zum Lunch. Oft gemeinsam mit Natalie Khawam, ihrer Zwillingsschwester. Im Kindesalter waren die beiden heute 37-Jährigen nach Amerika gekommen, als ihre Familie, libanesische Christen, dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat entfloh. In Philadelphia heiratete Jill einen Chirurgen, dann übersiedelte das Paar nach Tampa. Dort ist das Militär der mit Abstand größte Arbeitgeber - vergleichbar der Rolle, wie sie die Big Three der Autobranche für Detroit spielen.

Posen vor dem Goldblattrahmen

Auf einer Halbinsel am Rande der Stadt beherbergt die Luftwaffenbasis MacDill das Centcom, das Zentralkommando der US-Streitkräfte, das seit 2001 vor allem damit beschäftigt war, die Feldzüge in Afghanistan und im Irak zu organisieren. Nicht nur Amerikaner sind auf MacDill stationiert, sondern auch Verbindungsoffiziere aus über 50 Ländern. Die kosmopolitische, kontaktfreudige, attraktive Jill scheint sich pudelwohl gefühlt zu haben in diesem Milieu. John Abizaid, Centcom-Chef bis 2007, ein General mit Wurzeln im Libanon, soll ihr die ersten Türen geöffnet haben. Von 2008 bis 2010 dann wurde die Befehlszentrale von Petraeus geleitet. Dessen Stellvertreter war John Allen, der heute in Afghanistan stationiert ist.

Um in Sachen Glamour mithalten zu können in der lokalen High Society, kauften die Kelleys eine säulenverzierte Millionenvilla am Bayshore Boulevard, der vornehmsten Straße der Stadt. Die "Tampa Bay Times" hat einmal das Interieur dokumentiert: Ein Foto zeigt ein Ölgemälde mit verschnörkeltem Goldblattrahmen. Scott und Jill in der Pose von Geldadligen - ein klassisches Motiv neureicher Geltungssucht.

Schuldenberge durch Immobilienkrise

Doch hinter der Wohlstandsfassade türmen sich seit langem die Schuldenberge. Als die amerikanische Immobilienkrise Florida mit besonderer Wucht erfasste, ging auch die Rechnung der Kelleys nicht länger auf. Zwei Häuser, die sie am Ende des Preisbooms gekauft hatten, mussten zwangsvollstreckt werden.

Lokalen Presseberichten zufolge steht das Paar mit mehr als zwei Millionen Dollar in der Kreide, hinzu kommen mindestens 70.000 Dollar an Kreditkartenschulden. Ein Hilfsverein für Krebskranke, den das Paar statusbewusst gegründet hatte, existiert offenbar nur noch auf dem Papier, während eine Vereinsbilanz aus dem Jahre 2007 für heftiges Stirnrunzeln sorgt: Von 157.000 eingenommenen Spendendollar wurden mehr als die Hälfte für Mahlzeiten, Rechtsberatung, Fahrt- und Bürokosten ausgegeben. (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD, 15.11.2012)

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    Jill Kelley, die mondäne Partydame aus Tampa, Florida, avanciert zu einer zentralen Figur der Affäre um Petraeus und Allen.

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