In China vermehren sich die Roboter

Angesichts steigender Löhne und wachsenden Wohlstands sind die genügsamen Produktionsautomaten als Mitarbeiter in Fabriken gefragter denn je

Schanghai/Wien - Noch zählt China zu den Ländern, in denen gemessen an menschlichen Arbeitskräften verhältnismäßig wenig Roboter in den Fabriken zum Einsatz kommen. Im Vorjahr waren es gerade einmal 21 Roboter auf 10.000 Arbeiter. Der weltweite Durchschnitt liegt bei 55, in Japan sind es 339, in Deutschland 251. Doch mehrere Faktoren könnten dazu beitragen, die Verhältnisse in der zweitgrößten Wirtschaftsmacht rasch zu ändern.

Wachsender Wohlstand und von oben verordnete Familienplanung wirken sich dramatisch auf die Arbeitskraftzahlen aus. Wie in den westlichen Industriestaaten müssen immer weniger Menschen im arbeitsfähigen Alter für die zunehmende Bevölkerungsgruppe über 60 Jahren aufkommen. Die besser als ihre Vorfahren ausgebildeten jungen Chinesen wollen nicht länger am Fließband stupide Tätigkeiten verrichten. Roboter könnten die fehlenden Kräfte ersetzen.

Entsprechend groß war das Interesse auf der International Industry Fair in Schanghai an "jiqiren", den "mechanischen Menschen". Die Besucher begeisterten sich an Tischtennis spielenden und händeschüttelnden Maschinenmenschen ebenso wie an schweißenden und schraubenden Industrieautomaten.

Der taiwanesische Auftragsfertiger Foxconn, der auf dem chinesischen Festland mehr als eine Millionen Menschen beschäftigt, hegt bereits hehre Pläne: Bis Ende 2014 will Konzernchef Terry Gou ein Heer von einer Million Industrierobotern befehligen. Die ersten 10.000 sollen erst kürzlich aufgestellt worden sein, weitere 20.000 sollen bis Ende des Jahres folgen.

Damit nicht genug: Foxconn will die Roboter in Zukunft nicht nur in den eigenen Fabriken einsetzen, sondern die zunächst bei anderen Herstellern gebauten Produktionsautomaten kopieren und weltweit verkaufen.

Foxconn, das für namhafte Elektronikhersteller wie Apple, Dell, Nokia oder Samsung fertigt, steht seit Jahren wegen schlechter Löhne und mieser Arbeitsbedingungen in der Kritik. Dass die Roboter Arbeiter ersetzen solle, bestreitet der Konzern. Freiwerdende menschliche Kräfte könnten für andere Aufgaben umgeschult werden wie etwa für die Instandhaltung der mechanischen Kollegen, heißt es.

Der chinesischen Regierung sind Arbeitskräfte, die nicht mucken und murren, willkommen, und sie fördert jegliche Entwicklungen auf diesem Gebiet. Auch jene des Bauern Wu Yulu, der einen Rikscha-ziehenden Roboter bastelte, oder die eines Pekinger Restaurantbesitzers, der mangels williger Küchenhilfen einen Roboter entwickelte, der Nudeln aus dem Teig schneidet. (kat/DER STANDARD, 15. 11. 2012)

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