Kritik nach Hochwasser in Italien

14. November 2012, 17:56
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Für wirksamen Schutz bedarf es über 40 Milliarden Euro

Rom - Sonniges Wetter begünstigte am Mittwoch die Aufräumarbeiten in den Katastrophengebieten Italiens. Das Hochwasser des Tiber blieb in Rom unter der befürchteten Höchstmarke und richtete nur geringe Schäden an.

Der Regionalpräsident der Toskana, Enrico Rossi, hat inzwischen von der Regierung Geld zur Beseitigung der Flutschäden gefordert: "Für einen wirksamen Schutz vor Katastrophen benötigen wir für bis 2022 mindestens 50 Millionen pro Jahr." Bei den heftigen Unwettern dieser Woche hatte es vier Tote und schwere Verwüstungen in Nord- und Mittelitalien gegeben.

Europäischer Spitzenwert

Die Überschwemmungen haben heftige Diskussionen über nötige Vorbeugungsmaßnahmen ausgelöst. 6600 Gemeinden Italiens sind einem hydrogeologischen Risiko ausgesetzt. "Allein in Genua leben 100.000 Einwohner in Risikozonen - ein europäischer Spitzenwert", sagt Geologe Mario Tozzi: "Jedes Jahr werden in Italien weitere 500 Quadratkilometer verbaut oder versiegelt. Die vielen Waldbrände und die Verbauung der Flussbetten erhöhen die Gefahr dramatisch." In den letzten sechs Jahren wurden in Italien 120 größere Erdrutsche und Überschwemmungen mit über 200 Toten verzeichnet. Für die jüngste Katastrophe machen Meteorologen den Klimawechsel und die zunehmende Erwärmung des Mittelmeers verantwortlich.

Fausto Guzzanti, einer der Projektanten des Schleusensystems Mose, das in Zukunft Venedig vor Hochwasser schützen soll, hält nur technologisch ausgereifte Systeme für effizient. Italiens Umweltminister Corrado Clini beziffert die für einen wirksamen Katastrophenschutz nötige Summe auf rund 41 Milliarden Euro. Damit könne man in 15 Jahren eine effiziente Vorbeugung gewährleisten. Doch die unter massivem Sparzwang stehende Regierung Monti verfügt nicht einmal über einen Bruchteil dieser Summe. (mu, DER STANDARD, 15.11.2012)

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    Die Gemeinde Orte bei Rom wurde zu großen Teilen überflutet.

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