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Wien - Als Gott die klassischen Pianisten schuf, ersann er zwei Gruppen: die Allrounder, die alles überzeugend spielen können, und die Spezialisten, die ihr Leben lang bei ein, zwei Komponisten hängen bleiben, dies aber auf erstklassigem Niveau. Den Rest erledigten Evolution und Selektion.
Aber noch immer gibt es auch Tastenkünstler, die geschickt den Anschein erwecken, das ganze Repertoire auf gleicher Höhe zu spielen und manche Tonsetzer dabei einfach auslassen. Und es gibt solche, die an einem Abend eine vollständige Affinität zu bestimmter Musik erkennen lassen und daneben Interpretationen stellen, die weit weniger überzeugen.
So geschah es im Wiener Konzerthaus bei Ingolf Wunder mit einer brav und akkurat exekutierten Mozart-Sonate (B-Dur, KV 315c), der es auch (fast) nicht an Feinheit mangelte, sowie mit tadellosen Liszt-Hervorbringungen. Bei beidem reichte allerdings das Spiel des 27-Jährigen nicht annähernd an das heran, was er bei Chopins h-Moll-Sonate sowie bei dessen Andante spianato et Grande Polonaise brillante in Es-Dur bot: stimmig bis in die kleinste Nuance, spontan und flexibel in der Zeitgestaltung, mit Leichtigkeit und Eleganz, Kantabilität und Furor. Hier scheint Wunders Spiel tatsächlich an die Weltklasse anzustreifen.
Die Zirkusnummern der beiden Zugaben (Wladimir Horowitz' Danse Excentrique und Moritz Moszkowskis Etincelle B-Dur op. 36/6) wischten diesen Tiefgang freilich wieder beiläufig hinweg.
Im Übrigen hätte es sich Wunder verdient, dass nach Phase eins in der medialen Begleitung seiner Karriere - in der alle Wortspiele mit seinem Namen machten - und nach Phase zwei - in der über die Wortspiele gewitzelt wurde - nun Phase drei einsetzt, in der beides nicht mehr geschieht.
Jazzer im Klassikkontext
Im Musikverein ein Jazzpianist in einem klassischen Kontext: Brad Mehldau, der seine Variations for Piano and Orchestra on a Melancholy Theme zusammen mit dem Orpheus Chamber Orchestra aufführte. Der Orchestersatz des überraschend sonnigen Werks gerät der Jazzlegende im ersten Werkdrittel dick, oft schwimmt die Chose emotional unpräzise vor sich hin. Mehldau - er trägt zu brauner Hose und braunem Hemd die Miene eines Magenleidenden - entschädigt in seiner Solovariation für das vielfältige Einerlei davor.
Ein seltsamer Anblick das Orchester, das ja ohne Dirigenten auskommt: wie ein fahrendes Auto ohne Lenker. Man ist ja wirklich an ihn gewöhnt, den Dirigenten: als Organisator der Abläufe, als Promotor und Impersonator der klanglich dargestellten Emotionen. Ja, geht das denn überhaupt ohne? Nach Prokofjews Symphonie classique ist schon mal klar: Balance und Koordination klappen, und wie. Gestalterisch herrscht Abwechslung vor: Im Finale bieten die New Yorker wieselflinke Agilität, jovial-rustikal der Charakter der Gavotte; das Seitenthema des ersten Satzes wird witzig abgezirkelt präsentiert.
Energiegeladen, durchhörbar dann Mozarts Jupiter-Symphonie. Die hochklassige Interpretation der knapp 40 Musiker wirkt unterm Strich aber auch etwas basisdemokratisch-durchschnittlich: Man misst Kanten, eine persönliche Prägung, ein Gesicht. Oder ist das nur Einbildung? Eine Zugabe weniger als in München: nur die Ouvertüre der Italienerin in Algier. Begeisterter Applaus nichtsdestotrotz. (Daniel Ender & Stefan Ender, DER STANDARD, 15.11.2012)
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Zuerst einmal DANKE für den (verschobenen) Auftritt - aber leider doch enttäuscht über die Programmänderung (statt Liszts MAZEPPA nun der CSARDAS MACABRE). Die Mozart-Sonate war wohl zum Einspielen gedacht (etwa gar wie einst bei B.M. die Galuppi-Komposition?), Chopin in Höchstform!
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