Xavier Naidoo zu Hetzvorwürfen: "Man wird selbst zur Bestie"

"Homophobes Lied" auf CD: Anzeige gegen Xavier Naidoo und Kool Savas - Update: Hip-Hopper nehmen zu Vorwürfen Stellung

Berlin - Die Mannheimer Staatsanwaltschaft nimmt einen Text der deutschen Hip-Hop-Stars Xavier Naidoo und Kool Savas unter die Lupe: Die Jugendorganisation der Linkspartei, die Linksjugend Solid, hat Anzeige gegen die beiden Musiker erstattet. Der Vorwurf: Aufruf zur schweren Körperverletzung, zum Totschlag sowie zur Volksverhetzung. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob sie ein Strafverfahren einleitet, in Facebook gehen die Wogen hoch.

Die beiden Musiker haben als Duoprojekt Xavas Ende September das Album Gespaltene Persönlichkeit veröffentlicht. Am Ende des letzten Liedes, nach knapp einer Minute Stille, wird ein sogenannter Hidden Track abgespielt, der nicht auf der Titelliste aufgeführt ist. Josi Michalke, Bundessprecherin der Linksjugend, beschreibt das Hip-Hop-Stück so: " Dieser Song transportiert Menschenfeindlichkeit, Gewaltverherrlichung und Homophobie. Hier wird auf haarsträubende Art und Weise Homosexualität mit satanistischen Ritualen, Kindesmissbrauch, Pädophilie gleichgesetzt. Das ist eine Frechheit."

"Wo sind unsere Führer"

Tatsächlich handelt das Lied von "Menschen in Roben", die Ritualmorde an Kindern begehen. Die Musiker rappen dazu eine revanchistische Textzeile, in der sie fantasieren, was sie mit diesen "Menschen in Roben" zur Vergeltung anstellen. Eindeutig homophob ist die Passage nicht, kann aber wohl so ausgelegt werden - wie etwa im Verriss des Albums in der Zeitung "Die Welt". Für Irritationen sorgt auch der Refrain "Wo sind unsere starken Männer, wo sind unsere Führer". (red/mana, DER STANDARD, 15.11.2012)

Update, 15.11.2012

Kool Savas hat auf seiner Facebook-Seite auf die Vorwürfe reagiert: "Ich möchte klar stellen, dass es nie die Absicht unseres Liedes war, Homosexualität und Pädophilie gleichzusetzen, oder zur Gewalt gegen Menschen aufzurufen." Die Verzweiflung und die Wut, "die ein Mensch genau in der Sekunde empfindet, in der er erfährt, dass ein Kind missbraucht wurde", sollte laut Savas künstlerisch zum Ausdruck gebracht werden.

Der Musiker veröffentlichte auch ein Statement von Xavier Naidoo, wonach der Text des Hidden Tracks "Wo sind sie jetzt" auf einem Augenzeugenbericht eines Ritualverbrechens basiert. Naidoo sei im Alter von acht Jahren selbst in die Hände eines pädophilen Mannes geraten und habe die Thematik in seinen Songs "Wenn ich schon Kinder hätte" und "Sie verdienen einen besonderen Schutz" verarbeitet.

"Im vorliegenden Fall von Ritualmorden an Babys oder Kindern komme ich an eine Grenze, an der man aktiv etwas tun möchte, und selbst zur Bestie wird, um sich einer menschlichen Bestie entgegen zu stellen. Natürlich gilt der Ruf im Refrain unter anderem unseren aktuellen Führern, Politikern und Verantwortlichen in Medien, Polizei, Verfassungs- und sogar Staatsschutz. Es ist mir unverständlich, wie man das falsch interpretieren kann", schreibt Naidoo. (red, derStandard.at)

Links
yigg.de: Lyrics "Wo sind sie jetzt"
welt.de: Kool Savas und Naidoo sind kongenial humorlos

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