Asketen im Goldrausch

  • Detail aus einem Prägedruck von Hans Bischoffshausen in der Ausstellung " Monochromie und Reduktion II"
    foto: d. arbeiter

    Detail aus einem Prägedruck von Hans Bischoffshausen in der Ausstellung " Monochromie und Reduktion II"

Streifzug durch asketische Kunst: "Monochromie und Reduktion II" in Schloss Ebenau

Klagenfurt - Seit Malewitschs schwarzem Quadrat auf weißem Grund gehört asketische, bis ins Spirituelle reichende Reduktion zum Kunstkanon des 20. Jahrhunderts. Die Galerie Judith Walker widmet der minimalistischen Kunst auf Schloss Ebenau eine Ausstellung, mit Hans Bischoffshausen (1927-1981) als Verbindungsglied zwischen internationaler und österreichischer Kunstszene.

Der aus Feld am See gebürtige Kärntner Künstler, den mit Lucio Fontana eine enge Freundschaft verband, orientierte sich nach 1945 an abstrakt-expressiven und informellen Tendenzen. Er übersiedelte nach Paris und nannte die Gruppe seiner französischen Freunde "Zero-Avantgarde". In einer Zeit radikaler Erneuerung der Künste war für ihn Zero die Reduktion auf das gerade noch Wahrnehmbare: Streng monochrom beschäftigte er sich mit Struktur und Materialität, meist in der Nichtfarbe Weiß. Aus Weiß wurde schließlich Gold, alchimistisches Symbol für das Absolute.

Judith Walker zeigt einen repräsentativen Querschnitt seines Schaffens: Buchgrafiken aus den 1950er-Jahren, deren linearer Gestus noch an Paul Klee erinnert. Oder die Urform späterer Bogenbilder, mit sich herauswölbenden Bildgründen. Wie Bischoffshausen experimentiert auch Bernard Aubertin mit der Leinwand, fügt ihr mit Schnitten oder Feuer Verwundungen zu, löst so die Grenzen zwischen Bild und Objekt sukzessive auf. Heinz Mack ist in der Schau mit seinen klassischen Pyramidenbildern und Gold- und Silberarbeiten vertreten.

Aber auch die nachfolgende Generation - wie etwa Rudi Stanzel, Tone Fink, Hanns Kunitzberger oder Christine Renggli - stehen für solche minimalistische Tendenzen. Stanzels grafitgraue Arbeiten täuschen durch das Oszillieren von Licht und Schatten auf der Oberfläche Plastizität vor. Seine Gestaltungsmittel sind minimalistisch: Schwarz, Weiß, Senkrechte und Horizontale. Hanns Kunitzbergers Arbeiten verändern sich je nach Lichteinfall und Betrachterposition. Christina Rengglis monochrom eingefärbte Metallgitter erscheinen wie zusammengefaltetes Seidenpapier.

Ein spannender Streifzug durch eine in ihrer äußersten Reduktion asketische Kunst.   (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 15.11.2012)

Nach tel. Vereinbarung bis 20. 12., +43/(0)664/345 32 80, Galerie Walker, Schloss Ebenau, 9162 Weizelsdorf

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