Freundliches Wettsingen

14. November 2012, 17:25
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Die Leute wollen das sehen - ganz ohne Show-Watschen und tanzende Hunde

Ray Garvey reißt gern die in der Muckibude aufgepumpten Arme in die Höhe, weil ihm gerade wieder eine Gesangsdarbietung so gut gefällt. Das ist lustig und sieht aus, wie wenn man einer Hulk-Actionfigur die Gliedmaßen nach oben dreht. Auch grobe Klötze dürfen heute ihre Gefühle zeigen. 

Der Mann ist nicht nur Deutschlands berühmtester Ire, sondern auch Juror bei Voice of Germany auf Sat.1 und ProSieben. Gemeinsam mit der aufgedrehten Nena, dem nachdenklichen Mannheimer Soultitanen Xavier Naidoo und sogar dem deplatzierten Zeltfest-Country-Duo BossHoss gelingt es Garvey, eine Casting-Show endlich einmal auch für Zartbesaitete verträglich zu gestalten.
Im Gegensatz zu Die große Chance oder Deutschland sucht den Superstar verstehen alle Juroren erstens fachlich ihr Geschäft. Zweitens wird kein Kandidat runtergemacht, sondern immer mit anerkennenden, aufmunternden Worten nach Hause geschickt. Früher nannte man das "konstruktive Kritik".

Natürlich handelt es sich auch bei Voice of Germany nur um eine weitere Facette des zeitgenössischen Krawallfernsehens. Selbstverständlich werden auch mit dieser Show nie die Kandidaten, sondern immer nur die Juroren profitieren (Die neue CD von Nena heißt übrigens Du bist gut. Man kann sie kaufen). Allerdings hat man nach einer Folge der Sendung nicht das dringende Bedürfnis, sich die Hände zu waschen oder Dartpfeile auf Nacktfotos von Sido Sarkissova zu werfen.

Bemerkenswert auch, dass alle Kandidaten wirklich singen können. Sehr oft sogar abseits der üblichen Whitney-Houstonerei. Am allerschönsten aber: Die Leute wollen das sehen - ganz ohne Show-Watschen und tanzende Hunde. (Christian Schachinger, DER STANDARD, 15.11.2012)

  • Juror Ray Garvey.
    foto: prosieben

    Juror Ray Garvey.

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