Signa übernahm Teile der eigenen Anleihe

14. November 2012, 17:48
20 Postings

Die Signa des Immobilieninvestors René Benko begab jüngst eine Anleihe, die die Gesellschaft zum Teil selbst zwischenfinanzierte

Die Signa des in der Vorwoche nicht rechtskräftig verurteilten Immobilieninvestors René Benko begab jüngst eine Anleihe, die die Gesellschaft zum Teil selbst zwischenfinanzierte. Der dafür erstellte Börsenprospekt der Gesellschaft ist höchst aufschlussreich.

Wien - Mitte Oktober hat die Signa Prime Capital Market des Immobilieninvestors René Benko eine zehnjährige Anleihe über 150 Millionen Euro und einer Verzinsung von 4,5 Prozent begeben. Lead Manager war die Raiffeisen Bank International. Bei einer Stückelung von 200.000 Euro richtete sich der Bond an institutionelle Investoren. Nach Standard-Informationen konnte die Anleihe nicht zur Gänze am Markt platziert werden. Die Vienna Insurance Group und die Uniqa sollen jeweils 30 Millionen Euro gezeichnet haben, die restlichen 90 Millionen Euro seien von Signa selbst übernommen worden. Per E-Mail ließ diese wissen, die Anleihe sei "wie geplant platziert" worden. Neben Institutionellen werde " ein Teil der Anleihe von der Signa-Gruppe für Zwecke einer späteren Vermarktung gehalten".

Die Anleihe selbst zwischenzufinanzieren sei ungewöhnlich, hieß es dazu aus der Branche. In der Regel übernehmen die Banken jene Teile, die nicht voll platziert werden können und verkaufen diese zu einem späteren Zeitpunkt mit Aufschlägen in kleineren Stückelungen weiter. Ein Grund für die geringe Nachfrage dürfte die relativ niedrige Verzinsung sein.

Schwieriger Kapitalmarkt

Signa investiert aktuell 500 Millionen Euro in das "Goldene Quartier" in der Wiener City mit Luxuswohnungen, dem Park-Hyatt-Hotel und Boutiquen.

Wie schwierig es derzeit am Kapitalmarkt ist, zeigt der jüngste Flop des Schweizer Luxusimmobilien-Investors Peach Property. Der geplante Börsengang der deutschen Tochter in Frankfurt wurde am Montagabend - zwei Tage vor der geplanten Erstnotiz - mangels Nachfrage abgeblasen. Die Gesellschaft ist in der Schweiz höchst erfolgreich.

Laut Börsenprospekt erwartet Signa für das Park-Hyatt-Hotel (hat einen Managementvertrag) jährliche Mieteinnahmen von 6,5 Millionen Euro. In der Branche wird kolportiert, dass man beim Hotel mit durchschnittlichen Erlösen pro Tag und Zimmer von 450 Euro rechne. Das sei wenig realistisch, zumal allein die Hotels Sacher und Imperial in Wien Durchschnittspreise von 300 bis 330 Euro realisieren könnten. Das Kempinski rechnet mit durchschnittlich 240 Euro.

Falcon Bank stieg ein

Interessant ist auch, dass im September die Falcon Private Bank bei Signa Prime mittels Kapitalerhöhung eingestiegen ist. Für die 13,63 Prozent zahlte die in Zürich ansässige Bank 50 Millionen Euro. Eigentümer des Instituts ist die Herrscherfamilie des Emirats Abu Dhabi. "Die Falcon Privat Bank ist Investor und Aktionär im Rahmen der Signa Prime Selection", teilt Signa dazu mit.

Der Verfassungsgerichtshof ist heuer im Sommer in das Kunstforum am Hof übersiedelt, das Signa gehört. Gemietet hat die Räumlichkeiten die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), wo bis 2011 Christoph Stadlhuber Vorstand war, ehe er zu Signa wechselte. Der Mietvertrag wurde auf ungewöhnliche 50 Jahre abgeschlossen. Signa kassiert für das Kunstforum eine Jahresmiete von 4,3 Millionen Euro. Von den insgesamt 10.262 m2 entfallen 6000 m2 auf den Verfassungsgerichtshof.

Vermietung des Rivergate läuft nicht optimal

Nicht optimal läuft es bei der Vermietung des Bürohauses Rivergate am Handelskai. Dort hat Signa gemeinsam mit Raiffeisen Leasing (51 Prozent beteiligt) 120 Millionen Euro investiert. Baubeginn war Sommer 2008. Nach Signa-Angaben stehen aktuell 40 Prozent der Flächen (46.000 m2 Büros, 3000 m2 Shops) noch leer. Kolportiert wird ein höherer Leerstand. Im April 2008 war Benko noch optimistisch: Der Vermietungszyklus bei Büros sei absolut günstig: "Wir gehen in Richtung fünf Prozent Leerstandsrate herunter, das ist ein absoluter Spitzenwert."

In der Vorwoche sind Benko und sein Steuerberater wegen des "Verbrechens der versuchten verbotenen Intervention" im Zusammenhang mit dem kroatischen Expremier Ivo Sanader in einer italienischen Steuersache zu je zwölf Monaten bedingter Haft - nicht rechtskräftig - verurteilt worden. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 15.11.2012)

  • Artikelbild
    quelle: signa group, grafik: der standard
Share if you care.