Hoher Überschuss an CO2-Zertifikaten

14. November 2012, 17:39
28 Postings

Stromfirmen haben zu viele CO2-Emissionsberechtigungen, das Instrument des Emissionshandels blieb völlig wirkungslos

Wien/Brüssel - Es sind insbesondere Landesenergieversorger wie Wien Energie, Linz AG und Energie AG Oberösterreich, die viel zu viele CO2-Emissionsberechtigungen angesammelt haben, so Johannes Wahlmüller von der Umweltschutzorganisation Global 2000. Von den 95 österreichischen Firmen mit gut 200 Fabriken und Anlagen, die am EU-Emissionshandel teilnehmen, wurden an 77 Unternehmen zu viele Zertifikate ausgeteilt. Die Branchen mit den größten Überschüssen sind E-Wirtschaft, Chemie-, Papier- und Zementindustrie.

Emissionshandel wirkungslos

Wahlmüller hat die Daten über ausgegebene und wieder zurückgenommene österreichischen Emissionsberechtigungen der vergangenen Jahre gegengerechnet und ist zu dem Schluss gekommen, dass aufgrund von Wirtschaftskrise und großzügiger Gratis-Zertifikatszuteilung das Instrument des Emissionshandels völlig wirkungslos blieb. "Daraus entstand kein Anreiz, Energie und damit Treibhausgase einzusparen."

Da es ähnliche Entwicklungen in der gesamten EU gab, wertet Wahlmüller die Anfang dieser Woche von der Kommission vorgestellten Reformen als zu wenig weitreichend. Dabei sollen, so der Vorschlag, Zertifikate über 900 Millionen Tonnen Kohlendioxid später versteigert werden. Da es aber bereits hohe Überschüsse an Emissionszertifikaten gibt, würde daraus kein sonderlicher Druck auf die Firmen im Emissionshandelssystem entstehen.

Verbund hat keine Überschüsse

Er illustriert das Dilemma am Beispiel des größten österreichischen Energiebetriebs, des Verbunds. Dieser sei der einzige E-Wirtschaftskonzern in Österreich, der derzeit keine Überschüsse an Zertifikaten aufweist. Der Grund: Der Verbund verfeuert in den Kraftwerken Dürnrohr und Mellach massiv Kohle, da diese derzeit am Weltmarkt sehr billig zu erwerben ist. Kohle aber ist eine Treibhausgas-intensive Energieform, für die viele CO2-Zertifikate benötigt werden. "Das Emissionshandelssystem hat es also nicht einmal geschafft, die Verteuerung von Kohle hintanzuhalten", moniert er. Gegen den Trend entwickelt sich laut Global-2000-Untersuchung die Voest: Diese musste für 2008 und 2012 in geringem Umfang, nämlich 1,3 Millionen, Zertifikate zukaufen. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, 15.11.2012)

Share if you care.