Von einem Mann, der auszog, um eine Vogelkolonie zu gründen

16. November 2012, 17:13

Eine rührende Geschichte von Beharrlichkeit und Einfallsreichtum erzählt das "Slate"-Magazin

Wo sich der Mensch ausbreitet, werden Wildtiere verdrängt - wie etwa im Nordamerika des 19. Jahrhunderts. Im Zuge der Besiedelung des Kontinents wurde sogar das "Meisterstück" vollbracht, die mit Abstand zahlenstärkste Vogelart Nordamerikas binnen Jahrzehnten vollständig auszurotten: die Wandertaube. Andere Spezies hatten mehr Glück und konnten sich wenigstens in manchen Gebieten halten.

... wie etwa der kleine Papageitaucher (Fratercula arctica), der an der US-Ostküste einst weit verbreitet war, bis Jagd und Eierdiebstahl ihn an den Rand der regionalen Ausrottung brachten. In Kanada blieb die Art bestehen - weniger erfreulich sah es weiter südlich aus: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im gesamten Bundesstaat Maine nur noch ein einziges Brutpaar gezählt. So blieb es bis in die späten 60er Jahre, als der Biologe Stephen Kress auf den Plan trat und es sich zur Aufgabe machte, den Vogel wieder an der Küste von Maine anzusiedeln. Das Magazin "Slate" erzählt seine Geschichte.

Und es ist eine Geschichte von Trickreichtum ebenso wie von Ausdauer: Da die Vögel zum Brüten stets an den Ort ihrer Kindheit zurückkehren, musste Kress erst mal kriminelle Energie entfalten und kanadischen Papageitauchern die Jungen aus dem Nest stehlen. Diese wurden dann auf einer Insel vor der Küste Maines per Hand aufzgezogen. Danach hieß es warten - und weitere Maßnahmen setzen. Zum Beispiel Vogel-Attrappen aufstellen, um anfliegenden Papageitauchern das Vorhandensein einer lebendigen Kolonie vorzugaukeln, in der sie sich gerne niederlassen würden. Auch Spiegel und auf Tonband aufgezeichnete Vogelrufe kamen in der Folgezeit zum Einsatz. Und dann organisierte Kress mit denselben Methoden gleich noch "Bodyguards" für seine Zöglinge: Seeschwalben nämlich, die klein, aber aggressiv sind und die für Papageitaucher gefährlichen Möwen vertreiben.

So ergab sich eine Idee aus der anderen. Kress' Trickkiste ist seitdem weltweit für viele andere Wiederansiedlungsprojekte übernommen worden. Mehr zur tatsächlich zum Erfolg gewordenen Geschichte des "Papageitaucherbeschwörers" finden Sie hier:

--> Slate: "The Puffin Charmer"

(red, derStandard.at, 16. 11. 2012)

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2 Postings

Der ist aber gut zu vögeln

Eine Vögelkolonie würde mehr Unterstützung finden.

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