Forscher untersuchen die Unsterblichkeit der Hydra

Dem Gen FoxO wird eine Schlüsselrolle für den Alterungsprozess zugesprochen - wahrscheinlich auch beim Menschen

Kiel - Süßwasserpolypen der auch bei uns verbreiteten Gattung Hydra gelten als potenziell unsterblich: Bei diesen Nesseltieren findet die Vermehrung in der Regel ungeschlechtlich durch Knospung statt. Diese Art der Vermehrung setzt aber voraus, dass jeder individuelle Polyp Stammzellen enthält, die sich ständig teilen können. Gingen diese Stammzellen verloren, könnten die Tiere sich nicht mehr vermehren. Aufgrund dieser Unsterblichkeit ist Hydra seit vielen Jahren ein besonders interessantes Objekt für die Alterungsforschung.

Kieler Forscher untersuchten diese Eigenschaft der Hydra näher und stießen dabei auf einen Zusammenhang mit dem menschlichen Altern, wie sie im US-amerikanischen Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) berichten. "Auf der Suche nach dem Gen, das für die Unsterblichkeit der Hydra verantwortlich ist, sind wir unerwartet ausgerechnet auf das sogenannte FoxO-Gen gestoßen", sagt Anna-Marei Böhm, Erstautorin der Studie. Um das Gen zu finden, hatte die Arbeitsgruppe zunächst Stammzellen isoliert und dann alle Stammzellgene untersucht. Das FoxO-Gen ist seit längerem bekannt und kommt in allen Tieren bis hin zum Menschen vor. Allerdings war bislang unklar, warum die menschlichen Stammzellen mit dem Alter weniger und inaktiver werden, welche biochemischen Mechanismen damit verbunden sind und ob FoxO hier eine Rolle spielt.

Das Langlebigkeitsgen

Böhm untersuchte FoxO näher an verschiedenen, genetisch veränderten Polypen: Hydren mit normal aktivem FoxO, mit ausgeschaltetem FoxO und mit verstärktem FoxO. Das Kieler Forschungsteam konnte dabei zeigen, dass Tiere ohne FoxO deutlich weniger Stammzellen besitzen und langsamer wachsen. Außerdem veränderte sich in Tieren mit inaktivem FoxO-Gen gleichzeitig das Immunsystem.

"Unsere Forschungsgruppe konnte erstmals direkt zeigen, dass zwischen dem FoxO-Gen und der Alterung ein unmittelbarer Zusammenhang besteht", sagt Studienleiter Thomas Bosch. "Da besonders aktives FoxO bereits bei über hundertjährigen Menschen festgestellt wurde, ist es mit großer Wahrscheinlichkeit ein entscheidender Faktor beim Altern - auch beim Menschen." Doch am Menschen könne man natürlich keine genetischen Experimente durchführen. Als nächstes müsse man daher zunächst an Hydra weiter untersuchen, wie das Langlebigkeitsgen im Detail funktioniert und welchen Einfluss die Umwelt auf FoxO hat. Man sei mit diesen Ergebnissen dem Geheimnis des Alterns des Menschen einen wichtigen Schritt näher gekommen.  (red, derStandard.at, 18. 11. 2012)

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