Bub erhält BVB-Grabstein dank Facebook-Kampagne

15. November 2012, 13:44

Kirche lehnte dies mit Verweis auf nicht-christliche Symbole ursprünglich ab

Eine Facebook-Kampagne hat sich gegen die deutsche Pfarre von Mariä Heimsuchung Dorrmund-Bodelschwingh durchgesetzt. Der Fall des Jungen Jens Pascal hatte auch international für Schlagzeilen gesorgt.

Letzter Wunsch

Der Neunjährige, passionierter Fußballer und glühender Anhänger von Borussia Dortmund, war vergangenen Mai an einem Gehirntumor verstorben. Er hatte sich von seiner Mutter einen Grabstein mit dem Emblem seines Lieblingsklubs gewünscht.

Im Krankenhaus war er unter anderem vom Trainer der "Borussen", Jürgen Klopp, besucht worden. Das Team feierte wenige Tage vor Pascals Tod den Meistertitel in der Deutschen Bundesliga.

Entwurf verstieß gegen Friedhofsordnung

Den Grabsteinentwurf mit dem Wappen des BVB und einem Fußball an der Spitze hatte die Pfarre allerdings abgelehnt. Sie verwies darauf, dass dieser der Friedhofsordnung, wonach nicht-christliche Einschriften und Symbole nicht erlaubt seien, nicht entspreche. Auch die Inschrift "Echte Liebe", gleichzeitig ein Slogan des Klubs, missfiel dem Pfarrgemeinderat, der die Skizze einstimmig ablehnte.

Protestwelle auf Facebook

Daraufhin bildete sich eine Facebook-Seite mit dem Titel "Letzter Wunsch von Jens Pascal" auf Facebook, wo sich viele User empört über das Vorgehen der Kirche zeigten. "Das ist eine Frechheit", so einer der Einträge, "Ich will, dass die Kirche nicht von Regulatorien geleitet wird. Zeigt mir euer Herz!".

Die Kampagne überwand dabei auch die Grenzen der sportlichen Rivalität. Nicht nur Anhänger von Borussia Dortmund setzten sich für die Erfüllung seines Wunsches ein, auch Fans anderer Vereine wie Schalke 04 oder Bayern München brachten ihre Unterstützung zum Ausdruck. Zuletzt hatte die Seite über 140.000 Fans.

Erfolgreicher Schulterschluss

Nun ist die katholische Pfarrgemeinde zurückgerudert. Den Grabstein von Jens Pascal wird nun doch das BVB-Emblem zieren, allerdings auf der unteren Seite. Als Kompromiss wird sich statt des Fußballs eine Taube an der Spitze finden. Auch die Inschrift wurde genehmigt. Die Pfarre betont, dass man nie dem letzten Wunsch von Pascal im Weg stehen wollte, aber einen Ausgleich zwischen Kirchengemeinde, Friedhofsordnung und den Interessen der Eltern finden musste.

Auf der Facebookseite bedankten sich die Initiatoren bei den vielen Teilnehmern. "Es ist geschafft. Jens Pascal bekommt seinen Stein zwar abgeändert, aber er bekommt ihn! Ruhe in Frieden, kleiner Borusse!" (red/Reuters, derStandard.at, 15.11.2012)

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21 Postings
Wass mich interessieren würde:

Befindet sich dieser Friedhof wirklich im Besitz der Pfarre? Oder nicht doch eher der Gemeinde?? Und wenn letzteres, dann bitte die Kirchenvertreter mit nassen Fetzen etc.

ich finde es traurig zu sehen, wie die kirche es verabsäumt mit der zeit zu gehen

man stelle sich eine moderne kirche, mit volksnahen vertretern, einer "normalen Auffassung" der realität, mit nützlichen diensten für die allgemeinheit und akzeptanz für andere religionen.

für eine solche instituion würde ich auch einen sinn sehen. eine organisation die nur den sinn hat uralt rituale durchzuboxen, macht für mich keinen sinn.

was wäre den

wenn der junge ein Türke wäre und sich auf einem islamischen Friedhof mit so einem BVB-Grabstein beerdigen lassen will und ein Imam erlaubt es ihm nicht?

gäbe es dann auch so eine Protestwelle?
gäbe es da auch ein Facebook-Gruppe die den Islam beleidigt und ihm vorschreibt was auf seinem Friedhof stehen darf?

Iss einfach nur Dein Obst

Georg Pichler
233
15.11.2012, 23:18

Themenverfehlung.

Ich probier's anders.

Es gibt ja Gesetze, nach denen DARF man sich nicht einfach irgendwo begraben lassen sondern muss das auf einem Friedhof tun. In kleinen Ortschaften ist das fast zwangsläufig auf dem einzigen Friedhof im Ort und der ist in den meisten Fällen "katholisch".

Gibt es Regeln für die Grabsteingestaltung, wenn ich KEINER Religion angehöre?

Kann die Kirche Einspruch erheben, wenn ich als konfessionsloser Toter mich erdreiste, auf dem "christlichen" Friedhof einen "unchristlichen" Grabstein zu haben?

Würde mich als konfessionsloser Mensch auch interessieren. Oder gibts auch Friedhöfe ohne Religionszugehörigkeit? (Das wäre mir neu.)

diese kirche....

wie sie es immer wieder schafft sich noch unbeliebter zu machen

ah, dann lass ich mir darwins schiff, die beagle, auf den grabstein malen. mit dem steuerrad oben drauf.

echte liebe

"Kirche lehnte dies wegen Verweis non-christliche Symbole ursprünglich ab"

"non-christlich"? Ich bin niemand der gezielt gegen Anglizismen vorgeht, aber irgendwann wird's lächerlich.

das wort non gibts nicht im englischen was du meinst ist none.
gibt ja auch das wort nonverbal und das ist auch kein anglizismus.

das ist falsch

non-british, non-christian, non-european, etc. etc. ist alles korrektes englisch.

verschlechtbesserung muss nicht sein, und zurechtweisen sollte man auch nur dann, wenn man sich auskennt.

Generell zu den Latinismus-Kommentaren:

Stimmt natürlich, aber angeschwemmt wird es bei uns wieder durch das Englische. "Nichtchristlich" wäre einfach die näherliegendere Wahl gewesen.

Gibt ja auch genügend Anglizismen, die eigentlich aus dem Französischem kommen, da das Englische zu großen Teilen darauf beruht.

oder einfach unchristlich?

non-christlich

ist kein anglizismus, das kommt aus dem lateinischen, genau wie non-verbal, etc.

eigentlich ist es ein latinismus

Irre ich, oder hat weder jenes noch dieses mit Symbolik zu tun?!

Wäre nicht achristlich die lateinische Form?

Wenn ich nicht irre, kommt das "a" von "anti". Und das wäre griechisch. Korrigiert mich, wenn ich falsch liege.

hm ich war eigentlich bislang der meinung, dass "a" auch dem lateinischen kommt...

dort heisst "a, ab" ... "von [etwas] weg"

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