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Radiologen stellten fest, dass stark übergewichtige Kinder bereits in jungen Jahren eine statistisch signifikant dickere Gefäßwand haben als normalgewichtige Kinder im gleichen Alter.
Berlin - Arterienverkalkung ist der häufigste Verursacher von Herzinfarkten und Schlaganfällen im Erwachsenenalter. Diese "Verkalkungen" entstehen vor allem dann, wenn bestimmte Risikofaktoren wie etwa Bluthochdruck, Zuckerkrankheit oder Fettstoffwechselstörungen vorliegen. Stark übergewichtige Kinder entwickeln häufig bereits in frühen Jahren einen zu hohen Blutdruck, eine beginnende Störung des Zuckerstoffwechsels oder erhöhte Blutfette. Unklar war bisher, ob sich diese frühen Störungen auch an den Blutgefäßen der Kinder niederschlagen.
Deutsche Kinderradiologen nutzten für ihre Untersuchungen ein Ultraschallverfahren, mit dem gemessen wird wie dick die Wand der Halsschlagader ist. Diese so genannte "Intima-Media-Dicke" korreliert bei Erwachsenen mit dem Herzinfarktrisiko. "Bei Kindern haben wir das Problem, dass ihre Gefäßwände insgesamt relativ dünn sind. Wir reden hier teilweise von 0,3 Millimetern. Oft wurden allerdings Ultraschalltechniken eingesetzt, mit denen solche dünnen Strukturen gar nicht exakt messbar sind", erläutert Rainer Wunsch von der Vestischen Kinder- und Jugendklinik in Datteln.
Aus diesem Grund haben Experten in mehreren Studien zunächst einmal einen Standard für die Messung der Intima-Media-Dicke bei Kindern entwickelt. Zum Einsatz kam nicht die für diese Zwecke oft verwendete Ultraschalltechnik des "Harmonic Imaging", sondern eine Methode, die sich "SpeckleReduction Imaging" (SRI) nennt. Steht kein SRI zur Verfügung, ist der ganz normale Ultraschall - der "fundamentale Schall" - eine Alternative.
Radiologen konnten nun in zwei klinischen Studien zeigen, dass stark übergewichtige Kinder bereits in jungen Jahren eine statistisch signifikant dickere Gefäßwand aufweisen als normalgewichtige Kinder im gleichen Alter. In beiden Studien, an denen insgesamt über 140 Kinder teilnahmen, gab es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen einer größeren Intima-Media-Dicke und dem Auftreten von Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Störungen des Zuckerstoffwechsels und erhöhten Entzündungsmarkern im Blut. "Das belegt, dass wir mit unserem nicht-invasiven Ultraschallverfahren auf elegante Weise eine frühe Arteriosklerose bereits im Kindesalter sichtbar machen können", betont Wunsch.
Für Ärzte, die stark übergewichtige Kinder betreuen, kann das Wissen um beginnende Gefäßveränderungen eine wertvolle Zusatzinformation sein. "Wenn bereits Gefäßveränderungen vorliegen, wird eine effektive Behandlung von Risikofaktoren umso wichtiger", erläutert der Mediziner. Die Darstellung der Gefäßwand im Ultraschall hilft außerdem dabei, die Folgen des Übergewichts für die Kinder anschaulich und begreifbar zu machen.
Auch als Erfolgskontrolle bei Abnehmprogrammen kann die Messung der Intima-Media-Dicke eingesetzt werden. In einer weiteren Studie mit 56 Kindern, die an einem einjährigen Adipositas-Interventionsprogramm teilnahmen, konnten die Experten zeigen, dass Abnehmerfolge auch an der Gefäßwand sichtbar werden: "Bei den 24 Kindern, die es geschafft haben ihr Gewicht deutlich zu senken, verbesserten sich nicht nur Blutdruck und Fettstoffwechsel. Auch die Dicke der Gefäßwand nahm signifikant ab", so Rainer Wunsch. (red, derStandard.at, 14.11.2012)
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