CO2-Zertifikate: EU gegen Marktüberschwemmung

14. November 2012, 13:18
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Brüssel - Um das Überangebot an CO2-Zertifikaten im Markt abzubauen, hat die EU-Kommission am Mittwoch vorgeschlagen, den Zeitplan für die Auktionen zu überarbeiten und die Versteigerung von 900 Mio. Zertifikaten in den nächsten drei Jahren aufzuschieben. Der europäische CO2-Markt soll dadurch "noch robuster" und eine stärkere Antriebskraft für andere CO2-Märkte werden, erklärte Connie Hedegaard, EU-Kommissarin für Klimapolitik, in einer Aussendung.

Hauptgrund für das Entstehen des Überangebots an Emissionszertifikaten sei die Wirtschaftskrise. Dadurch seien die Industrieemissionen stärker zurückgegangen als erwartet, was wiederum zu einer geringeren Nachfrage der Unternehmen nach Zertifikaten geführt hat. Auch in der dritten Phase der Regelung im Zeitraum 2013 bis 2020 werde es voraussichtlich noch ein Überangebot geben.

Ab 1. Jänner 2013, dem Beginn der dritten Phase des EU-Emissionshandelssystems, werden die Emissionszertifikate den Unternehmen hauptsächlich im Wege der Versteigerung zugeteilt. Nach Diskussionen mit den EU-Mitgliedstaaten und einer öffentlichen Anhörung schlägt die Kommission nun vor, die Zahl der in den Jahren 2013 bis 2015 zu versteigernden Zertifikate um 900 Millionen zu verringern. Zudem soll die Anzahl der Zertifikate, die erst gegen Ende der Phase 3 versteigert werden sollen, im selben Umfang erhöht werden.

Gegen Marktüberschwemmung

Durch den Aufschub werden laut EU-Kommission bei den Versteigerungen kurzfristig weniger und zu einem späteren Zeitpunkt, wenn die Nachfrage wieder höher ist, mehr Zertifikate angeboten. "Unser CO2-Markt bewirkt Emissionsreduktionen. Da aber auf dem Markt ein Überangebot besteht, sind die Anreize des EU-Emissionshandelssystems für mehr Energieeffizienz und grüne Technologien nicht stark genug. Das ist schlecht für die Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in Europa", stellte Hedegaard fest. Einen Markt, in dem bereits ein Überangebot besteht, dürfe man nicht mit zusätzlichen Zertifikaten überschwemmen, begründete sie den Vorschlag zum Aufschub.

Die Kommission hat am Mittwoch einen Bericht über die Lage des CO2-Marktes in Europa angenommen. Dieser enthält eine Reihe möglicher struktureller Maßnahmen, um das Überangebot an Zertifikaten abzubauen. Der Aufschub der Versteigerung der 900 Mio. Zertifikate sei dabei ein "notwendiger erster Schritt".

Im Emissionshandelssystem werden derzeit rund 11.000 Industrieanlagen und etwa 40 Prozent der Emissionen in der EU erfasst. Seit diesem Jahr umfasst es auch den Luftverkehr. In der dritten Phase ist vorgesehen, dass die Emissionen von Industrieanlagen und Kraftwerken bis 2020 auf 21 Prozent unter die Werte von 2005 gesenkt werden. (APA, 14.11.2012)

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