Musikrundschau, irrlichternd

15. November 2012, 18:53
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Ein neues Album von James Chance And Les Contortions und eine Remix-Revue von Björk

JAMES CHANCE AND LES CONTORTIONS Incorrigible! (LADTK/Hoanzl)
Der New Yorker Saxofonist gelangte ab 1978 gemeinsam mit Lydia Lunch oder Arto Lindsay auf dem von Brian Eno produzierten Album "No New York" zu bescheidener Berühmtheit. Die dazugehörige Minibewegung nannte sich "No Wave". Sie war einem aus Aufsässigkeit generierten Trümmersound der Popgeschichte geschuldet, der vor allem auf begnadeten Dilettantismus vertraute. Zehn Konzerte später beherrschten sogar die bockigsten Künstler ihre Instrumente zumindest zweckdienlich - und die Sache war schon wieder gelaufen.

Beeinflusst von John Coltrane ebenso wie von James Brown und der Freude am nihilistischen Lärm gab James Chance mit The Contortions und später als James White & The Blacks vor allem in Frankreich den kaputten Szenestar. 1980 erschien das legendäre, in einer Pariser Discothek aufgenommene Contortions-Album "Live Aux Baines Douches". Die achtminütige, irre und bedrückende Coverversion von James Browns "King Heroin" war damals autobiografisch gemeint.

Nach Jahrzehnten an den Rändern des Musikgeschäfts scheint James Chance nach seiner Übersiedlung nach Frankreich wieder halbwegs in der Lage, regulär arbeiten zu können. Das neue, mit französischer Band eingespielte Album zeigt ihn in guter Form. Noch immer irrlichtert das überblasene Saxofon zwischen Funk, Jazz und Rock 'n' Roll herum, noch immer bellt James Chance den Blues in der Notaufnahme. Ein Höhepunkt, seine Deutung von Gil Scott-Herons "Home Is Where The Hatred Is".

BJÖRK Bastards (One Little Indian/Hoanzl)
Remixalben sind 2012 ungefähr so modern wie ein Faxgerät. Nach dem (kommerziellen) Debakel ihres letzten Albums "Biophilia" von 2011 werden nun diverse Neudeutungen diverser Acts handlich für die illegalen Downloader zusammengefasst. Björk als alter Stilstaubsauger hat dabei mit Omar Souleyman, Death Grips oder 16-Bit noch immer ein gutes Händchen. Andererseits deuten Leute wie Matthew Herbert oder Alva Noto auf ein Streben nach Sicherheit, das einfach alt wirkt. (schach, Rondo, DER STANDARD, 16.11.2012)

 

  • "Incorrigible!"
    foto: ladtk/hoanzl

    "Incorrigible!"

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