Mir doch egal

Christian Schachinger
15. November 2012, 18:32
  • Aino Jawo und Caroline Hjelt krachen mit ihrem Hit "I love it" in die Herzen der Weltjugend.
    vergrößern 600x793
    foto: fredrik etoall

    Aino Jawo und Caroline Hjelt krachen mit ihrem Hit "I love it" in die Herzen der Weltjugend.

Das schwedische Duo Icona Pop mag nur ein gutes Lied im Gepäck haben. Dieses aber ist unwiderstehlich: "I love it!"

Eine zentrale Botschaft, die das Herz der Jugend 2012 nach wie vor ungebrochen zu erreichen imstande ist, klingt so: "I don't care, I love it!"

Bevor der Mensch dazu gezwungen wird, Verantwortung für sich und sein Leben zu übernehmen, muss auf jeden Fall einmal der Fluchtgedanke auf dem Plan stehen. Lass die Leute reden, hör ihnen nicht zu. Verweigere Vernunft, Sachzwänge und die Zumutungen eines geregelten Tagesablaufs.

Deshalb befindet sich das schwedische Duo Icona Pop seit dem Sommer auch so erfolgreich auf dem Kurs hin zur immerwährenden Party. Ihr erster und möglicherweise auch einziger Hit "I love it" dauert zwei Minuten und 35 Sekunden. In denen wird alles gesagt, was es zu diesem Thema zu sagen gibt.

Die Eltern mögen die Argumente und das beliebte Hilfsmittel der schwarzen Pädagogik haben. Die Jungen aber haben nicht nur die Jugend, Jux und Tollerei auf ihrer Seite, sondern auch das Recht, gewisse Dinge nicht in Ordnung zu finden. Weil zu diskutieren ziemlich anstrengend und das Fenster zu öffnen und Zeug, das man nicht haben will, hinauszuschmeißen irgendwie effektiver ist, funktioniert die kalte Abfuhr seit Jahrzehnten: Mir ist das egal - und es gefällt mir so!

Verdienterweise schießt der kleine, flotte und sich direkt in die Synapsen fräsende Elektroschlager mit dem Extrawums Rhythmus nach Erfolgen im skandinavischen Raum derzeit in diversen Legalanschaffungscharts wie iTunes auf die Spitze.

Aino Jawo und Caroline Hjelt sehen sich mit ihrem unter Mithilfe der geistesverwandten britischen Synthetikpopgöre Charli XCX gebastelten Hit in der Tradition etwa der für Elvis Presley geschriebenen Wurschtigkeitsbehauptung von Leiber und Stoller. Ihr Song "Baby, I Don't Care" stand hier ebenso Pate wie das kariesgeschädigte Blecken der Sex Pistols oder der Ramones in den 1970er-Jahren - oder das Schaffen der Spice Girls in den 1990er-Jahren.

Für Renitenz mag man zwar irgendwann die Rechnung präsentiert bekommen, aber: "You're on a different road, I'm in the milky way / You want me down on earth, but I am up in space / You're so damn hard to please, we gotta kill this switch / You're from the 70's, but I'm a 90's bitch!"

Gearbeitet wird bei Icona Pop mit einfachen Mitteln. Statt einer E-Gitarre fräst ein Ballermann-Techno- und Rave-Synthesizer ein zünftiges Rock-'n'-Roll-Riff im Vierviertelrhythmus. Gesungen wird spice-girlig synchron - mit jeder Menge Hall zur Unterstützung der dünnen Stimmen. Synchron im Sinne von: ungefähr gleich und gleichzeitig.

Dabei entsteht nicht zwangsweise ein in seinen Einzelteilen gut bekanntes Statement zur Frage, ob es sich bei einer Collage um das Rückzugsgebiet kompositorisch nicht gerade hochbegabter KünstlerInnen handle. Pop und Originalität sollten gegen Ende des Maya-Kalenders bittedanke endgültig ein unvereinbares Begriffspaar sein. Man macht schließlich keine Kunst, man findet sie.

Derzeit stellen Icona Pop mithilfe einschlägig für Kolleginnen wie Robyn, Ellie Goulding oder Kylie Minogue arbeitender Produzenten in London ihr Debütalbum fertig. Man darf gespannt sein, ob sich das Duo dabei nicht nur seine herzerwärmende Unverfrorenheit beibehält, sondern auch den Charme einer zu Hause scheinbar im eiligen Schluderverfahren hingerotzten Musik, die nichts weniger als gute Laune verbreitet: "I got this feeling on the summer day when you were gone. I crashed my car into the bridge, I watched, I let it burn! I don't care, I love it!"

Das Beste, das wir jetzt tun können, ist Tanzen. (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 16.11.2012)

Hören Sie hier Tracks von Icona Pop im Spotify-Stream:

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 107
1 2 3
I Love It

Der Song hat tatsächlich was.
Muss ihn jetzt gleich nochmal hören.

2:36 meines lebens, die ich nie wieder zurück bekomme.

im übrigen bin ich der meinung, die sopper-herrschaft in der szene wien muss zerschlagen werden.

Can't get you out of my head / Time to pretend

Eine Mischung aus Kylie-pop und mgmt-alternative ...

Mein gott, ...

... über koppruch hat er keinen nachruf zusammen gebracht.

"es ist wirklich gut, daß es dich stört..."

antwerpen/nino/bulbureal

Dies für dich

Fand dieses Ignorieren auch sehr sonderbar, dürfte wohl eine musikredaktionelle Entscheidung gewesen sein. Möglicherweise gab es aber eine Erwähnung in der Abteilung "Bildende Kunst", nachdem Koppruch ja auch Maler war?
Hier ein Link zu einer Unterhaltung zwischen einem Mitposter und mir anlässlich seines Todes.
http://derstandard.at/plink/134... id28406296

Pfui Gack, Herr Schachinger!

Tuns nicht so berufsjugendlich und sagens einfach, was Ihnen ohnehin eingefallen ist: grausliche Plastikmusi

Guetta für Hipster!

Wenn ich Musik aus Skandinavien hören will

bevorzuge ich dann doch Turbonegro.

aber nur mit hank...

..als sänger....

kann die nummer sehr empfehlen, is schon ein bissl älter...

aber seitdem hab ich mir icona pop gemerkt.

http://www.youtube.com/watch?v=SEzhZIT6hMk

was is denn das für ein Schaß?? Klingt wie Yellow Magic Orchestra in den frühen 80gern, nur Brustschwach und mit weiblicher Stimme....

auweia!

Nach dem ich mir das Video angeschaut hab: Icona Pop - I don't care!

Und es soll ja aufregende Frauen geben, die dazu sogar noch aufregende Musik machen.

Aber egal, sowieso nur alles Geschmackssache.

Lol - wie die Bobos auszucken, sehr amüsant!
Wisst ihr, was der Unterschied zwischen euch und den zwei hochtoupierten Kasperlinen da oben ist? Mehrere Mille € am Konto, nachdem sie die 'hirnlose' und 'wertlose' GTI-Innenraumbeschallung als ihre Musik verkauft haben. Damit ist ihnen die Inflation auch ur wurscht, und somit brauchens auch nicht in anonymisierten Internetforen von Printmedien darüber weinen.

Ihr dürft euch jetzt weiter über den fürchterlichen Musikgeschmack der heutigen Jugend schluchzend auslassen und dabei über die gute alte Zeit mit Boney M., The Who, Bach und Brahms sinnieren.

Schönes Wochenende vom Pezibua, der diese hirnlos-wertlose Musik gerne beim Autofahren in seinem Golf GTI hört.

die bobos fahren da voll drauf ab.

Petznerbua? *ggg*

Hab ich ja noch nie gehört :-O /ironie

???

falschen Artikel erwischt o. musz ich mir das Video ansehen ?

Na, einfach nur die Grundstimmung der Kommentare hier im Forum durchlesen ^^

:)

danke, bin nur dem Toni gefolgt u. habe meinen Fehler ziemlich schnell erkannt

Jeder hat eine andere gute alte Zeit

Manche denken eher an Can, Silver Apples, Duke Ellington, Chopin, Schumann

Golf, lol!

GTI - Sie sind also AUCH aus den 70ern - ich WUSSTE es!

Ich fahre weder einen GTI noch bin ich aus den 70ern :-P

Posting 1 bis 25 von 107
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.