Steirische Adeligen-Porträtserie geht nicht ans Joanneum

14. November 2012, 12:43
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Versteigerung in Wien: Gemäldezyklus geht in österreichischen Privatbesitz

Hainfeld   - Leer ging das Universalmuseum Joanneum (UMJ) am Dienstagabend bei einer Auktion in Wien aus, bei der eine "Porträtgalerie des Steiermärkischen Adels" aus dem ehemaligen Besitz des österreichischen Orientalisten Joseph Hammer-Purgstall unter den Hammer kam. Der aus 58 Porträts bestehende und als "besonders schützenswertes Kulturgut" eingestufte Zyklus geht in österreichischen Privatbesitz, hieß es vonseiten des Auktionshauses "im Kinsky" auf Anfrage.

"Es stimmt uns schon traurig, dass wir den Zyklus nicht für unser Haus und damit die Öffentlichkeit bekommen konnten", resümierte der wissenschaftliche Leiter des UMJ, Wolfgang Muchitsch, der selbst mitgeboten hatte. Bis 130.000 Euro war er mitgegangen. Letztlich wurde der mit 120.000 Euro ausgerufene Posten laut Kareen Schmid, Expertin für Alte Meister im Wiener Auktionshaus, um 175.000 Euro (inkl. 25 prozentiger Käufergebühren) gekauft.

"Die Porträtgalerie stellt ein einmaliges Dokument zur Geschichte des 18. Jahrhunderts dar, das nicht nur kultur- und geistesgeschichtlich von höchstem Interesse ist, sondern auch vom musealen Standpunkt sehr attraktiv und vielseitig aufbereitbar gewesen wäre", so Muchitsch. Sie hätte allerdings noch "mit großem Aufwand" restauriert werden müssen. Das Museum habe sich "schon längere Zeit" um den Erwerb bemüht, seitdem der Zyklus im privaten Kunsthandel aufgetaucht ist. "Wäre die damalige Besitzerin gleich direkt an uns herangetreten, wäre der Ankauf keine lange Diskussion gewesen", so Muchitsch.

Die "Porträtgalerie des steirischen Adels" wurde 1762 vom neapolitanischen Maler Gennaro Basile gefertigt. Johann Wenzel Graf Puergstall fungierte als Auftraggeber der Porträtserie, die einen Querschnitt der innerösterreichischen Aristokratie seiner Zeit zeigt und seither im oststeirischen Schloss Hainfeld verwahrt wurde. 1835 erbte der Orientalist Joseph Hammer-Purgstall das Schloss und nutzte es als Wohnsitz. Sowohl das Schloss - das seit Jahresbeginn im Zuge eines Sanierungsverfahrens, einen neuen Besitzer sucht - als auch der bereits zuvor verkaufte Zyklus stehen unter Denkmalschutz. Der Zyklus darf nicht aus Österreich ausgeführt oder geteilt werden.  (APA)

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