Rauchen wirkt auf allergierelevante Stammzellen

14. November 2012, 15:13
  • Flüchtige organische Verbindungen (VOC) in der Wohnung  - wie sie etwa beim Rauchen einer Zigarette entstehen - haben den stärksten Effekt auf die Reifung von Stammzellen. Allerdings konnte nur bei Kindern, die bereits eine Hauterkrankung hatten, 
eine durch Umweltschadstoffe veränderte Anzahl von Stammzellen beobachtet werden.
    foto: dpa/martin gerten

    Flüchtige organische Verbindungen (VOC) in der Wohnung  - wie sie etwa beim Rauchen einer Zigarette entstehen - haben den stärksten Effekt auf die Reifung von Stammzellen. Allerdings konnte nur bei Kindern, die bereits eine Hauterkrankung hatten, eine durch Umweltschadstoffe veränderte Anzahl von Stammzellen beobachtet werden.

Eine Studie wies erstmals einen Zusammenhang von Rauchen und der Entwicklung allergierelevanter Stammzellen nach

Leipzig - Umweltschadstoffe sind schädlich für den menschlichen Organismus, insbesondere im Hinblick auf die Entstehung von Allergien. Eine Forschergruppe des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) konnte nun erstmals den Nachweis erbringen, dass Rauchen die Entwicklung von peripheren allergierelevanten Stammzellen im Blut beeinflusst. 

Stammzellen sind nicht spezialisierte Zellen, die sich unbegrenzt vermehren und in verschiedene Zelltypen entwickeln können. Aus ihnen differenzieren sich die verschiedenen Zell- und Gewebetypen des menschlichen Organismus - unter anderem auch das Allergiegeschehen fördernde eosinophile Granulocyten. Als Bindeglied zwischen unspezialisierten Stammzellen und spezialisierten Gewebe- oder Organzellen fungieren Vorläuferzellen wie etwa eosinophie beziehungsweise basophile Vorläuferzellen, die im Knochenmark heranreifen und dann in die Blutbahn - die sogenannte Peripherie - ausgeschwemmt werden. 

Effekt von Umwelteinflüssen

Ob und wieweit Umweltschadstoffe diesen Reife- und Entsendeprozess beeinflussen, wurde bislang noch nicht untersucht. Genau an diesem Punkt setzte das UFZ-Team von Irina Lehmann und Kristin Weiße an. Zwei Sachverhalte waren durch frühere Studien bereits bekannt: Einerseits lassen sich im Blut von Allergikern - gleich ob Kinder oder Erwachsene - erhöhte Zahlen an eosinophilen beziehungsweise basophilen Vorläuferzellen nachweisen. Auf der anderen Seite deutet ein Auftreten von jenen peripheren Vorläuferzellen im Nabelschnurblut auf ein erhöhtes späteres Allergierisiko hin.

"Wir wollten nun konkret wissen, ob das Auftreten von allergierelevanten Vorläuferzellen im Blut von Kleinkindern durch Umwelteinflüsse verändert werden kann", skizzieren die Wissenschaftlerinnen ihren Ansatz. Das Ergebnis der Studie, basierend auf Daten von 60 Kindern im Alter von einem Jahr, wurde kürzlich in der britischen Fachzeitschrift „Clinical & Experimental Allergy" publiziert. Demnach ist zu konstatieren, dass Kinder mit Hauterkrankungen wie atopischer Dermatitis oder Milchschorf erhöhte Mengen an eosinophilen Vorläuferzellen in ihrem Blut haben. 

Zusammenhang nur bei bestehender Hauterkrankung

Nun konnte erstmals der Nachweis erbracht werden, dass Kinder die bereits erkrankt sind, besonders sensibel auf Umweltexpositionen reagieren. Der Nachwuchs aus Familien mit hoher Belastung an flüchtigen organischen Verbindungen in der Wohnung (VOC) wies deutlich mehr allergierelevante eosinophile/basophile Vorläuferzellen als die Vergleichsgruppe auf. "Dass VOCs, die in hohem Maße über Zigarettenrauch freigesetzt werden, den stärksten Effekt auf die Reifung von Stammzellen erbringen, war nicht völlig unerwartet", so Lehmann.

Allerdings fügt Kollegin Kristin Weiße einschränkend hinzu: "Es ist zu betonen, dass wir nur bei den Kindern, die bereits eine Hauterkrankung bekommen haben, eine durch Schadstoffe veränderte Anzahl an Stammzellen beobachten konnten."

Das Fazit der Wissenschaftlerinnen: "Es besteht eine Verbindung zwischen genetischer Veranlagung für eine Erkrankung und Umwelteinflüssen. - Das heißt, es gibt Faktoren in Umwelt und Lebensstil, die darüber entscheiden, ob eine genetische Anlage zur Ausprägung gelangt oder nicht". (red, derStandard.at, 14.11.2012)

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Und noch immer dürfen in Ö.

ArbeitnehmerInnen am Gastronomie-Arbeitsplatz dem Rauch ausgesetzt werden.

Gesundheitsreform und ELGA sind allemal wichtiger, als die Ursachenbekämpfung von Krebs, Allergien usw. Da sind uns Länder wie Griechenland, Portugal und die Türkei Meilen weit voraus.

Und noch immer können sich Arbeitnehmer

für einen anderen Arbeitsplatz entscheiden. Aber keine Sorge, die Anzahl der Gastronomiebetriebe geht ohnehin zurück und damit die Zahl derer die gegen ihren Willen in diesem Lokal arbeiten müssen.

Ich bin übrigens der beste lebende Gegenbeweis. Ich bin starker Raucher und habe nur eine leichte Allergie gegen Zahlscheine. Vielmehr glaube ich, dass der allgemeine Vormarsch der Allergien an immer unerprobteren Immunsystemen liegt. Durch das Zocken an der Playstation bekommt man keine Abwehrkräfte, der Mensch braucht den gesunden Dreck!

Genau, Tabakrauch ist ja gesund. *facepalm*

Unfassbar!

Bei Männern ist Rauchen in etwa 90 % der Fälle für die Entwicklung eines Lungenkrebs verantwortlich, der häufigsten Krebsart weltweit. (de.wikipedia.org)

Traurig, dass die Leute diesen geldverschlingenden Schwachsinn erst nach der Diagnose Krebs bereuen.

unfassbar ist für mich, dass

wir zwar nahezu täglich eine studie über die schädigenden auswirkungen des rauchens präsentiert kriegen, gleichzeitig aber niemand es der mühe wert findet zu untersuchen wie sich phänomene wie auto- und industrieabgase, pestizidverseuchtes obst und gemüse oder antibiotikageschwängertes fleisch auf unsere gesundheit auswirken. noch dazu in der kombination.

so als wäre das tabakrauchen das üble schelchthin. wobei jedem halbwegs intelligenzbegabten klar sein müsste, dass das rauchen das geringste all dieser dinge ist.

Hier gibt es eh eine Kombinationsstudie: Und ich sag ihnen vorweg: Rauchen schneidet da ganz schlecht ab: (wobei jedem halbwegs intelligenzbegabten ohnehin klar sein müsste, dass das Rauchen das gefährlichster all dieser Dinge ist.

http://idw-online.de/pages/de/news99103

Fühlst du dich gut, wenn du ES (dein Wikipedia-Wissen) "ihnen" ordentlich rein gesagt hast?

Karzinom

Den Leuten ist das Ausmaß der Sucht nicht bewusst. Umso bedauernswerter finde ich Ihren Kommentar. Ich will niemanden etwas "reinsagen" oder mich "gut fühlen". Aber vielleicht kann man ja doch den ein oder anderen zum Nachdenken anregen.

Du kannst wirklich aus der Dachrinne trinken.

Stimmt

In meiner Raucherzeit habe ich aus Protest solchen Gut-Meiner-Menschen mit bödsinnigem Retter-Syndrom den Rauch direkt ins Gesicht geblasen.
Solche Aktionen hindern jeden Raucher, es zu lassen.

Testpost.

Rauchen ist schädlich für die Lungen. Bitte aufhören.

ich wünsch mir eine Welt

in der nicht geraucht wird, kein Fleisch gegessen wird und in der man bis mindestes 75 arbeiten will.

ja. und in wenn das geschafft wäre, würdet ihr feststellen:

ups, die menschen sterben a) noch immer und b) auch immer noch an bösen dingen wie krebs. weil das rauchen alleine - wenn man logisch denkt - niemals die alleinige ursache für die (so die zahlen) explosionsartige zunahme der krebserkrankunegn sein kann (und auch das fleisch - sofern aus biologischer tierhaltung - auch nicht).

Wenns keine Ironie wäre, würde ich zustimmen! Bis 65 arbeiten, das ist wohl erst der Anfang, da die Menschen immer älter und älter werden, wird das mit der Zeit wohl noch höher raufgesetzt und ist dann auch akzeptabel. Ich werde es - zum Glück - so aber wohl nicht mehr erleben bzw. am eigenen Leib verspüren. :-)
Früher ging man mit 55 in Pension und gab sehr oft mit 60-65 den Löffel ab, heute werden sehr viele 90 und älter, wie soll sich auf das auf Dauer rechnen, wenn die meisten nach Pensionsantritt noch 30 Jahre lang mehr oder minder fit herumkrabbeln?

Das "minder fit" ist wirklich ein Problem. Aber Statistiken sind ja so einfach zu lesen....

Kann ich als Sohn einer starken Raucherin nicht bestätigen

Im Gegenteil: In unserer Familie haben wir Allergiker nur unter Nichtraucherkindern.

ja... die Mami ist die Beste... aber lieber Allergie als süchtig...

der ehemalige deutsche bundeskanzler ist schon weit über 90 und kettenraucher und hat auch keinen lungenkrebs und das mit den allergien wird sich auch bald als unrichtig herausstellen

"ironie off" habe ich am schluss vergessen dazuzuschreiben

Wenn Sie das mantraartig dreimal am Tag wiederholen wird das sicher so sein. Sie müssen nur feste dran glauben.

Und wenn Sie es der Mutter nicht nachgemacht hätten, würden Sie jetzt auf der Nichtraucherseite stehen bzw. FÜR solche posten!

gute studie, am besten gleich publizieren.

Sie haben vergessen Helmut Schmidt und Jopi Heesters zu erwähnen.

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