Bwin-Chef wurde in Belgien verhört

14. November 2012, 11:45
1 Posting

Internetkonzern verteidigt Position: Haben immer nach geltendem Recht agiert. Bwin steht in Belgien auf schwarzer Liste

Gibraltar/Brüssel/Wien - Norbert Teufelberger, der Co-Chef des börsennotierten Online-Glücksspielkonzerns bwin.party, ist am Dienstagnachmittag zwei Stunden von belgischen Behörden befragt worden. Das bestätigte das Unternehmen am Mittwoch in einer Aussendung. Die belgische Glücksspielkommission BGC sei der Meinung, bwin.party verstoße gegen das nationale Glücksspielrecht, was bwin.party erneut dementierte.

"Wir halten an unserer Position fest, immer im Rahmen des geltendes Rechts agiert zu haben beziehungsweise zu agieren", erklärte bwin.party. Der Konzern ist der Ansicht, die belgische Gesetzgebung zum Online-Glücksspiel sei nicht mit EU-Recht vereinbar.

Teufelberger wurde am Dienstag in Brüssel von der Polizei in Gewahrsam genommen und zwei Stunden befragt. Er sei dem Ersuchen der Glücksspielkommission, ihn zu befragen, freiwillig nachgekommen, betonte bwin.party.

bwin auf schwarzer Liste

Belgien hat im Vorjahr seine Online-Glücksspielgesetzgebung auf neue Beine gestellt. Das Land erlaubt nur Anbieter, die in Belgien auch terrestrisches Glücksspiel betreiben, zum Beispiel die Casinos Austria mit ihrer Spielbank in Brüssel. bwin.party hingegen wurde - wie rund 50 weitere reine Internetanbieter - auf eine schwarze Liste gesetzt.

Bwin.party liegt seit längerem im Clinch mit den belgischen Behörden. Der österreichisch-britische Konzern hatte sich erfolglos für eine Lizenz beworben. Heuer wurden drei Websites des Konzerns geblockt, wodurch dem Unternehmen nach Eigenangaben monatlich 700.000 Euro an Umsatz entgehen.

Online-Glücksspielanbieter agieren in vielen europäischen Ländern in einer rechtlichen Grauzone. Während nationale Gesetzgeber vielfach Roulette und Co. im Internet den jeweiligen Monopolisten vorbehalten wollen, argumentieren private Firmen mit den Verkehrsfreiheiten der EU. Nicht zuletzt wegen der Schuldenkrise, aber auch auf Druck aus Brüssel, lockern einige Staaten momentan ihre Bestimmungen. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier trachtet nach einer europaweiten Harmonisierung und lässt derzeit entsprechende Vorschläge ausarbeiten.

bwin will Rechtssicherheit

Bwin.party lobbyiert seit Jahren für eine Liberalisierung des Online-Glücksspielsektors in Europa. "Wir haben Lizenzen in Gibraltar, Alderney, Dänemark, Frankreich, Deutschland (Schleswig-Holstein), Italien und Spanien", so die beiden CEOs Teufelberger und Jim Ryan in einer Aussendung. Die beiden wollen sich weiterhin für rechtliche Bestimmungen in den Unionsstaaten einsetzen, die mit EU-Recht kompatibel sind.

Die bwin.party-Aktie ist am Dienstag nach Bekanntwerden der Abführung Teufelbergers abgesackt und hat bis zu Börsenschluss in London mehr als vier Prozent eingebüßt. Am Mittwoch machte die Aktie am Vormittag wieder Boden gut und notierte bei 116,1 Pence (+2,4 Prozent). (APA, 14.11.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.