Frauenquote: EU schlägt Geldstrafe für Sünder vor

Thomas Mayer
14. November 2012, 18:18

Die EU-Kommission will die Mitgliedstaaten dazu bringen, die Frauenquoten in Aufsichtsräten großer Firmen zu erhöhen

Brüssel - Bei großen börsennotierten Unternehmen in Europa sind die Leitungsorgane (Vorstand und Aufsichtsräte) derzeit absolut männerdominiert: Nur jeder Siebente (13,7 Prozent) ist weiblich.

Bei operativ tätigen Vorständen ist es noch auffälliger: Neun von zehn Vorständen (91,1 Prozent) sind männlich. Weibliche Vorstandsvorsitzende (CEOs) sind mit 2,7 Prozent im EU-Durchschnitt ganz dünn gesät. Einige Länder wie Schweden oder Finnland (Frauenanteil über 25 Prozent) seien zwar die Ausnahme. Aber generell könne man sagen, dass der Aufholprozess von Frauen, die 65 Prozent der Hochschulabgänger ausmachen, an der Spitze der Wirtschaft "viel zu langsam vor sich geht". Das brachte EU-Justizkommissarin Viviane Reding am Mittwoch in Brüssel als Hauptargument vor, warum die Kommission einen Richtlinienvorschlag zur Einführung von Frauenquoten in großen Firmen (mehr als 250 Beschäftigte bzw. 50 Millionen Euro Umsatz) beschlossen hat.

Strafzahlungen oder Suspendierung

Bis 2020 sollen 40 Prozent der nichtoperativen Aufsichtsräte mit Frauen besetzt werden. Unternehmen, die mehrheitlich in Staatsbesitz stehen, sollen das bis 2018 umsetzen. Bei Exekutivorganen soll es eine freiwillige "Flexiquote" geben. Das sei für die EU-Mitgliedstaaten verpflichtend, sagte Reding.

Ab 2016 müssen die Regeln in nationales Recht umgesetzt werden, Sanktionen sind vorgesehen. Ob und wie diese Sanktionen vollstreckt werden, wird den EU-Staaten obliegen. Die Kommission führt in ihrem Vorschlag Beispiele an. So könnte es für Quotensünder Strafzahlungen geben; oder die Suspendierung der Besetzung von Aufsichtsräten, wenn die Besetzung mit einer weiblichen Kandidatin unterbleibt, wenn diese gleiche Qualifikation aufweist.

Umsetzung könnte Stolperstein werden

Wie dies legistisch umzusetzen ist, könnte sich noch als Stolperstein der geplanten Richtlinie herausstellen. Es gibt Experten, die Zweifel haben, ob man die Staaten zwingen kann, wirksame Sanktionen in Gang zu setzen. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat erklärt, dass sie von verpflichtenden Quoten nichts halte.

Laut Reding werde sich die EU-Kommission in Zukunft mit Klagen an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) wenden, der dann zu entscheiden habe. Beispiele in Frankreich und Italien zeigen, dass der Frauenanteil in Führungspositionen durch Vorschriften deutlich anstieg. Österreich liegt im Mittelfeld. (Thomas Mayer, DER STANDARD, 15.11.2012)

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Chancengleichheit statt Ergebnisgleichheit!

Viel wichtiger als die Ergebnisgleichheit (gleicher Anteil in Unternehmesführungen) ist die CHANCENGLEICHHEIT, nämlich dass alle die gleichen Chancen haben, so etwas zu erreichen.

Ich kenne KEINE junge Frau, die ernsthaft sagen würde, dass sie in irgendeiner Form die kleinere Chance gehabt hätte, etwas bestimmtes zu studieren oder eine Firma zu gründen, nur weil sie eine Frau ist. Dies ist nur noch in den Denkstrukturen der "40+ Feministinnen" vorhanden.

Die Frauen haben es selbst in der Hand, ebenso viele Firmengründungen oder Biochemie-Promotionen anzustreben (nur um 2 Beispiele zu nennen) wie die Männer.

vielen dank dafür! wegen dem namen hätte ich etwas pro quote erwartet, aber ich lasse mich ja immer wieder gerne positiv überraschen.

ich bni überhaupt der Meinung...

... dass sich der Staat noch viel mehr in das Leben der Menschen und in die Betriebsführung einmischen sollte.

Wenn die EU und unsere Beamtinnen neue Regeln und Strafen festlegen, fühl ich mich immer so richtig wohl, denn dann weiss ich, dass in den Amtsstuben hochkreativ und angestrengt gearbeitet wird!

Bärendienste

schade, da erzeugt man Bärendienste für so tolle Frauen wie Maria Schaumaier und Bleyleben-Koren.
(und viele Ungenannte auch)

Durfte beide erleben, jede anders, jede einfach gut.
Haben es auch in schwierigen Zeiten und vor allem ohne Quote geschafft.

Ich für mich werde Schwierigkeiten haben, bei Quotenfrauen objektiv zu bleiben, da schwingt unabänderlich was mit. Sorry und das wird vielen anderen auch so gehen.

Aber leider, viel mehr dieser tollen Frauen werden Sie nicht finden, es sind immer nur Vorzeigeexemplare, mit denen ein Exempel statuiert werden soll: seht her, es geht auch ohne Quote!
Die Wirtschaft hat lange genug Zeit gehabt, dieses Problem mit zuwenig Frauen in den oberen Etagen zu beseitigen. Genau nichts ist geschehen! Da verstehe ich Frau Redding, dass sie hart durchgreifen möchte!

damit beleidigen Sie alle Frauen, die es zu Führungspositionen gebracht haben

uzw ohne Quote...

Ohne die Parteien, in denen sie groß geworden sind, hätten sie es auch nicht geschafft, so wie viele andere fähige Frauen vor ihnen nicht.

fuer einen kurzen Stutenbiss

musz immer Zeit bleiben, nicht wahr

Na bittschön, die Koren ist wohl eindeutig nicht nur ihrer Fähigkeiten wegen das geworden, was sie ist.
Und die Schaumayer auch nicht.

eh ned,

nur ihrer high heels wegen, war schon in der Schule beruehmt dafuer

...das kann nur ein Scherz sein...

no geh

was sie nicht sagen

naja...

...ich denke jetzt auch zuweilen bei manch männlichen führungskräften, dass sie nur aufgrund ihres geschlechts an ihrer positition sitzen - so what...

Genau: rund 99,9% der männlichen Obersten sitzen wegen ihres Geschlechts ganz oben. Tierische Hackordnung nenn ich das, salopp gesagt!

Gut. Wenn gleichzeitig Männerquoten in typischen "Frauenberufen" geschaffen werden. Samt Strafzahlungen wenn nicht eingehalten.

z.B. Kindergartenbetreuer. Dort sind praktisch 100% Frauen, "Kindergartentante". Da sollte unbedingt eine Männerquote mit sagen wir 30% angeführt werden. Wenn nicht -> Strafzahlung.

Wird das Betreuungsniveau in den Kindergärten sicher toll beleben. (ansich wär es vielleicht ganz gut, aber doch bitte keine Quoten-Männer)

PS: Vielleicht sollte man mal nachdenken, warum sich in manchen Berufen fast keine Frauen oder fast keine Männer einfinden? Mit Quoten und Strafzahlungen wird man das nicht verbessern.

Bis 2020 sollen 40 Prozent der nichtoperativen Aufsichtsräte mit Frauen besetzt werden

Genial! Das wären dann nichtoperative Aufsichtsrätinnen die in ihrer Beratungs- und Kontrollfunktion nicht operativ sind ...

... und meine Abneigung gegen die EU wächst und wächst ...

... und meine Meinung, dass Feminismus gleich Totalitarismus ist, wird kontinuierlich gefestigt ....

... und meine Überzeugung, dass die sog. Eliten, egal ob männlich oder weiblich, immer alles zu ihrem eigenen Vorteil richten, wird wieder einmal bestätigt ...

... und, und, und ....

Bei uns wäre das eine Politikergattinnenquote...was es wirklich braucht, sind anonyme Bewerbungeh, extern überprüft. Dann würde der FrauenAnteil von selbst steigen.

Was passiert eigentlich in Unternehmen mit 80% Frauen? Müssen die dann auch für Männer Platz machen? Nein? Aha, verstehe...

Die Kindergärten und Altenheime stehen euch offen, es kommt nur keiner.

Geldstrafen halte ich für kontraproduktiv. Die EU sollte Geld in die Hand nehmen und das Übel an der Wurzel angehen:

Aufklärung in den Familien und Schulen, damit die Erkenntnis, dass Frauen mit gleichen Rechten bezüglich Berufswahl und Aufstiegschancen ausgestattet sind wie die Männer, sich flächendeckend durchsetzt.
Die erste männlichen Nachkriegsgenerationsgeborenen ist zu vergessen. Mit den darauf folgenden sieht es schon wieder ganz anders aus: da hat sich bereits viel verbessert. Wo ich speziellen Nachholbedarf orte sind die moslemischen insbesondere türkischen Männer, bei denen, so vermute ich, das überlieferte patriarchale System nach wie vor die bestimmende Rolle spielt. Türkische Frauen verdienen unsere besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung!

Ein interessanter Beitrag dazu

in der heute erschienenen ZEIT: Macho, weiß und von gestern. ... Die Männer des Westens sind bedroht- von Frauen, Migranten und vom Rest der Welt.
Eine aussagekräftige Graphik dazu, wie Amerika aussähe, wenn nur der weiße Mann (=rot) gewählt hätte: Rot rot rot, wohin das Auge blickt. Im tatsächlichen Ergebnis liegen sie knapp bei einem Drittel. Die amerikanischen Migranten (Coloured people) sind allerdings mit den unsrigen nicht vergleichbar, die aufgrund ihres kulturellen Hintergrundes eigentlich eher konservativ, also rechts wählen müßten. Wenn da nicht eine im Grunde Männermacho-Partei FPÖ wäre, die genau von dieser Machogesellschaft nichts wissen möchte.

Natürlich nicht nur türkische Frauen, sondern moslemische insgesamt. Die Türken bilden aber die moslemische Mehrheitsgesellschaft, deshalb!

Probleme für junge Männer an der Uni Wien...

...die Alten haben es sich eh schon gerichtet und hocken auf ihren Posten.
Aber die jungen Männer werden in nächster Zeit schlechte Karten haben. Bei nahezu allen neuen Positionen werden "bei gleicher Qualifikation" Frauen bevorzugt. Eine Uni-Karriere wird für junge Nachwuchswissenschaftler für die nächsten Jahrzehnte damit uninteressant.

Jezt erleben sie das, was für Frauen bis vor nicht allzulanger Zeit normal war.

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