Religion allein lehrt noch keinen Umgang

Philipp Koch
14. November 2012, 09:44

Brauchen wir einen verpflichtenden Ethikunterricht? Wenn ja, mit welchen Inhalten?

Wien - Eine Diskussion zwischen Uni-Professoren, Kirchenvertretern und einem Schuldirektor über Religions- und Ethikunterricht ist für die meisten Schüler wohl nicht gerade die Art Veranstaltung, die man an einem Donnerstagabend gerne besucht. Doch die dort debattierten Fragen betreffen ja vor allem uns: Ist Ethikunterricht prinzipiell sinnvoll? Welche Inhalte soll er behandeln? Deshalb begab ich mich zur Aula auf dem Campus des Alten AKH, in dem sich eingangs genannte Vertreter zum Thema "Religions- und Ethikunterricht: gleichwertige Alternativen?" trafen.

Was ist Ethik überhaupt? Eingebürgert hat sich die Ansicht, dass Ethik in Verbindung mit Religion steht - für den Philosophen Konrad Paul Liessmann ist es ein Rätsel, wie es zu dieser falschen Annahme kam: Ethik sei eine Disziplin der Philosophie, die sich mit Werten und zwischenmenschlichem Umgang auseinandersetzt, Religion hingegen von konfessionellen Inhalten geprägt und je nach Glaubensrichtung verschieden.

Momentan existiert ein für alle verpflichtender Religionsunterricht, wobei die Möglichkeit besteht, sich ab dem 15. Lebensjahr davon abzumelden. Da sich jedoch Schüler zunehmend vom Religionsunterricht befreien, wird schon seit Jahren über einen verpflichtenden Ethikunterricht diskutiert. Zudem bleibt das Problem für Schüler ohne Religionsbekenntnis, denen der Ethikunterricht als Alternative längst nicht an jeder Schule angeboten wird.

Freiwillig oder verpflichtend?

Das Bildungsministerium hat der Regierung bereits einen Bericht zur Einführung des Ethikunterrichts vorgelegt, nachdem dies an einzelnen Schulen erprobt wurde. Dass ein flächendeckender Ethikunterricht kommt, scheint relativ sicher - noch zu klären bleibt, ob dieser verpflichtend oder freiwillig sein wird. Die SPÖ möchte einen obligatorischen Ethikunterricht, wobei der Religionsunterricht auf freiwilliger Basis zusätzlich belegt werden kann. Die ÖVP hingegen fordert, dass der Ethikunterricht nur für diejenigen Schüler verpflichtend sein soll, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen.

Alle Diskutanten sind sich einig, dass - egal ob Ethik- oder Religionsunterricht - sich nur die verpflichtende Variante langfristig halten wird. Der freiwillige Unterricht fände am späten Nachmittag statt, und die Akzeptanz unter Schülern dafür wäre gering.

Die derzeitigen Missstände werden auch durch ein Beispiel einer Mutter vom Schulalltag ihres Sohnes deutlich: In den Pausen nach dem Religionsunterricht, der, wie in Österreich üblich, nach Konfessionen geteilt ist, werden die Schüler mit den Weltanschauungen einer anderen, ihnen unbekannten Religion konfrontiert. Aus Fragen à la "Warum isst du kein Schweinefleisch?" entstünden so regelmäßig Konflikte, weil durch die mangelnde ethische Bildung der Schüler die notwendige Toleranz anderen Weltanschauungen gegenüber fehle.

Kann der geforderte Ethikunterricht hier ansetzen und durch allgemeingültige Werte und Umgangsformen für Schüler aller Glaubensrichtungen Frieden stiften? Wahrscheinlich, doch müsse man auch bedenken, so meint Liessmann, dass Kinder und Jugendliche immer nach einem Grund suchen, sich zu entzweien, ob nun durch Religion oder Musikgeschmack.

Nicht nur zwischen den Konfessionen, auch innerhalb einer Religion unterscheidet sich der behandelte Unterricht sehr stark. Ich kenne es nur allzu gut aus meiner eigenen Schule: Während ein Lehrer vollkommen auf den christlichen Glauben ausgelegt unterrichtet, lehrt ein anderer ebenso ethische Inhalte und betrachtet die eigene wie auch andere Religionen gleichermaßen kritisch.

Nun liegt es an der Regierung, "im Sinne der Schüler" zu handeln. Das heißt, die Jugendlichen müssen ausreichend konfessionell und ethisch gebildet werden. Ob dies durch einen Ethikunterricht oder einen revolutionierten und einheitlichen Religionsunterricht vermittelt wird, ist sekundär. (Philipp Koch, DER STANDARD, 14.11.2012)

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Unterricht richtet nach unten

Unterricht richtet nach unten.
Wir sollten endlich mit dem UNTERrichten aufhören und LEHREN lernen.
LEHREN heißt: ein mitreißendes VORBILD FÜR LERNEN sein.
Das bringt einen NACH VORNE.
In der neuen Ich-kann-Schule kennt jedes Kind den Unterschied zwischen "nach unten" und "nach vorne", dort wird auch nicht unterrichtet sondern gelehrt.
Freundlich grüßt
Franz Josef Neffe

Lieber Phillip

Der Ethik-Unterricht hat, wie erwähnt, gar nichts mit Religion zu tun, muss also nicht zwischen den Religionen vermitteln. Wenn der religionsbeauftragte seinen Schäfchen nicht lehrt, was in anderen Religionen Sinn macht, dann wird's ihm/ihnen nicht wichtig sein.
Das echte Problem in dieser causa ist das Konkordat von 1934, das für den Minister bindend ist, und die ÖVP. Religion an sich ist auch in der Schule Privatsache und sollte als Fach am Nachmittag oder Wochenende unterrichtet werden.

Weder noch

Werte werden nicht dadurch vermittelt, dass sie unterrichtet werden, sondern dadurch, dass man sie vorlebt. Punkt.

Habe lange genug in einer konfessionellen Schule unterrichtet, wo es religiöse Werte gab, die immer wieder hochgehalten und gepriesen wurden, bloß das mit dem Vorleben war nicht oft zu sehen. Jetzt bin ich in einer öffentlichen Schule, wo wiederum die "Aufrechterhaltung der Ordnung" so manch unethische Blüte treibt.

Religionsunterricht sollte in einem Fach namens Kulturgeschichte aufgehen und mit anderen Dingen in Beziehung gesetzt werden. Und Ethik sollte nicht unterrichtet, sondern vorgelebt werden.

Bitte bedenken wir, was uns der "Katechismus der Katholischen Kirche" sehr klar vor Augen stellt (Nr. 2039): "Es ist nicht angemessen, das persönliche Gewissen und die Vernunft dem moralischen Gesetz oder dem Lehramt der Kirche entgegenzusetzen."

http://www.vatican.va/archive/c... 0Ecclesiae

Der Katechismus erinnert uns auch eindringlich (Nr. 1955):
"Angelpunkt des Sittengesetzes ist das Verlangen nach Gott und die Unterordnung unter ihn, den Quell und Richter alles Guten, sowie der Sinn für den Mitmenschen als ein ebenbürtiges Wesen."
http://www.vatican.va/archive/c... 0naturalis

Wer könnte ersthaft bezweifeln, dass der von den zuständigen geistlichen Autoritäten eingerichtete und approbierte Religionsunterricht genau der richtige Ort für eine sittliche geordnete Herzensbildung ist?

Da cor docile!

"Es ist nicht angemessen, [...] die Vernunft [...] der Kirche entgegenzusetzen."

No na - denn dann würde man ja erkennen, was für einen unhaltbaren Schwachsinn die verzapfen.

jo eh, sie haben total recht.

wie kann irgendwas einem nicht total weiter helfen, das propagiert, das hirn auszuschalten und regeln zu folgen, egal ob sie sinn machen?

wer könnte verneinen, dass das sich unterordnen an jemanden, der einfach net da ist und dessen sprachrohr, ein alter mann, homosexuelle und frauen als untermenschen betrachtet?

hmmm....

ich bezweifle es. und zwar mehr als nur ernsthaft.

religion hat in einer staatlichen schule überhaupt nichts verloren. man kann sie vielleicht im geschichts- und ethikunterricht durchnehmen. aber ansosnten sollte man das gehirngewäsch in den rein privaten bereich verlagern, wo es zweifelsfrei hingehört!

Übrigens glaube ich, dass ein verpflichtender Ethikunterricht viel mehr Sinn macht als ein Unterricht, der sich auf die römisch-katholische Kirche fokussiert.

Unsere Kultur ist im Wesentlichen geprägt von dem christlichen (nicht katholischen!) Moral- und Ethikrahmen, und daher macht es durchaus Sinn, den Geist und den eigenen Horizont in einem religiös neutralen Umfeld zu erweitern. Selbstverständlich sollte der religiöse Aspekt nicht unbeachtet bleiben, aber wenn man den Unterricht auf nur eine Religion konzentriert, verliert man andere Sichweisen, die aber genauso wichtig sind.

Genau in dieses Thema passt dann auch die Frage: Wie sollte ein Priester wissen, wie ich mit meiner Ehefrau umzugehen habe?

Zumindest auf Englisch solltest uns die heiligen Texte aber nicht vorenthalten.
(1) http://www.vatican.va/archive/E... /__P73.HTM
(2) http://www.vatican.va/archive/E... /__P6T.HTM

Wie sollten wir sonst deine Aussagen verifizieren können?

Wir sind das "dumme" Volk, guter Mensch, wir sind das Volk, das die Kirchensteuer zahlt, damit ihr weiter eure lateinischen Texte verbreiten könnt, um damit zeigen zu können: "Ohne uns kommt keiner in den Himmel, also kommt zu uns und zahlt recht fleißig."

Guten Abend und Grüß Gott, Monsignore!

Gottes Lob und Dank, daß ich Sie hier wieder antreffen darf.
Wollte nur bescheidenst mitteilen, daß Herrn Monsignores Interventionen wegen meiner Nachbarin bei der Hl. Mutter Kirche allergnäd. Gehör fanden.
Gestern waren 2 Herren Inquisitoren zwecks strenger Befragung bei ihr. Es waren "Gottes Initiative Säuberer" denn sie hatten Ausweise mit wo GIS draufstand.
Am Ende der Befragung der Hexe, äh, meine der Nachbarin, haben sie ihr Fernsehgerät mitgenommen, sicher zwecks Austreibung der darin befindlichen Dämonen.

P.S.: wann glauben Herr Monsignore, bekomme ich den der Kirche verfallenen BMW der Nachbarn überschrieben? Wichtiger aber ist mir das Seelenheil der Nachbarn natürlich, daß es durch das reinigende Autodafe über sie falle.

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass auch Sie zur Ruhe kommen.

Ut in omnia luceat caritas Sanctae Romanae Ecclesiae.
Pax tecum!

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass auch Ihnen mal ein Licht aufgeht.

Ich finde es traurig und aufrüttelnd, wie hier in manchen Postings beschimpft und gegrölt wird, anstatt ernsthaft zu diskutieren.

Erasmus von Rotterdam hat es nicht verdient, dass sein Name in den Schmutz gezerrt wird.

"Nun liegt es an der Regierung, 'im Sinne der Schüler' zu handeln".

Ds stimmt nicht ganz. Der Staat hat sich auch innerhalb der Verfassung zu bewegen und auch auf andere Aspekte zu achten.

Wie auch immer: wenn der staatlich finanzierte Religionsunterricht in öffentlichen Schulen endlich mal weg ist dann löst sich das Ethikproblem von alleine.

Es wird zu bedenken sein, dass im Falle einer zukünftigen Anerkennung auch die www.atheistische-religionsgesellschaft.at bei ausreichender Nachfrage von Seiten der Bedarfsträger berechtigt wäre, an öffentlichen und privaten Schulen einen aus öffentlichen Mitteln unterhaltenen konfessionellen Religionsunterricht zu erteilen. Die Inhalte eines solchen atheistischen Religionsunterrichts wären zwar mit dem bm:ukk zu verhandeln, die Letztentscheidung in der Personalauswahl und die religionsfachliche Aufsicht läge aber bei der Religionsgesellschaft.

Wo liegt das Problem? So ist nun mal die geltende Rechtslage.

1) Gleiches Recht für alle!
2) Gesetze kann man ändern.

Gleiches Recht für alle - ja, aber kein Vereinszwang. Folglich gehören alle Privilegien abgeschafft. Sollte die "Atheistische Religionsgemeinschaft", wider Erwarten, je anerkannt werden, würde es das Problem nicht lösen sondern verewigen denn nun wird es heissen, dass der Staat zwischen Etheisten und Konfessionellen nicht mehr diskriminiert. Mit dem Erfolg, dass der konfessionelle Religionsunterricht bleibt und genau 0 Schüler, da viel zu wenig, in den Genuss eines "Atheistischen Religionsunterrichts" kommen. Sehr g'scheit!

Kein Vereinszwang, und kein Eisesszwang, und kein Gutelaunezwang, und kein ...

Das ist ja hoffentlich selbstverständlich.

An Ihrer Logikkompetenz sollten Sie aber noch ein bißchen arbeiten:
"Gleiches Recht für alle - ja, aber kein Vereinszwang. Folglich gehören alle Privilegien abgeschafft."

DIESE Schlussfolgerung ("folglich") steht auf tönernen Füßen. ;-)

Ihr mißlungener Versuch einer Schlussfolgerung wäre vermutlich in einem Philosophieunterricht gut aufgehoben. ;)

Zur Verdeutlichung:

1) Gleiches Recht für alle.
2) Kein Vereinszwang.
-----------------------------
3) Folglich gehören alle Privilegien abgeschafft.

BRUHAHA, das nenn ich ja logisch wasserdicht. :)))

Langsam beginnst du zu verstehen, wovon die Rede ist, bist aber noch nicht ganz angekommen. Probiere es also langsamer: Wenn der Staat (=alle Staatsbürger) bestimmte Weltanschauungen, darunter meinetwegen auch eine Atheistische, privilegiert, werden all jene Personen, die keinen Bock haben, ihre Weltanschauung mit anderen Menschen im Rahmen eines Vereines (oder einer anderen Körperschaft), benachteiligt. Und zwar als Steuerzahler aber nicht nur als solche. Das gesamte "Bundesgesetz über die Rechtsperson von Bekenntnisgemeinschaften", auf das die imaginäre "Atheistische Religionsgemeinschaft" besonderen Wert zu legen scheint, ist verfassungswidrig, auch wenn diese Botschaft beim VfGH (anders alledingsals beim EGMR),noch nicht angekommen ist.

Ein freundlich gemeinter Tipp von mir:
Versuchen Sie doch, Ihr Anliegen gleich von Anfang an so zu formulieren, dass es von Leuten mit gleicher oder höherer Auffassungsgabe auf Anhieb verstanden werden kann. Wenn Sie von anderen nicht gleich verstanden werden, dann könnte es durchaus auch an mangelnder Ausdrucksfähigkeit auf Ihrer Seite liegen.

Im Ethikunterricht sollte übrigens auch genau das geübt werden: sich selbst ausdrücken und andere angemessen verstehen können.

"Im Ethikunterricht sollte übrigens auch genau das geübt werden: sich selbst ausdrücken und andere angemessen verstehen können."

für mich passt dies doch eher in den deutsch-unterricht.

Wenn Sie tatsächlich Jurist wären und die hierzulande geltende grund-/rechtliche Ausgestaltung der Religionsfreiheit vor Augen hätten, dann würden Sie nicht von einer "imaginäre[n] 'Atheistische[n] Religionsgemeinschaft'" sprechen.

Sie scheinen mir unhöflich (reden jeden mit "du" an, werfen begründungslos mit den Worten "unseriös" und "Schwachsinn" um sich), logisch ungeübt und eher nur kurzfristig an einem Thema interessiert zu sein. Waren Sie schon mal im Ethikunterricht? :(

PS:

und noch etwas: keine Religionsgemeinschaft hat den Inhalt des Religionsunterrichts mit dem BMUKK zu verhandeln. Lesen'S mal Gesetzestexte, angefangen mit dem RelUG, bevor Sie mit dieser Spassgemeinschaft, die nie abheben wird, die seriöse Leserschaft belästigen.

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