Salzburger erpresste deutsche Supermarktkette: Festnahme in Thailand

14. November 2012, 14:24
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Internationaler Haftbefehl: 61-Jähriger drohte Lebensmittel mit Botox zu vergiften - Angeblich 15 Millionen Euro gefordert

Salzburg/Duisburg/Pattaya - Die thailändische Polizei hat im Badeort Pattaya einen Österreicher festgenommen, der eine deutsche Supermarktkette um einen zweistelligen Millionenbetrag erpresst haben soll. Der 61-jährige Salzburger, der schon länger in Thailand lebt, war per internationalem Haftbefehl gesucht worden. Er soll gedroht haben, mit Botox vergiftete Lebensmittel in Filialen der Kette zu hinterlegen und dann über Medien die Öffentlichkeit zu informieren.

15 Millionen Euro verlangt

Die ersten Droh-Emails gingen im Juni in der Firmenzentrale in München ein. Ein Unbekannter drohte, vergiftete Produkte in den Geschäften zu platzieren. Laut der thailändischen Polizei soll der Salzburger 15 Millionen Euro verlangt haben. Das Geld hätte in zwei Tranchen binnen 36 Stunden an eine kanadische Bank überwiesen werden sollen.

Am 26. Juni soll der Mann mit einem Telefonanruf in einer Firmenzentrale seinen Forderungen auch mündlich Nachdruck verliehen haben.

Weltweiter Haftbefehl erlassen

Deutsche Ermittler verfolgten die E-Mails zum Computer des 61-Jährigen zurück und erließen einen weltweiten Haftbefehl. Am Dienstag wurde der Salzburger dann in seiner Wohnung verhaftet. 

Der Verdächtige hat laut einem Bericht der Onlineausgabe der Tageszeitung "Bangkok Post" nach seiner Festnahme die Anschuldigungen gegen ihn zurückgewiesen. Er habe der thailändischen Polizei gegenüber zwar gesagt, jener Mann zu sein, für den der Haftbefehl ausgestellt wurde, soll die Erpressung selbst aber bestritten haben.

Der Österreicher habe angegeben, von Russen mit dem Übersetzen von Dokumenten ins Deutsche und dem Versenden des E-Mails beauftragt worden zu sein. Die Russen werden von den thailändischen Ermittlern mit mehreren Droh- und Erpressungsfällen in Europa in Verbindung gebracht.

Die Auslieferung des Salzburgers an Deutschland dürfte nicht zu lange auf sich warten lassen: Die Polizei Essen, die mit Kripobeamten und Unterstützung des Bundeskriminalamtes an den Ermittlungen in Thailand beteiligt war, erwartet den Österreicher in den nächsten Tagen zur Vernehmung.

Herausgeber eines deutschsprachigen Magazins

Der Mann dürfte laut Angaben der thailändischen Polizei schon seit mehr als sieben Jahren in dem Badeort rund 100 Kilometer südöstlich von Bangkok leben und dort eine deutschsprachige Monatszeitschrift herausgeben.

Detlef Nowotsch von der zuständigen Staatsanwaltschaft Duisburg in Deutschland bestätigte Ermittlungen "gegen einen Österreicher wegen Erpressung", wollte sich aber nicht zum laufenden Verfahren äußern. Auch über das Motiv für die Erpressung gibt es derzeit noch keine Informationen.

Mann nach Deutschland ausgeliefert

"Es gab auch einen Inlandshaftbefehl der Staatsanwaltschaft Salzburg, weil hier der letzte bekannte Aufenthaltsort des Mannes war", betonte am Mittwoch Barbara Feichtinger, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Salzburg. "Der Mann wird aber nach Deutschland ausgeliefert. Dort wird ihm auch der Prozess gemacht werden."

Der Mann ist laut Feichtinger gerichtsbekannt. Der 61-Jährige musste sich 2003 in Salzburg wegen Veruntreuung und Diebstahls verantworten. (APA/red, 14.11.2012)

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