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13. November 2012, 21:06
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Das Tech Forum beschäftigte sich mit der Frage, welche Technologien unsere Zukunft bestimmen werden

Nokia und Kodak - einst waren diese Konzerne Marktführer, jetzt sind sie bedeutungslos oder auf dem absteigendenden Ast. Nick Evans, Vizepräsident des US-Beratungsunternehmens Strategic Business Insights (SBI), hatte diese Beispiele mit Bedacht ausgewählt: "Nokia und Kodak sind gute Beispiele dafür, wie man Trends und technologische Entwicklungen verschlafen kann. Im ersten Fall waren es die Smartphones, im zweiten Fall die Digitalfotografie."

Evans beantwortete damit die zentrale Frage des internationalen Tech Forum 2012 der Wirtschaftskammer (WKO) und des Wirtschaftsministeriums, das vergangenen Montag in Wien stattfand, "Does Technology Shape the Future?" eindeutig mit Ja. Die Antwort auf die Frage, wie man sich als Unternehmen für die Herausforderungen der Zukunft wappnen kann, folgte auf dem Fuß: "Innovation-Foresight", sagte der SBI-Mann, "ist der Weg, um Entwicklungen zu erkennen, die potenziell gefährlich werden könnten."

SBI, die ehemalige Business-Intelligence-Abteilung von SRI (dem früheren Stanford Research Institute), bietet Verfahren und Prozesse zur systematischen Analyse, die dabei helfen sollen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, Prioritäten zu setzen, um schließlich zu erkennen, "wann man eine Gelegenheit ergreifen sollte", sagte Evans. Ziel eines Foresight-Prozesses sei es, Erkenntnisse, die in Hinsicht auf die Unternehmensziele bessere operative oder strategische Entscheidungen ermöglichen, zu gewinnen. Dafür müsse man sich, wie es Barbara Weitgruber vom Wissenschaftsministerium ausdrückte, vor Augen führen, wie sich Technologie, Gesellschaft und politische Interessen beeinflussen.

Denn Innovationen, die alles Bisherige umkrempeln, kämen selten aus heiterem Himmel, stellte auch Evans fest. Es gäbe Trends, die sich abzeichnen. Seine Kollegen brachten in der Folge Beispiele, darunter Smart Cities. Diese Entwicklung folge dem Megatrend Urbanisierung. Immer mehr Menschen leben in immer größeren Städten, was wiederum direkte Auswirkungen beispielsweise auf das Energie- und Transportsystem der Zukunft haben wird.

Szenarien erstellen

Um diese Systeme am Laufen zu halten, müsse die Stadt "intelligent" werden - und das gehe eben nur über die entsprechende Technologie, erklärte Robert Thomas (SBI). Daraus könnten sich wiederum neue Geschäftsfelder entwickeln. Eine "Technology-Roadmap" in Kombination mit Foresight könne dazu beitragen, wenn schon nicht die Zukunft vorherzusagen, so zumindest Szenarien zu entwerfen, wie eine mögliche Zukunft aussieht und welche Perspektiven sich dadurch für das jeweilige Unternehmen ergeben. Mögliche und unmögliche Szenarien könnten so identifiziert werden. "Dadurch werden Unsicherheiten ausgeräumt", sagte er. Ein ständiges Monitoring relevanter Faktoren sei ebenso unabdingbar.

Kathleen McGowin vom Office of Intellectual Property and Industry Research Alliances (IPIRA, University of Berkeley) berichtete am Nachmittag über ihren Job und wie das IPIRA sich als Schnittstelle zwischen Industrie und Campus definiert. Sie erzählte davon, wie sich das Silicon Valley in den letzten Jahren veränderte: "Neue Firmen wie Facebook und Co brauchen keine Rohstoffe mehr, nur noch Menschen." Sie bezeichnete das Valley als "Start-up-Region, ein eigenes Ökosystem, in dem Konkurrenten miteinander kooperieren und jene, die mit Start-ups reich geworden sind, wieder in Start-ups investieren".

"Dennoch sollte Österreich nicht das Silicon Valley kopieren. Das gibt es nur einmal", sagte David Pistrui vom Illinois Institute of Technology in Chicago in der abschließenden Diskussion mit Vertretern der FFG, des AIT und der Außenwirtschaft Austria.

Pistrui sieht sehr viel Potenzial in Österreich, nur würden Talente vielfach an der hiesigen Bürokratie scheitern. Er schlug unter anderem vor, junge Unternehmer mehr zu fördern, Industrie und Unis stärker zu vernetzen, Vorschläge, mit denen er bei den Mitdiskutanten und dem Publikum offene Türen einrannte. (Markus Böhm, DER STANDARD, 14.11.2012)

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    Das Silicon Valley (im Bild die Facebook-Zentrale) gilt als Start-up-Region, in der aus Trends Geschäftsmodelle werden.

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