Beaujolais nouveau: In memoriam

  • Dass Beaujolais nouveau übrigens als das unaufregendste Produkt einer 
Weingegend, zum bekanntesten und - zumindest damals - auch zum 
beliebtesten wurde, ist schlicht Marketing.
    foto: apa/oliver lang

    Dass Beaujolais nouveau übrigens als das unaufregendste Produkt einer Weingegend, zum bekanntesten und - zumindest damals - auch zum beliebtesten wurde, ist schlicht Marketing.

Luzia Schrampf über den Beaujolais nouveau und andere Youngsters von gestern

Erinnert sich noch irgendjemand an Beaujolais nouveau? Genau. Jener blässliche, leicht spritzige Rotwein mit den farbenfrohen Etiketten im Art-déco-Stil, die alle irgendwie an Toulouse-Lautrec-Poster erinnerten. Ausgeliefert wurde er stets am dritten Donnerstag im November, was Anlass für allerlei Feste und Feiern around the globe war, die unter dem Generalmotto "Wer trinkt ihn zuerst?" abliefen. Was im Paris der 1970er begann, nämlich sich den Wein noch am Tag der Auslieferung schönzutrinken, verbreitete sich zunächst in Europa und dann weltweit. Teil des Mythenmarketings war auch, dass Händler und Gastronomen, die ihn vor Mitternacht verkauften, ordentlich Strafe zu zahlen hatten. In Japan, so sagt man, halte der Hype bis heute an. Ein ordentlicher Teil der Produktion ging auch nach Deutschland und in die USA, wo er anscheinend unauffällig versickerte.

In Österreich wurde ihm die Schneid zunächst vom Steirischen Junker abgekauft, einer Jungweinmarke unter der spritzige weiße Steirerweine zusammengefasst werden. Der Junge Österreicher, in Erweiterung des Jungweinspektrums, gab dem Beaujolais nouveau den Rest. Doch auch hierzulande wird man das Gefühl nicht los, dass der Jungweinhype am Abklingen ist.

Fruchtbetont, leicht, easy

Dass Beaujolais nouveau übrigens als das unaufregendste Produkt einer Weingegend, zum bekanntesten und - zumindest damals - auch zum beliebtesten wurde, ist schlicht Marketing. Um den fixen Fertigstellungstermin halten zu können, wurst ob es der Jahrgang zulässt oder nicht, ist eine spezielle Vergärungstechnik (macération carbonique) und einiger technischer Aufwand notwendig.

Als der Stern des Beaujolais nouveau Anfang der 1990er zu sinken begann, riss er allerdings auch alles mit, was den Namen Beaujolais trug. Leider zu Unrecht, denn der Weinstil an sich - fruchtbetonte, leichte, easy zu trinkende Rotweine - hat speziell als Essensbegleiter durchaus Anziehungskraft. Allein wenn man das "nouveau" weglässt und sich unter den AOC-Beaujolais-, -Village- und -Lagenweinen umtut, findet man ansprechende, animierende Weine, die weit mehr können, als bloß hip zu sein.

Den leichten Rotweinstil können wir übrigens mittlerweile auch selbst recht gut. Nur dass es sich mit dem Fertigwerden auf Biegen und Brechen um Mitte November herum nicht immer ausgeht. Aber das macht eigentlich gar nichts. (Luzia Schrampf, Rondo, DER STANDARD, 16.11.2012)

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