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Kenzo Takada vor einem seiner Kunstwerke: Seine Bilder bezeichnet er als "Modezeichnungen mit japanischen Motiven".
Als er sich im Jahr 2000, 30 Jahre nach Gründung seiner Marke Kenzo, aus der Mode zurückzog, wollte er eigentlich nur noch reisen und Zeit für Freunde haben. Doch schon bald entwarf er Wohnaccessoires, Kristall, Porzellan oder Teppiche für Luxusmarken oder auch Kollektionen für große Modeversandhäuser - lange vor dem Lagerfeld-H&M-Coup. Er begann auch, sich der Malerei zu widmen, die er jüngst in der Galerie Dutko in Paris zeigte, für den jungen Pariser Luxusjuwelier "10 Royale" entwarf er gerade eine Schmuckkollektion, in Monaco beteiligt er sich an einem Yachtdesign. Doch der "pariserischste aller Japaner", wie ihn die Franzosen nennen, lässt sich nicht so leicht adoptieren.
STANDARD: Sie leben seit fast 50 Jahren in Frankreich - sind Sie wirklich so pariserisch, wie die Franzosen Sie gern hätten?
Kenzo Takada: Ich glaube, je älter ich werde und je länger ich in Frankreich lebe, desto japanischer werde ich. Die Sprache kann ich immer noch nicht richtig gut, wie Sie ja hören ... (lacht). Es ist verrückt, meine Zunge will einfach nicht so, wie ich gern will. Auch meine Vorliebe für die japanische Küche, Architektur und Kultur wird immer größer statt kleiner. Es steckt wohl einfach in den Genen. Ich weiß es doch auch nicht!
STANDARD: Womit haben Sie Mühe in Frankreich?
Takada: Einerseits mag ich die Freiheit hier, die Unabhängigkeit, die jeder hat. Wir Japaner sind schon um einiges verklemmter. Bei uns zum Beispiel ist es grob unhöflich, Nein zu sagen. Das ist aber das, was ich am Anfang immer hörte. Oder wenn Leute laut und heftig miteinander diskutieren, ohne es böse zu meinen. Heute verstehe ich das, aber ich gewöhne mich einfach nicht daran. Ich selbst stecke auch voller Widersprüche: Ich bin schüchtern und wenig mondän, dennoch liebe ich Partys und Vernissagen.
STANDARD: Wie muss man sich Ihr Zuhause vorstellen?
Takada: Bei mir zu Hause vermischen sich die Stile, Westliches und Östliches, Altes und Neues, französische Kristalllüster, japanische Art-déco-Lackmöbel: ein Haussmann-Japan-Stil, würde ich sagen. Nur allzu diszipliniertes Design gefällt mir nicht. Und ich bin manchmal ziemlich unordentlich. Ich bin viel weniger Zen, als ich gern wäre (lacht).
STANDARD: Gibt es bei Ihnen auch Profanes wie Ikea?
Takada: Im Büro, ja. Für die praktischen Dinge.
STANDARD: Sind Sie eine Sammlerseele?
Takada: Ich war es, als ich noch das große Haus an der Bastille besaß ...
STANDARD: ... das als Kenzoland, als japanische Oase mitten in Paris, bekannt war und das Sie vor drei Jahren samt Ihrer Kunst- und Möbelsammlung verkauften ...
Takada: Das Haus habe ich zusammen mit einem Freund entworfen. Die Bauarbeiten waren gerade fertig, da starb er (Xavier de Castella, 1990 an Aids verstorben, Anm.). Für mich allein war es viel zu groß, aber damals wollte ich einfach noch nicht verkaufen. Also richtete ich es weiter ein, fing an zu sammeln: Möbel, Kunst, Objekte. Irgendwann wurde es mir zu schwer, es war Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Die guten Erinnerungen habe ich dennoch behalten. In meinen neuen Wohnungen habe ich weniger Platz, also sammle ich nicht mehr.
STANDARD: Wie haben Sie aussortiert?
Takada: Ich habe jemanden kommen lassen, der meine Dinge nach Feng-Shui, nach guter und schlechter Energie, bewertete und mir half, meine Möbel richtig zu stellen.
STANDARD: Hat das Ihr Karma verbessert?
Takada: Ich merke es nicht, aber ich halte mich trotzdem daran.
STANDARD: Sie leben seit drei Jahren hauptsächlich in Monaco - ein ziemlich langweiliges Steuerparadies ...
Takada: Es ist schön warm dort. Und ich habe dort Zeit zu malen.
STANDARD: Wie haben Sie zur Malerei gefunden?
Takada: Als ich bei Kenzo aufhörte. Zuerst habe ich mit Szenen aus dem traditionellen japanischen Nô-Theater angefangen. Selbstporträts mit Masken. Ich habe das Theater erst spät entdeckt, als ich schon in Frankreich wohnte. Wahnsinnig kompliziert, reduziert, voller Symbolik und kunstvoller Kostüme. Wow! Diese Faszination wollte ich wiedergeben.
STANDARD: Ihre neuen Arbeiten sind ...
Takada: ... mit leichterer Hand gemalt. Wie Modezeichnungen mit japanischen Motiven.
STANDARD: Sind Sie ein disziplinierter Arbeiter an der Leinwand?
Takada: Wenn ich erst einmal angefangen habe, ja. Dann gehe ich jeden Tag morgens in mein Atelier in Monaco und male. Oft bin ich nicht zufrieden, dann mache ich Yoga und abends weiter. Ich dachte lange, nur malen alleine und reisen würde mir reichen. Das war schlecht kalkuliert. Es ist mir auf Dauer einfach zu langweilig.
STANDARD: Sie fingen schnell wieder an zu entwerfen ...
Takada: Ja, punktuell für kleine Editionen. Ich mag es einfach, Dinge zu erschaffen - und ich werde auch oft gefragt. Und wenn mir das Projekt gefällt, sage ich zu. Gerade kommt meine Schmuckkollektion für den jungen Pariser Luxusjuwelier "10 Royale" heraus, und in Monaco habe ich ein Projekt für ein Bootsdesign. Was mich dabei fasziniert, ist, mit Spezialisten zu arbeiten, von ihnen lernt man so viel.
STANDARD: Interessieren Sie sich heute noch für Mode?
Takada: Mit der Mode ist es ein bisschen so wie mit dem Tanzen. Wenn man einmal aufhört, ist es schwierig, wieder einzusteigen. Alles ist so schnell geworden im Gegensatz zu früher. Mode ist ein großes Thema geworden, es gibt kaum noch junge Leute, die sich nicht dafür interessieren. Ich kann den ganzen Trends kaum noch folgen. Nur Alber Elbaz, den finde ich wirklich interessant.
STANDARD: Und die US-Designer Humberto Leon und Carol Lim, die Kenzo seit rund einem Jahr führen?
Takada: Sie haben jungen Esprit und Dynamik in die Marke gebracht, ein bisschen zu jung vielleicht (er denkt lange nach und winkt dann ab) ... Lassen wir das Thema lieber.
STANDARD: Und Sie selbst? Wie viel Zeit investieren Sie in Ihren Look?
Takada: Früher habe ich mit allen möglichen Stilen experimentiert, heute ziehe ich mich eigentlich immer gleich an: Blazer, Jeans, Hemd. Meistens schwarz und grau. Das passt gut zu meinen Haaren. Farben trage ich nur im Urlaub. (Silke Bender, Rondo, DER STANDARD, 16.11.2012)
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