Schwarz-grüne Träume in Berlin

13. November 2012, 18:11
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CDU sieht neue Bündnischancen – SPD reagiert gereizt

Kaum haben die deutschen Grünen in einer Urabstimmung Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt zu den Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl im Herbst 2013 gekürt, da sieht so mancher in der CDU schon Chancen für eine schwarz-grüne Koalition nach der Wahl.

"Bei unklaren Mehrheitsverhältnissen wäre Katrin Göring-Eckardt sicher jemand, der sich Schwarz-Grün nicht verweigern würde", sagt der Chef der CDU-Arbeitnehmer im Bundestag, Peter Weiß. Auch Mike Mohring, Fraktionschef in Thüringen, erklärt: "Die Realos sind bei den Grünen präsenter geworden. Das macht Schwarz-Grün wahrscheinlicher."

Sogar aus Bayern kommt Lob: Er kenne Göring-Eckardt als "verlässliche und fromme Frau", betont der ehemalige Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU). Er könne sich vorstellen, dass "es zu einem Wahlergebnis kommt, wo Schwarz-Grün die Chance ist, und dann habe ich keine Bedenken Schwarz-Grün auch in Erwägung zu ziehen". Dies sei etwas "völlig anderes als noch vor zehn Jahren".

Das neue Gemeinschaftsgefühl macht sich in CDU/CSU aber nicht nur breit, weil Göring-Eckardt praktizierende Protestantin ist und zum wertkonservativen Flügel der Grünen zählt. Auch Wahlarithmetik spielt eine Rolle.

Zwar kann heute noch niemand sagen, wie die Wahl 2013 ausgehen wird. Doch dass es zu einer Neuauflage von CDU/CSU und FDP kommen wird, ist aufgrund der andauernden Schwäche der deutschen Liberalen sehr unwahrscheinlich. Dann bliebe für die Union nur noch die Große Koalition - oder eben Schwarz-Grün.

Blamierte Roth tritt erneut an

Die schwarz-grünen Träume lassen bei SPD-Chef Sigmar Gabriel die Alarmglocken schrillen. Er forderte nach der Nominierung von Trittin und Göring-Eckardt ein deutliches Bekenntnis zu Rot-Grün: "Wählerinnen und Wähler wollen Klarheit und kein doppeltes Spiel." Woraufhin Trittin brav erklärte: "Wir wollen Rot-Grün."

Dafür wird auch Grünen-Chefin Claudia Roth kämpfen. Sie wäre ebenfalls gern Spitzenkandidatin für die Wahl 2013 geworden, hatte von den Parteimitgliedern aber nur magere 25 Prozent bekommen. Roth ist darüber zutiefst frustriert, wird aber dennoch am Samstag beim Grünen Parteitag erneut als Parteichefin antreten. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 14.11.2012)

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