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vergrößern 600x800Die Ausstellung "Mikrofotografisches Bibelstechen" ist bis 17. Februar 2013 im Österreichischen Museum für Volkskunde zu sehen.
Wien - "Zufall ist vielleicht das Pseudonym Gottes, wenn er nicht selbst unterschreiben will", schrieb im 19. Jahrhundert der französische Schriftsteller Théophile Gautier. Und auch heute wird, wer an gottgegebenes Schicksal glaubt, den Zufall mindestens mit Nichtbeachtung, wenn nicht Verachtung strafen. Dem Mikrofotografischen Bibelstechen könnten aber vermutlich sowohl Verfechter als auch Gegner des Zufalls etwas abgewinnen.
Anleihen nahm die Ausstellung im Volkskundemuseum mit diesem ebenso geheimnis- wie verheißungsvollen Titel beim Bibelstechen - oder auch "Däumeln": So nennt man das ungezielte Aufschlagen des Buchs der Bücher mit einer Messerspitze oder dem Finger, um die derart gefundene Textstelle für eine Art christliches Tarot zu verwenden. Wer also nach dem Jahr 2013 fragt und so auf die Offenbarung von Johannes mit dessen Endzeitvisionen stößt, wird sich womöglich mit dem Buchen des nächsten Sommerurlaubs noch etwas Zeit lassen.
Im Volkskundemuseum variierte man diese Technik der Vorhersage, um aus den Inventarbüchern des Volkskundemuseums je 14 Objekte der Schausammlung und ebenso viele aus den Fotokollektionen zu filtern. Per Los fanden sich Paarungen zusammen, deren schicksalhafte Trinität sich mit einem ebenfalls zugelosten Orakel vollendete: Schriftsteller wie Kathrin Röggla oder Hanno Millesi, Künstlerinnen wie Andrea van der Straeten und Mara Mattuschka oder Philosophinnen wie Monika Wulz gaben sich der freien Assoziation hin. Oder wie es Matthias Klos, der mit Herbert Justnik die Idee zur Schau hatte, ausdrückt: "Sie belauschten das Raunen der Objekte." So kommt der Koboldkrug als Gasbehälter in der Rakete eines Südtiroler Astronauten zum Einsatz, und ein Kuhglockenband dient als ätzender Vergleich für das lumpige Hochzeitsornat eines Pfarrers.
Besonders originell zu sein war keinesfalls das Motiv, das die beiden dazu veranlasste, das Kuratieren an den Zufall zu delegieren. Justnik und Klos sind auch vom Verdacht erhaben, die interpretative Arbeit auf Dritte abwälzen zu wollen. Vielmehr geht es darum, die Perspektive des Volkskundlers abzulegen und über Poesie und Fabulierkunst zu einem erneuerten Blick auf musealisierte Objekte zu gelangen. Noch dazu auf Objekte, die ja nie fürs Museum gedacht waren, sondern ein mehr oder weniger schillerndes Vorleben als Gebrauchsgegenstände hatten.
In Zeiten wo das Modell eines Museums als klassifizierender, ordnender und bewahrender Koloss ist die Krise geraten ist, sind erneuernde Ideen gefragt. Auch in der bildenden Kunst kam der Zufall ins Spiel, als die Vernunft allein nicht mehr zu neuen Lösungen führen wollte. Und so wird in den Museen nach Herzenslust zeitgenössisch interveniert und interdisziplinär gemischt, von Künstlern kuratiert. Im Volkskundemuseum wird nun gespielt. Anregend. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 14.11.2012)
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Oh Phrase, oh Phrase.
Die Museen sehen sich seit 20 Jahren nicht mehr in der Position, dass sie als ordnenden, klassifizierende Kolosse agieren. Das war Vor-Vorgestern.
Gerade in der Volkskunde. Da hat man schon längst ganz andere spannende Strategien.
selbst im Standard wird keine gelegenheit zur bewußtseinsvernebeling und dem depperten endzeitgerede ausgelassen
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