Eon stellt sich auf rauere Zeiten ein

13. November 2012, 17:58

Schwächelnde Stromnachfrage in weiten Teilen Europas und anhaltend tiefe Großhandelspreise für Strom belasten den Gewinn

Düsseldorf - Der größte deutsche Energiekonzern Eon hat wegen der schwachen Stromnachfrage in Europa seine Geschäftsprognosen für die nächsten Jahre gekippt. Das Dax-Schwergewicht sorgte damit am Dienstag trotz Milliardengewinne im laufenden Jahr für einen Paukenschlag und schickte seinen Aktienkurs zeitweise um gut zehn Prozent in den Keller. " Die Verwerfungen in den europäischen Energiemärkten verschärfen sich schneller als jemals zuvor", sagte Vorstandschef Johannes Teyssen.

Durch die Eurokrise greife die Rezession um sich. In Deutschland müssten zudem wegen des boomenden Ökostroms immer häufiger Gas- und Kohlekraftwerke zurückstehen. Teyssen treibt den Abbau tausender Jobs sowie Beteiligungsverkäufe in Milliardenhöhe voran.

Noch im Sommer schien es, als könne der größte deutsche AKW-Betreiber die Einbußen durch den beschleunigten Atomausstieg hinter sich lassen. Einmalbelastungen aus der Atomwende fielen nicht mehr an, zudem sorgten günstigere Verträge mit dem russischen Gasprom-Konzern für Entlastung. In den ersten neun Monaten dieses Jahres konnte Eon auch noch kräftig zulegen. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um 35 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro.

Für 2012 bleibt der Ausblick bestehen - die Gewinne sollen steigen und die Aktionäre eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie erhalten, nach einem Euro 2011.

Bisher hatte Eon für 2013 ein Ebitda von 11,6 bis 12,3 Mrd. Euro, für 2015 bis zu 13 Mrd. Euro in Aussicht gestellt. Diese Prognosen sei Makulatur, räumte Teyssen ein. "In Europa und mittlerweile auch in Deutschland wächst die Wirtschaft deutlich verlangsamt, manche Teile Europas gehen in Richtung Stagnation oder gar Schrumpfung", sagte er.

Auch die Großhandelspreise vermiesen den Versorgern das Geschäft. Das trifft auch Eon-Konkurrenten. Die Essener RWE legt heute, Mittwoch, seine Zahlen vor. Wegen schwächerer Nachfrage der Industrie in den schuldengeplagten Ländern Südeuropas und Überkapazitäten an Kraftwerken sind die Großhandelspreise auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren gefallen. Die privaten Verbraucher profitieren davon aber kaum, da zugleich Steuern und Abgaben im Haushaltskundenpreis gestiegen sind. (Reuters, red, DER STANDARD; 14.11.2012)

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