Schmiergeldverdacht trifft Baufirma Porr

13. November 2012, 18:53
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700.000-Euro-"Zufallsfund"

700.000 Euro soll ein Handlanger für die Baufirma Porr über Strohmänner an den Lobbyisten Walter Maischberger bezahlt haben, mutmaßlich um Insiderinformationen aus der Bundesimmobiliengesellschaft BIG zu kaufen, berichtet die Wiener Stadtzeitung "Falter" in ihrer neuesten Ausgabe. Dabei handle es sich um einen "Zufallsfund", der einer Anwältin eines besachwalteten Geschäftsmannes zu verdanken sei.

Porr hatte der Bundesimmobiliengesellschaft eine Immobilie in der Wiener Nordbergstraße weggeschnappt, die für die WU angekauft hätte werden sollen. Die Korruptionsstaatsanwaltschaft bestätigte der APA "ein Verfahren bezogen auf eine Immobilie in der Wiener Nordbergstraße".

Die Anwältin habe als Sachwalterin des Baumeisters in einer Anzeige nicht nur von "höchst merkwürdigen" Vorgängen, sondern auch von Honoraren und Schweizer Konten berichtet. Auch hatte sie "enorme Provisionen" von Meischberger zurückverlangt, "da keine dokumentierte Leistung" vorhanden gewesen sei, so die Wochenzeitung. Konkret gehe es um die erwähnten 700.000 Euro.

Provision

Teile der Provision des Verkaufs habe dann der von Ex-Finanzminister Karl Heinz Grasser eingesetzte BIG-Aufsichtsrat Ernst Plech erhalten, habe Meischberger ausgesagt.

Lobbyist Meischberger behauptet laut "Falter" auch, er selbst habe das Projekt zwei Jahre betreut. Der Rest ist dann offenbar, was in Österreich schon für massive Aufregung gesorgt hatte: Meischberger soll Grasser kontaktiert haben, damit dieser Gründe für die Porr-Provisionen nenne - Stichworte: "Wos wor mei Leistung?" und "Recherchier im Internet!"

Die Sachwalterin des Baumeisters habe laut Falter bei der Kriminalpolizei angegeben, "sie sei seit eineinhalb Jahren mit der Aufarbeitung der Vermögensverhältnisse ihres Mandanten beschäftigt und dabei seien höchst merkwürdige Dinge aufgefallen. (...) Es gäbe Verträge zwischen den Firmen des Baumeisters und dem Porr-Konzern, wonach dieser (...) hohe Summen vom Gewinn der Porr (...) kassierte. Sie könne sich jedoch nicht vorstellen, was ihr Mandant als 'Ein-Mann-Firma' für solche Summen für den Porr-Konzern geleistet haben könnte. Es gäbe dabei auch Geldflüsse in die Schweiz", zitiert der "Falter" offenbar aus Polizeiunterlagen.

Laut der Wochenzeitung untersuchen die Behörden, ob die Porr ein Schwarzgeldnetzwerk aufgebaut hat und ob Grassers Berater oder er selbst davon profitierten. Die Beschuldigten bestreiten alle Vorwürfe, für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung. (APA, 13.11.2012)

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