Fragen nach der Zukunft der Salzach

  • Mit einer künstlichen Rampe nahe Oberndorf wird schon jetzt versucht, die Flusssohle der Salzach zu stabilisieren.
    foto: land salzburg

    Mit einer künstlichen Rampe nahe Oberndorf wird schon jetzt versucht, die Flusssohle der Salzach zu stabilisieren.

Rund 60 Flusskilometer sind es von der Stadt Salzburg bis zur Mündung der Salzach in den Inn. Was mit dieser Strecke geschehen soll, ist Inhalt eines bayerisch-österreichischen Flussdialogs. Im Jänner werden dazu 19.000 Anrainer befragt

Salzburg - Zwischen 14. Jänner und 3. Februar kommenden Jahres haben mehr als 19.000 Haushalte auf der bayerischen und auf der österreichischen Seite der Salzach Gelegenheit, ihre Vorstellung zur Zukunft des Grenzflusses zu formulieren. 14 Fragen werden den Einwohnern von Oberndorf, Bergheim, Nußdorf und Anthering (alle im Flachgau) und jenen von Laufen, Saaldorf-Surheim und Freilassing (alle in Bayern) vorgelegt. Das Meinungsbild ist zentraler Bestandteil des von den Umweltministerien Bayerns und Österreich sowie vom Land Salzburg initiierten Flussdialogs. Dieser soll die Basis für Entscheidungen über die Zukunft des sanierungsbedürftigen Flusses bilden.

Im Kern geht es dabei um die Frage, wie die Sohle der Salzach zu stabilisieren ist. Durch die zahlreichen Kraftwerke im Oberlauf fehlt dem Fluss Geschiebe, und durch die Begradigungen hat er enorm an Tempo zugelegt. Beides führt zu einer rasanten Eintiefung. Die Uferböschungen drohen einzustürzen, und in der Folge steigt die Überschwemmungsgefahr für große Gebiete im Freilassinger Becken.

Umweltschützer haben Gespräche verlassen

Zur Wahl steht letztlich eine Grundsatzentscheidung: Wird der Fluss mit einem weiteren Kraftwerk gebremst und so die Eintiefung gestoppt, oder wird das Bett der Salzach aufgeweitet, der Fluss renaturiert, in Mäanderform geführt und so verlangsamt.

Die Umweltschutzorganisationen Bayerns und Österreichs haben die Gespräche bereits frühzeitig verlassen. Sie sprechen von einem " Scheindialog für die Durchsetzung einer scheinbar ökologischen Wasserkraftnutzung". Aus dem dem Standard vorliegenden Entwurf des Fragenkatologs, der jetzt noch von den Ministerien und dem Land abgesegnet werden muss, ist diese Einseitigkeit freilich nicht herauszulesen. Die Themengebiete rund um ein Kraftwerk oder die Renaturierung sind neutral formuliert.

Nach Auswertung der Anrainerbefragung wird das Ergebnis im Frühjahr den Wasserbauexperten und der Politik vorgelegt. Der Flussdialog soll bis Mai 2013 abgeschlossen sein. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 14.11.2012)

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