Brust statt Selbstekel

14. November 2012, 15:10
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Mögen sämtliche Heilsversprechen in Erfüllung gehen. Denn wenn nicht, schaut es bitter für sie aus

Schön, wenn am Ende alle zufrieden sind: Sandra, weil durch die Brust-OP ihr Selbstekel verschwindet. Christine, weil ihre Fettpölster begradigt werden. Simona, weil die Falten gestrafft sind. Marlies, weil die Oberweite auf einheitliches Aussehen gebracht wird. Puls 4, weil über Endlich schön endlich wieder diskutiert wurde. Die Schönheitsklinik über üppige Eigenwerbung.

Mögen sämtliche Heilsversprechen in Erfüllung gehen. Denn wenn nicht, schaut es bitter für sie aus. Die locker- flockig dargebrachte Vorher/-Nachher-Philosophie hat nämlich einen schweren Haken, wie die Autoren Hans Weiss und Ingeborg Lackinger-Karger in ihrem Buch Schönheit. Die Versprechen der Beauty-Industrie (Deuticke) belegen: Kaum erforscht sind nämlich Langzeitfolgen von Schönheitsoperationen. Hinweise darauf sind rar, aber doch einigermaßen beunruhigend. Nach Brustvergrößerungen etwa müssen zwei bis vier von zehn Frauen innerhalb von zehn Jahren nachoperiert werden wegen Komplikationen wie "Schmerzen, Faltenbildung, Asymmetrien, Implantateinrissen und Kapselfibrosen".

Nach Fettabsaugungen ist laut Studien das Fett innerhalb eines Jahres an anderen Stellen wieder da. Berührungsempfindlichkeit an behandelten Stellen kann dauerhaft bleiben. Nach einer Zeit können "Hautdellen und Hautstufen auftreten, die unter Umständen einen weiteren Eingriff notwendig machen". Botox bleibt in einem von fünf Fällen wirkungslos, verursacht aber in zehn Prozent Kopfschmerzen. Kann passieren, muss aber nicht. Aber ob Sender und Klinik im ungünstigen Fall immer noch große Gönnerschaft spielen und ein weiteres Mal zum OP-Tisch laden, will man gerne sehen.
(Doris Priesching, DER STANDARD, 14.11.2012)

  • "Endlich schön" mit Puls 4.
    foto: puls 4

    "Endlich schön" mit Puls 4.

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