Psychisch Kranke sterben früher

13. November 2012, 17:51
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Daten widersprechen These vom freiwilligen Frührentner

Wien - Es ist immer öfter nicht der Körper, sondern der Kopf, der nicht mitspielt. Während der Zustrom in die Invaliditätspension insgesamt leicht abschwillt, nimmt die Zahl der Frühpensionierungen aus psychischen Gründen zu: 1998 waren es 4500 pro Jahr, heute sind es doppelt so viele. Psychiatrische Leiden sind mittlerweile der am häufigsten angeführte Grund für den Gang in die Invaliditätspension.

Derartige Krankheiten sind allerdings objektiv schwer nachzuweisen. Können diese Leute wirklich nicht mehr oder wollen sie nur nicht? Neue Daten der Pensionsversicherung sprechen gegen die Tachinierer-These. Demnach sterben psychisch Kranke im Schnitt weit früher als andere Ruheständler. Normale Alterspensionisten werden 80,9 (Männer) und 82,6 Jahre (Frauen) alt, Invaliditätspensionisten generell 70,5 und 71,8 Jahre. Psychisch kranke Frührentner hingegen erreichen lediglich ein Alter von 62,9 beziehungsweise 67,4 Jahren. Ihr Pensionsantrittsalter liegt bei 48,7 und 47,3 Jahren.

Auch die psychisch bedingten Krankenstände nehmen zu, allein von 2009 bis 2010 um 12,3 Prozent. 900.000 Österreicher, also mehr als zehn Prozent der Bevölkerung, lassen sich im Laufe eines Jahres diesbezüglich behandeln.

Sozialversicherungs-Strategie

Die Sozialversicherungen haben nun eine Gegenstrategie entwickelt. Es warte "mühsame Knochenarbeit", sagt Christoph Klein, Vizedirektor des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, zumal auf vielen Feldern anzusetzen sei: bei der Vorsorge in Schulen und Betrieben, bei der Kooperation der Einrichtungen, beim Ausbau der Angebote. Beispiel: Die Pensionsversicherung hat die Reha-Plätze für psychisch Kranke in fünf Jahren von 700 auf 5500 aufgestockt - und immer noch, sagt Vizechefin Gabriele Eichhorn, "sind es zu wenige". (jo, DER STANDARD, 14.11.2012)

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