Polizei will verstärkt gegen Drogenkriminalität vorgehen

13. November 2012, 14:48
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Im Gespräch sind mehr Präventionsbeamte, weniger Drogenersatzstoffe und Haaranalysen

Wien - Die Anzeigen in Zusammenhang mit Drogendelikten steigen kontinuierlich. Das teilte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien mit. Dort präsentierte sie auch die neue Anti-Drogenstrategie ihres Ressorts. Die Polizei solle stärker präventiv tätig sein, medizinische Untersuchungen sollten moderner und effizienter und die Überwachung weiter ausgebaut werden.

Doppelte so viele junge Drogenkranke

Vor allem die Zahl der jungen Drogeneinsteiger im Alter von 14 bis 18 Jahren hat sich in den vergangenen Jahren nahezu verdoppelt. Waren es 2009 noch 395, wurden im Vorjahr 670 Menschen gezählt. Der Suchtmittelkonsum von Jugendlichen wird gerne verharmlost, meinte die Ministerin, was nicht zuletzt auch in der Rechtsordnung begründet sei. Während einem betrunken Autofahrer mit 1,5 Promille ein halbes Jahr der Führerschein entzogen wird, muss ein Drogenlenker mit maximal einem Monat rechnen.

Beschaffungskriminalität

Die Beschaffungskriminalität darf nicht außer Acht gelassen werden, meinte Mikl-Leitner. Im Jahr 2010 hätten von 18 Tankstellenüberfällen in Wien, 16 einen Konnex zur Suchtmittelszene gehabt. Die Devise dabei soll laut Mikl-Leiter daher "früher, schneller und effizienter" lauten.

Mehr Aufklärung für junge Leute

Die Innenministerin stellt daher die geplanten Eckpunkte vor. So sollen Jugendliche über Drogen aufgeklärt und informiert werden. Derzeit seien in Österreich 255 Präventionsbeamte im Einsatz. In Wien, wo die Drogenproblematik am größten ist, sind es 50. Ab Anfang kommenden Jahres sollen daher 44 weitere dazukommen.

Medizinische Beurteilungen sollen rascher erfolgen. Derzeit ist die Verständigung der Gesundheitsbehörden durch die Polizei erst möglich, nachdem die Ermittlungen abgeschlossen sind. Das dauert Monate. Folgeschäden für die Betroffenen könnten vermieden werden, wenn bereits eine frühere Abklärung erfolgte, meinte die Ministerin.

Haaruntersuchung gefordert

Auch Kontrollen sollen effizienter werden. "Weg von der Harnanalyse - hin zur Haaruntersuchung", forderte Mikl-Leitner. Eine Harnuntersuchung gibt über eine Beeinträchtigung zum aktuellen Zeitpunkt (bis 48 Stunden später) Auskunft. Eine Haaranalyse lässt Aussagen über einen längeren Zeitraum andauernden Drogenkonsum zu.

Weg von Drogenersatzstoffen

Mikl-Leitner will zudem weg von Drogenersatzstoffen, die neue Probleme verursachen - Stichwort Schwarzmarkt. "Wir wollen die Substitution nicht abschaffen", meinte die Ministerin. In Therapien sollen aber viel früher psychosoziale Maßnahmen gesetzt werden.

Auch der Direktor des Bundeskriminalamtes, General Franz Lang, betonte, dass für die Strategie ein besseres Lagebild, die Erstkonsumenten betreffend, notwendig ist. Dafür wäre es nötig, sich schneller an die Gesundheitsbehörden wenden zu dürfen. Wird bei einer Verkehrskontrolle oder im Zuge von Ermittlungstätigkeiten ein Drogenkonsument angetroffen, müssen zuerst die polizeilichen Ermittlungsarbeiten abgeschlossen werden - erst dann können im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Gesundheitsbehörden verständigt werden. (APA, 13.11.2012)

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