"Frankfurter Rundschau" meldet Insolvenz an: Ende droht

Die Tageszeitung kämpft mit massiven Umsatzverlusten im Anzeigen- und Druckgeschäft - Für Management war "keine Perspektive mehr erkennbar"

Frankfurt/Wien - Die kleinste deutsche Qualitätszeitung ist zahlungsunfähig: Dienstagvormittag meldete die Frankfurter Rundschau (FR) nach Eigentümerwechseln und Sparrunden Insolvenz an. Der gerichtliche Verwalter muss nun alle Ausgaben der Geschäftsführung absegnen.

Das Management begründet das mit "massive Umsatzverluste im Anzeigen- und Druckgeschäft"; "Somit war auch für die Geschäftsleitung keine Perspektive der Fortführung des Unternehmens mehr erkennbar", ließ der Verlag verlauten. "Wesentliches Ziel" sei "derzeit, den Geschäftsbetrieb fortzuführen." Gehälter seien bis Ende Jänner 2013 "abgesichert".

Laut Branchendiensten soll die FR 2004 rund 136 Millionen Euro verloren haben; allein 2012 würden 16 Millionen Minus erwartet.

Das linksliberale Blatt gehört zu 50 Prozent plus eine Aktie der Zeitungsgruppe DuMontSchauberg, die mit Stadt-Anzeiger, Rundschau und Express den Kölner Markt dominiert. 40 Prozent hält die SPD-Medienholding DDVG; zehn die vom langjährigen Herausgeber initiierte Karl-Gerold-Stiftung.

Mehrfache Kürzungen

Schon 2003 musste das Land Hessen Darlehen besichern; die Stiftung verkaufte 2004 90 Prozent der DDVG. Die kürzte die Belegschaft mehr als die Hälfte. 2006 übernahm DuMont, verkleinerte auf Tabloid-Format, lagerte den Gutteil der Redakteure aus, zahlte sie nicht mehr nach Kollektivvertrag. Mehrfach kürzte DuMont Jobs und legte 2011 überregionale Ressorts mit seiner Berliner Zeitung zusammen. 

Der Deutsche Journalisten-Verband forderte die Eigentümer nach dem Insolvenzantrag auf, auf Kündigungen in der Redaktion weitgehend zu verzichten. "Die Journalistinnen und Journalisten der "FR" brauchen eine berufliche Perspektive", erklärte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. Er erwarte, dass der Verlag den Betroffenen adäquate Stellen bei anderen Medien von M. DuMont Schauberg anbiete.

Der deutsche Medienwissenschafter Horst Röper sah die Managment-Fehler bei der "Rundschau" vor allem im Versuch begründet, eine "im Kern eher regionale Zeitung" bundesweit, also überregional, anzubieten. "Mit einem entsprechenden Kostenapparat."

0,5 Prozent der Deutschen ab 14 Jahren nutzen die Frankfurter Rundschau. Die Süddeutsche 2,1 Prozent, die Frankfurter Allgemeine 1,3, Die Welt 1,2. In Österreich lesen 4,8 Prozent den STANDARD, Die Presse 3,6. (red, DER STANDARD, 14.11.2012/APA, online ergänzt)

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