Versorgungslücke bei Diabetes-Medikamenten

13. November 2012, 13:18

600.000 Menschen sind in Österreich von der Krankheit betroffen - Die Österreichische Diabetes-Gesellschaft sieht eine Versorgungslücke bei neuartigen Medikamenten und setzt sich für die Senkung des LDL-Cholesterins ein

Anlässlich des Weltdiabetestages am Mittwoch fordert die Österreichische Diabetes-Gesellschaft (ÖDG) die Versorgung der Betroffenen mit neuartigen Medikamenten sowie ein österreichweites Diabetes-Register. "Leider sind manche dieser Medikamente aus Kostengründen für Patienten in Österreich nicht verfügbar, während Patienten in ärmeren Ländern der EU diese sehr wohl erhalten", klagt ÖDG-Präsident Heinz Drexel in einer Aussendung.

Rund 600.000 Österreicher sind von der Krankheit betroffen, die bei schlechter Behandlung zur Schädigung kleiner und größerer Blutgefäße führt. Das kann Herzinfarkte und Schlaganfälle zur Folge haben - die häufigste Todesursache bei Patienten mit Diabetes. Die zunehmende Häufigkeit von Diabetes-Erkrankungen würde laut ÖDG zudem mehr Ausbildungsstellen für Diabetes-Spezialisten notwendig machen.

"Schlechtes" LDL-Cholesterin senken

Durch eine gute Blutzuckereinstellung könnten Schäden an den kleinen Gefäßen und die daraus resultierenden Augen-, Nieren- und Nervenschäden weitgehend vermieden werden. Für die Verhinderung der besonders häufigen und schwerwiegenden Schäden an den größeren Gefäßen ist jedoch eine Senkung des "schlechten" LDL-Cholesterins wirksamer. Patienten mit Diabetes erleiden umso weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle, je niedriger ihr LDL-Cholesterin ist.

"Weil Cholesterin-Ablagerungen in den Gefäßen für Herzinfarkte und Schlaganfälle verantwortlich sind, sollte der Zielwert des "schlechten" LDL-Cholesterins von bisher unter 100 mg/dl auf unter 70 mg/dl gesenkt werden. Dieser Wert könnte dank hochwirksamer und trotzdem sehr gut verträglicher Medikamente heute grundsätzlich erreicht werden", forderte der ÖDG. "Eine aktuelle Erhebung des VIVIT Instituts in Vorarlberg hat gezeigt, dass viele Diabetes-Patienten in Österreich leider noch nicht von einer konsequenten Cholesterinsenkung profitieren", stellte Drexel abschließend fest.

Am Weltdiabetestag selbst nimmt Österreich aktiv an der World Diabetes Day Monument Challenge teil. Auf Initiative der ÖDG werden dieses Jahr in Österreich wieder öffentliche Gebäude und Sehenswürdigkeiten blau beleuchtet. (APA/red, derStandard.at, 13.11.2012)

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werde aus diesem Artikel nicht schlau... geht es hier um Actos (Actos/Pioglitazon - da gab es doch jede Menge Warnhinweise dazu - deshalb wohl auch die Entscheidung Chefarztpflichtig - ja die europäische AM-Agentur hat ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis festgestellt aber gleichzeitig rät sie zur genau kontrollierten Therapie) oder geht es hier um Cholesterinsenker oder um welches Mittel geht es hier tatsächlich??

Es geht vorwiegend um DPP4-Hemmer (Januvia, Galvus, Onglyza) und GLP1-Analoga (Victoza, Bydureon und demnächst auch Lyxumia). Actos ist chafarztpflichtig weil teuer, nicht wegen etwaiger Gefahren (siehe Beispiel Sortis: fast zeitgleich als die Generika da waren, wanderte es in die grüne Box).

bei Pioglitazon gibt es sehr wohl Bedenken und nachweislich erhöhte Risiken - deshalb chefarztpflichtig!!!! in ganz Europa nur vom Facharzt verordnungsfähig - bei Atorvastatin/Sortis gebe ich Ihnen Recht da wars wohl eine Kostenfrage

Abwarten.

Pioglitazon-Generika sollten bis Ende 2013 verfügbar sein. Dann sehen wir weiter ;)

Chefärzte sind primär als ökonomische Barriere gedacht, nicht um die Patientensicherheit zu erhöhen. Da gilt nach wie vor das Prinzip, dass der Arzt auf eigene Verantwortung jedem das meiste verschreiben kann (natürlich exkl. Suchtmittel). Als Selbstzahler kann jeder von uns mit einem Rezept Actos kaufen - klug ist es halt für Nicht-Diabetiker nicht.

grüne box ? bitte laienverständlich posten

grüne Box = frei verschreibbar, keine Chefarztpflicht mehr

Danke, dann kommt noch das nächste Problem

ob das Medikament überhaupt noch in Ö von den Firmen ausgeliefert wird!

Wieso nicht?

Das Patent läuft überall in der EU gleichzeitig ab und die meisten Patienten, die das Original hatten, wehren sich vehement gegen jede Umstellung ("Glucophage" von MSD hat z.B. einen Marktanteil von knapp 70%, obwohl über 20 Generika verfügbar sind). Der Originalhersteller macht immer noch genug Geld mit dem Präparat, nur eben auf niedrigerem Niveau weil man sich preislich den Generika anpasst.

Sie brechen alles auf Geld herunter.

Es ist schon richtig, dass es ums Geld geht. iemand kann vom Herschenken leben. Aber Tatsache ist, dass die Bereitschaft in und nach Österreich Arzneimittel zu liefern bzw. anzubieten deutlich gesunken ist. Tatsache ist auch, dass ständig und täglich etwas quer durch das Sortiment nicht lieferbar ist. Und die nachfolgenden Komplikationen sind beträchtlich. Und es handelt sich auch um nicht einfach austauschbare Wald und Wiesenarzneien. Und bitte die Verunsicherung der Patienten ist ebenfalls mehr als gegeben und sich nicht wünschenswert! Lesen Sie das Profil dieser Woche!

Arzneimittelkontingentierung

Österreich ist entgegen der verbretieten Meinung bei "echten" Medikamenten im EU Schnitt ein Billigpreisland. Wenn also irgend etwas knapp wird, dann zuerst in Österreich.
Empfehle zur Nachprüfung dieses Sachverhaltes beim nächsten Apopthekenbesuch sich diese Aussage an aktuellen Beispielen bestätigen zu lassen.
Metformin gibt es von 10 bis 15 Anbietern, aber es gibt auch nicht ersetzbare Lücken in der Belieferung.

alexandra140604

leider nützte das bei mir gar nichts. ich habe mein leben umgcoestellt und auch mein cholesterin stark unter kontrolle. trotzdem ohne medikamente bleiben meine zuckerwerte sowohl nüchtern als auch nicht nüchtern deutlich über der norm. nur unter einhaltung der medikamente ist nunmehr alles okay. allerdings muss ich sagen, dass ich seit jahren metaformin nehme und das ist kein spezialmedikament, sondern schon fast ein generika. mein frau auch diabetikern benötigt allerdings aufgrund der teilentfernung ihrer bauchspeicherldrüse spezialmedikamente die allerdings ebenfalls problemlos erhältlich sind. deswegen verstehe ich diesen artikel nicht ganz.

benötigt allerdings aufgrund der teilentfernung ihrer bauchspeicherldrüse spezialmedikamente die allerdings ebenfalls problemlos erhältlich sind

Sie meinen wohl Kreon, d.h. künstliche Verdauungsenzyme. Das zählt insofern nicht mit, als dass es sich um kein Mittel gegen Diabetes handelt, sondern die Verdauung ermöglichen soll wenn Teile der Bauchspeicheldrüse fehlen.

Was das Metformin angeht: Das ist ein sehr guter Anfang und man kriegt auch oft den Diabetes damit unter Kontrolle, aber nach einigen Jahren versagt das Metformin als alleiniges Präparat bei fast allen Erkrankten und dann braucht es mehr Medikation. Das Problem ist, dass viele andere Präparate nebenwirkungsreicher sind als Metformin (Unterzucker, Gewichtszunahme,...). Seit 2005 gibt es neue Medikamente, die so was nicht verursachen, nur eben unter relativ strengen Auflagen der Krankenkassen, was nicht sein müsste.

glitazone haben sich ja auch nicht als allzu praktikabel erwiesen.

Sie bringen bei manchen Leuten eine Reihe von Nebenwirkungen mit sich, sind aber als Antidiabetikum gar nicht so schlecht. In den kommenden Jahren fällt der Startschuß für die Nachfolgepräparate (Glitazare), die neben den Zuckerwerten auch die Blutfette senken - vielleicht kann man sie dann irgendwie aus dem Kreuzfeuer nehmen.

schlecht sind sie absolu nicht, aber die prophezeite therapeutische breite wars dann doch nicht.

Das stimmt.

Das interessante an Pioglitazon ist, dass es als einzig relevanter Wirkstoff noch ein gewisses Potential hat wenn alle anderen oralen Diabetesmedikamente versagen (d.h. wenn Metformin nicht mehr reicht und Sulfonylharnstoffe bzw. DPP4-Hemmer nicht mehr wirken). Wenn es gut vertragen wird (und das Gewicht nicht hochkatapultiert), kann man sich durchaus eine Zeit lang das Insulin ersparen.

Wahrscheinlich würde bei einem gewissen Anteil (vielleicht sogar Großteil) der betroffenen Patienten eine Lifestyle-Modifikation - also regelmäßige Bewegung, Gewichtsreduktion, Cholesterin-arme Kost, ... - noch mehr Benefit bringen, als die neuesten Medikamente. Ist so eine Vermutung - würde uns allen viel Geld ersparen, und denjenigen, die wirklich auf die neuesten Medikamente angewiesen sind, den Erhalt derselben auch ermöglichen.

Theoretisch könnte man mit einer konsequenten Lifestylemodifikation fast jeden Typ 2-Diabetes verhindern bzw. umkehren. Praktisch läuft das darauf hinaus, ein jahrzehntelang angelerntes Verhalten innerhalb kurzer Zeit abzulegen und massive Umstellungen aufrechtzuerhalten. Für die meisten Menschen schlicht unmöglich (für Sie und mich in dieser Situation ebenso).

Typ 2-Diabetes-Prävention muss in der Kindheit und Jugend ansetzen, sonst ist es zu spät.

Die "neuen" Medikamente sind vorhanden.

Ich hab eines davon gerade von der Apotheke abgeholt. Mein Arzt hat es mir verschrieben und ich habe es mit Chef-ärztliche Bewilligung problemlos bekommen, wie alle anderen Patienten, die es brauchen, auch.

Was soll der Schwachsinn?

Was ganz klar fehlt, ist die ZWINGENDE Schulung der Allgemeinmediziner zu dem Thema. Da leben auch heute noch viele vom Wissensstand von vor 30 Jahren, als sie ihr Studium abgeschlossen haben.
Was tut die Österreichische Diabetes Gesellschaft dagegen?

Ich denke, es geht hier eher um Relationen.

Onkologen und Rheumatologen haben es in Österreich beispielsweise relativ leicht, Medikamente für ihre Patienten bewilligt zu kriegen, bei denen die Monatstherapiekosten schnell in den vierstelligen Bereich steigen. Dagegen sage ich auch nichts, es hat wohl alles seine Rechtfertigung. Als Diabetologe muss man einem Chefarzt ausführlichst erklären, wieso man ein GLP1-Analogon um 160€/Monat einsetzen möchte, obwohl ein Patient genausogut (bzw. genausoschlecht) mit 150+ Einheiten an Insulin pro Tag auskäme. Der Unterschied liegt eben darin, dass er mit dem Insulin aufgeht wie ein Germteig, mit dem GLP-1 potentiell aber leicht 10kg abnehmen kann, von Wirksamkeit und Lebensqualität ganz zu schweigen.

Die 10 kg nimmt er durchs GLP-1 höchstens dann ab, wenn er davon eine Pankreatitis bekommt.

Wenn ein Patient exzessiv viel Insulinbedarf hat, dann liegt das meistens daran, dass er glaubt er könne jetzt so viel essen wie er will - braucht dann eh nur spritzen, anstatt mit einer Diät einmal stabile Stoffwechselverhältnisse zu schaffen. Dass er dadurch immer dicker wird, stark schwankende Zuckerspiegel hat mit Hypogefahr - darauf muss man ihn explicit hinweisen.

Sie wissen das alles!!

Die 10 kg nimmt er durchs GLP-1 höchstens dann ab, wenn er davon eine Pankreatitis bekommt.

Polemischer Unsinn.

Mit dem Essen an sich hat das gar nicht so viel zu tun, aber wenn jemand einmal 120kg wiegt, ist es relativ klar, dass man mit Bolusinsulindosen unterhalb der 5-6IE/BE wenig reisst.

Sie werden uns doch nicht die insulinsparende Technik des variablen Spritz-Ess-Abstands verschweigen? Auch bei neuen Insulinen!

Also, wenn ich mir ansehe, was mein Arzt an Doku über mich abschickt, kann ich das nicht nachvollziehen.

Wobei, ich bin in der Schiene jetzt schon lange drin, war auch bei Studien dabei usw.

Ich sehe eher, dass viele die Ärzte einfach zu faul und zu uninteressiert sind ihren Job zu machen!

Wenn ich auf Menschen treffe, die, wie ich vor Jahren, mit der Erkrankung nicht klar kommen, und die zu besseren Ärzten schicke, dann klappt das bei denen auch sehr gut. Die kommen dann auch an die richtigen Medikamente ran und Lebensqualität steigt enorm.

Welche Krankheit, welche sind die richtigen Medikamente?

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