Initiative rückt dem Wiener Leerstand zu Leibe

Martin Putschögl
13. November 2012, 13:08
  • Ein im "Leerstandsmelder" eingetragenes Objekt im 7. Bezirk: "Wird aufgrund der zentralen Lage oft angefragt, der Eigentümer/Nutzer reagiert bereits gereitzt [sic]", steht unter den "weiteren Infos".
    vergrößern 638x631
    screenshot: derstandard.at

    Ein im "Leerstandsmelder" eingetragenes Objekt im 7. Bezirk: "Wird aufgrund der zentralen Lage oft angefragt, der Eigentümer/Nutzer reagiert bereits gereitzt [sic]", steht unter den "weiteren Infos".

IG Kultur will den Leerstand ums Eck sichtbar machen und fühlt sich von der Stadt allein gelassen

Von der Stadt Wien wird in Sachen leerstehender Häuser, Geschäftslokale und Wohnungen zuwenig getan, kritisiert die IG Kultur. Deshalb wurde man nun selbst aktiv und hat nach deutschem Vorbild einen "Leerstandsmelder" ins Internet gestellt, in dem die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt ihre Beobachtungen mitteilen können. Erste Einträge können bereits angesehen werden (Link siehe unten), IG-Vorstandsmitglied Willi Hejda erwartet, "dass sich die Wiener Karte nun recht rasch füllt".

Der "Leerstand ums Eck" solle so "sichtbar, diskutierbar" gemacht werden. In Deutschland, wo es in Hamburg den ersten "Leerstandsmelder" gab und mittlerweile in vielen großen Städten gibt, funktioniere das System recht gut, so Hejda. Auch in der Schweiz stehe man kurz vor dem Start.

Die Website funktioniert ähnlich wie das allseits bekannte "Wiki"-System, jeder User kann selbst ein Objekt "melden" und auch gemeldete Objekte kommentieren, etwa wenn der dort eingetragene Leerstand bereits Geschichte ist oder es andere wichtige Infos dazu gibt. Um zu melden bzw. zu kommentieren muss man sich allerdings zunächst als User registrieren.

"Kulturressort redet nicht mit uns"

Von der Stadtpolitik fühlen sich die Betreiber allein gelassen: Die Installation einer "Zwischennutzungsagentur" sei zwar im rot-grünen Regierungsprogramm festgeschrieben, bisher sei dazu aber nichts passiert. Angesiedelt sei das Vorhaben im Ressort von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ), "die reden dort aber nicht mit uns", klagte Hejda am Dienstag.

Die Kulturabteilung der Stadt Wien hat allerdings immerhin eine Studie der TU Wien gefördert, die sich der "Perspektive Leerstand" widmet und deren zweiter (von drei) Teilen nun ebenfalls präsentiert wurde. Sie vergleicht die Situation in Wien mit jener in anderen europäischen Metropolen und spricht Empfehlungen aus, u.a. für ein "ressortübergreifendes" Leerstandsmanagement der Stadt. (map, derStandard.at, 13.11.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 55
1 2

Ebenso interessant wäre ein Leerstandsplan der Wochenendhäuser, ein Abstellverzeichnis der Fahrzeuge mit Wert über z. B. 30.000 Euro, welche wegen der gekauften Öffi-Jahreskarte nicht gefahren werden. Auch ein Sparbuchverzeichnis für gebundenes, nutzlos herumliegendes Kapital wäre was. Die verrauchten Zigaretten, die versoffenen Alkoholika die gedealten Drogen, Schandlöhne der Straßenarbeiterinnen, Fußgängerzonen-Ausgaben, Militärbudgets. Das Thema Gesund- und Krankheit entfällt bewusst, es verstöße gegen die Forenregel. Bitte alles melden und bekanntmachen – da wird Kapital nicht sinnvoll verwendet! Mein guter, grüner Gott – was könnte man mit diesem Geld Gutes bewirken!

wie melde ich denn leerstand

in meinem haus habe ich drei wohnungen leerstehen. die mieter heben diese wohnungen fuer ihre enkel auf, die in 5-10 jahren die wohnungen benutzen wollen, bzw. nutzen diese wohnungen als addresse um die staatlichen unterstuetzungen zu lukrieren, damit nicht auffaellt, dass der wahre wohnsitz in kroatien ist.
wie kann ich das in diese webpage aufnehmen lassen. am liebsten mit namen und erklaerung der geschichte warum diese personen, die wohnungen nicht fuer studenten frei machen wollen.

wenn du den Eindruck hast es würde Sozialleistungsmissbrauch betrieben

dann melde es an die entsprechenden Ämter und Behörden und bring deine "Beweise" mit.

Wenn du das nicht kannst weil du es eh nicht so genau weisst, dann lass es lieber...

ist dafuer nicht diese seite da?

ich dachte diese webseite dient genau diesem zweck.

na dann wissen sie jetzt

dass sie den Text nicht richtig verstanden haben.

NEIN, dafür ist die Seite NICHT da.

Ihre persönlichen Verdachtsmomente für Sozialbetrug sind dort einzumelden wo sie stattfinden. D.h. wenn sie vermuten jemand würde z.B. die Krankenkasse betrügen, dann müssen sie das dieser melden...

Hab mir das mal angesehen sind überwiegend Geschäftsräume

Das ist aber weder für die Wohnraumdiskussion relevant noch verwunderlich da solche Objekte meistens 6-8 Monate leer stehen bis sie einen neuen Mieter haben.

Es gibt neben bewusst dem Markt entzogenen Immobilien genug Leerstand, der durch mangelnde Nachfrage begründet ist.
Soll da der Eigentümer zum Ärger jetzt auch noch Hohn ernten?

als naechster schritt der planwirtschaft>

jeder unternehmer bekommt einen planort zugewiesen, an dem sich grad ein zufaellig freies geschaeftslokal befindet und muss dort gefaelligst versteuerbaren gewinn machen. gelingt das nicht, wird angenommen, er unterschlaegt umsaetze und er wird nach dem durchschnittlichen verdienstmoeglichkeiten eines aehnlichen gewerbes eingeteilt und muss die steuern trotzdem zahlen.... welcome gruene heile welt.....

leerstand ist schon eine ärgerliche sache. aber diese initiative ist äusserst fragwürdig. so löst man das problem wohl kaum.

Und was sind die Kriterien dafür, dass man einen angeblichen Leerstand melden darf?

Wenn bei mir eingebrochen wird und ich find mich auf der webpage mit meiner Adresse, dann Gnade denen Gott.

Denn nur weil ein Idiot bei mir kein Licht sieht, ...

Als Einbrecher würd ich die Adressen einfach durchschauen. Wenn jemand nie Licht sieht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wenn ich das beobachte ich eine Wohnung finde, die wenig bewohnt ist. Immerhin hat dann ein Blockwart für mich bereits eine Auslese gemacht.

Ich würd übrigens auch nach dem Wahlverzeichnis im Stiegenhaus arbeiten....

Es sind nach multiple Kriterien zu bewerten

Es sind nach multiple Kriterien zu bewerten. Wenn man ein Monat lang nicht zuhause ist, heißt noch lang nicht dass die Wohnung leer steht. Wenn Stromverbraucht Gas/Fernwärme monatelang aus NULL absenkt, kann schon ein starkes Zeichen dafür, dass die Wohnung wirklich leersteht, dann kämen die Anrainer zu Zug, zu befragen. Diese dreistufiges Vefahren wurde bis jetzt immer erfolgreich angewandt und die leerstehenden Wohnungen wurden eindeutig identifiziert. Rechtlich ist jetzt noch zu früh, es muss mindestens auf Landesebene ein Gesetz geben, eine Pflichtabgabe für solche Leerstand einführen, damit die Leerstände eingedämmt werden. Außerdem wenn eine Wohnung lange Zeit leersteht, zahlen die Nachbarn meistens mehr für die Heizung.

Wie bitte kommen Sie an private Daten wie Gas u. Stromrechnung?

Und was steht dagegen, die Heizung auf 16 Grad zu stellen? Was ja aus Sicherheitsgründen ohnehin gemacht werden sollte....

Soso,

Eigentümer sollen also per "sozialem Druck" in ihren Rechten beschnitten werden.

Da werden sich wohl nach gültiger österreichischer Rechtslage bald Abmahnanwälte einstellen.

Muster Google-Street-View / ARGE Daten:

http://www2.argedaten.at/php/cms_m... s=34559pjh

Die Verantwortlichen der IG Kultur Wien haften außerdem unbeschränkt. - Wäre mir an deren Stelle nicht wurscht, vor allem wenn ich missbräuchliche Verwendung nicht ausschließen kann.

Welche Rechte sollen beschnitten werden? Bereits jetzt sind Grundbuchauszüge und daher auch Eigentumverhältnisse von jedem öffentlich einsehbar.

In welcher Spalte finde ich im Grundbuch einen vermeintlichen Leerstand, gegen den Vandalen und Chaoten Amok laufen?

Warum war es Ihnen nicht zu blöd, mit dem Telefonbuch zu argumentieren?

Man braucht ja nicht im Telefonbuch zu stehen, wenn man nicht will. Im Grundbuch steht man aber als Eigentümer auch dann, wenn man es nicht will. Es steht dort sogar, ob (und in welcher Güte) es hypothekarische Belastungen auf das Objekt gibt. Von Leerstand steht dort nichts. Ein solcher kann sich ja auch schnell ändern. Sicher gibt es bald eine App, die den nächsten freien Parkplatz aufzeigt. (Dafür müssen die Parkplätze elektronisch vernetzt sein.) 100% Gewissheit würde das aber auch nicht liefern können. Was spricht dagegen, dass für Wohnungssuchende oder potentielle Investoren mutmassliche leerstehende Wohnungen leicht auffindbar sind? Das Argument mit dem Datenschutz scheidet aus (siehe Grundbuch). Eventuell Post von Wohnungssuchenden?

Im Grundbuch stehen auch Sie nur als Eigentümer, wenn sie sich eintragen.

Das Gericht trägt ja den Eigentümer ins Grundbuch ein - da gibt es keine Wahlmöglichkeit. Für jedes grundbücherliches Objekt muss ein Eigentümer (kann auch eine Gesellschaft sein) eingetragen sein. Wer nicht im Grundbuch steht, kann sich nicht als Eigentümer ausgeben.

Aber nicht so leicht zugänglich....

Vorallem gehts ja ned um kein Eigentümer eingetragen, sondern um wenig Wohnzeichen. Sprich: Vorauswahl für Einbrecher... Und nein, nur weil kein Licht drin brennt, heisst es nicht, dass es leer steht. Freu mich schon auf den ersten Gerichtsfall, wenn die mit Antiquitäten gefüllte Zweitwohnung ausgeraubt wird, der Täter erwischt wird und sagt, er habe die webpage genutzt....

Für mich ist ein klassischer Leerstand folgender: Ein leeres Geschäftslokal (straßenseitig im Erdgeschoss), schmutzige Fenster, Plakate drübergeklebt, etc. (Bisher gibt es dafür keinen Leerstandsmelder.) Warum sollte ein Einbrecher gerade da einbrechen wollen?

sicherlich eine Idee der Grünen

Passt doch zu der 7-Euro-Idee von V.

das erzwungene missverständnis

schon toll, wie deppert man sich stellen kann.
nein, da werden keine wochenendausflügler denunziert, sondern jahrelange leerstände angezeigt; wenn ich ein straßenlokal suche, finde ich das einen sehr brauchbaren service - dann fahre ich mal hin und erkundige mich. ganz einfach. keine enteignung, kein spitzelwesen, keine subvention, meine süßen vp-kampfbeißis. einfach die leute in der stadt...

Denunzieren und Überwachung, ein weiterer schritt in Richtung totalüberwachung durch nichtstaatliche organisationen.

Ist dieses Geschäftsmodell wieder mal nur über Steuergelder finanzierbar ? Toll.

Finde das doch einigermaßen befremdlich, da es sich ja in gewisser Hinsicht um "öffentliches Anprangern" handelt.
Wenn die Wohnung im Privatbesitz ist - wen geht ein Leerstand dann etwas an?
Die Ironie an der Sache ist ja wieder, dass ein solches Vorgehen genau jene befürworten werden, die sonst gegen jegliche Überwachung im öffentlichen Raum - wie etwa Kameras - sind.

Posting 1 bis 25 von 55
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.