Fleischfressender Schwamm in der Tiefsee entdeckt

  • Chondrocladia lyra holt sich sein Futter mit langen Fortsätzen, an denen Klettverschluss-ähnliche Widerhaken hängen.
    vergrößern 600x450
    foto: monterey bay aquarium research institute (mbari)

    Chondrocladia lyra holt sich sein Futter mit langen Fortsätzen, an denen Klettverschluss-ähnliche Widerhaken hängen.

US-Biologen fanden bisher unbekannte Art mit harfenförmigen Fortsätzen in 3.400 Metern Tiefe vor der kalifornischen Küste

Los Angeles - Von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen kennt man Meeresschwämme als genügsame Filtrierer, die sich ihre Nahrung in Form kleiner Partikel aus dem Wasser holen. Nun haben US-Biologen eine neue Art entdeckt, die sich auf eine für diesen Tierstamm ungewöhnliche Art ernährt: sie frisst Krebse. Die Wissenschafter fanden das Wesen in rund 3.400 Metern Tiefe vor der kalifornischen Küste, wo sie Krustentiere mit harfenförmigen Fortsätzen einfangen, die mit Klettverschluss-ähnlichen Widerhaken besetzt sind.

Ein Team um Lonny Lundsten vom Monterey Bay Aquarium in Moss Landing sammelte zwei der etwa 40 Zentimeter großen Schwämme mit dem Greifarm des Tiefsee-U-Boots ein und brachte sie zur Untersuchung ins Labor. "Mit einem solchen Schwamm würde sich keiner gerne einseifen", scherzte Lundsten.

Jede "Harfensaite" besitzt ein kugeliges Ende, das den Forschern zufolge offenbar ein Geschlechtsorgan ist, wie sie im Fachblatt "Invertebrate Biology" schreiben. Hier setzen die Harfenschwämme Spermien frei. Die Eizellen sitzen wiederum in einer runden Struktur in der Mitte der Saiten jedes Exemplars.

Nicht der erste fleischfressende Schwamm

Chondrocladia lyra ist nicht die erste fleischfressende Schwamm-Art, die Forscher in den Tiefen der Meere entdeckt haben. Bereits vor siebzehn Jahren hatten Jean Vacelet und Nicole Boury-Esnault von der Aix-Marseille-Universität erstmals dokumentiert, dass ein Schwamm mehr sein kann als nur ein Filtrierer. Seitdem sind 24 Arten entdeckt worden, die sich von Krustentieren und Fischen ernähren. Wie die Harfenschwämme besitzen einige dieser Arten ebenfalls äußerst bizarre Strukturen. (APA/red, derstandard.at, 13.11.2012)

Share if you care