Führerschein für den Umgang mit Geld

13. November 2012, 11:02
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Um die Lücke beim Thema Finanzbildung ein wenig zu füllen, bietet die Schuldenberatung eigene Veranstaltungen an, etwa den Finanzführerschein

Wer mehr ausgibt, als er einnimmt, gerät in finanzielle Turbulenzen. Eigentlich eine Binsenweisheit. Dennoch ist der Umgang mit Geld für viele Menschen kein einfacher. Das kann daran liegen, dass der Verdienst sehr gering ist, oder daran, dass über die Verhältnisse gelebt wird. Hinzu kommt, dass es im Laufe des Lebens immer wieder Situationen gibt, die finanziell herausfordernd sind. Jobverlust, Trennung oder die Gründung einer Familie sind nur einige Beispiele, die das Haushaltsbudget neu ordnen.

Um auch in solchen Situationen die Finanzen im Griff zu behalten, bietet die Schuldenberatung eigene Kurse bzw. Beratungen an. Vorarlberg und Oberösterreich sind in dem Bereich besonders aktiv - weil die Programme von der Landesregierung finanziert werden.

Prävention im Vordergrund

In Oberösterreich läuft das Projekt unter dem Namen klartext.at. Dabei steht die Schuldenprävention im Vordergrund, erklärt Thomas Berghuber, Leiter der Schuldnerberatung in Linz. Dass es den Österreichern an Finanzkompetenz mangelt, erklärt Berghuber damit, "dass Geld noch immer ein Tabuthema ist". Der bewusste Umgang mit Konsum und den Finanzierungsmöglichkeiten (Stichwort Ratenzahlung) werde oft schon nicht im Elternhaus vermittelt.

Mit "klartext" richtet man sich vor allem an Jugendliche. "In Lehrlingswerkstätten können so beispielsweise die spezifischen Probleme dieser Gruppe angegangen werden", sagt Berghuber zum STANDARD. Auch Lehrer oder Schuldirektoren können sich melden, damit die Schüler den sogenannten "Finanzführerschein" machen können.

Im Zuge dieses Projekts, das von der Schuldenhilfe angeboten wird, wird in Schulklassen das Wesentlichste zum Thema Geld und Finanzierung erklärt, danach gibt es einen Test, und wer diesen besteht, erhält den Finanzführerschein. Dieses Projekt wird auch von der Schuldnerberatung in Vorarlberg umgesetzt, in Kooperation mit dem Arbeitsmarktservice. Jeden dritten Mittwoch im Monat steht den Vorarlbergern dieses kostenlose Service zur Verfügung.

In Summe seien diese Projekte freilich nur "ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt Berghuber. "Aber der Tropfen kühlt den Stein trotzdem", ist der Schuldenexperte überzeugt.

Ein Mangel ist für Berghuber nach wie vor, dass das Thema Geld in Schulen kaum thematisiert wird. In der letzten großen Jugendstudie zum Thema Geld (Jahr 2006) haben 75 Prozent der knapp 4000 Befragten zwischen elf und 19 Jahren angegeben, dass die Bereiche Finanzplanung, Umgang mit Geld und Konsumangebot in der Schule nicht Thema waren.

Mehr Gespür für Finanzen könnte laut Alexander Maly von der Schuldnerberatung Wien fächerübergreifend in den Lehrplan eingebaut werden. Etwa in Mathematik: Was ist ein Minus? Geografie und Wirtschaftskunde: Was passiert, wenn ein Land überschuldet ist, wie handlungsunfähig ist es dann? Mit solchen und anderen Fragen könnte laut Maly das Gespür für Geld und der Umgang damit geschärft werden.

Denn vor allem die immer prekärer werdenden Arbeitsverhältnisse, mit denen oft schwankende Einkommen einhergehen, machen eine langfristige Planung für viele zur Herausforderung.

Wenn gar nichts mehr geht

Sind die Schulden so hoch, dass kein Gläubiger mehr bedient werden kann, bleibt vielen nur noch der Privatkonkurs. So einfach, wie sich manche diese Entschuldung vorstellen, ist das aber nicht. Nur wer ein pfändbares Einkommen hat oder in der Lage ist, freiwillig von dem unpfändbaren Einkommen etwas abzugeben, kann Privatkonkurs anmelden. Der Rest wird "mangels Masse" abgewiesen. Ein finanzieller Neustart bleibt damit oft jenen verwehrt, die ihn dringend bräuchten.

Ein Privatkonkurs dauert in Österreich im Regelfall sieben Jahre, unter bestimmten Umständen kann das Verfahren auf zehn Jahre verlängert werden. Schuldner müssen mindestens zehn Prozent ihrer Schulden zurückzahlen, damit ihnen die restliche Schuld nach sieben Jahren erlassen wird.(Bettina Pfluger, DER STANDARD; 20.9.2012)

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