Apple im Wandel: Mehr Begünstigungen für Mitarbeiter

13. November 2012, 10:33
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Tim Cook will sein Personal besser bei Laune halten

Apple hat das Konzept der Mitarbeiter-Zulagen für sich entdeckt. Dieses Jahr wurde die Initiative „Blue Sky" ins Leben gerufen, das einer kleinen Gruppe von Angestellten die Teilnahme an einem „Pet Engineering"-Projekt ermöglichte. Das berichtet das Wall Street Journal.

Was genau dieses Projekt ist, ist nicht bekannt. Es soll aber dazu dienen, neue Ideen auszubrüten und orientiert sich dabei an Googles „20% time". Der Internetkonzern erlaubt seinen Angestellten, bis zu einem Fünftel ihrer Arbeitszeit mit Vorhaben zu verbringen, die nicht in ihrem ursprünglichen Verantwortungsfeld liegen.

Apple „militärischer" als andere

Bei Apple deutet sich damit ein Wandel in der Unternehmenskultur an. Neue Vorhaben wurden normalerweise in der Chefetage beschlossen und schließlich von vororganisierten Teams bearbeitet. Viele Angestellte beklagten sich über mangelnden Spielraum in ihrer Tätigkeit.

Wie ein Insider berichtet, wurde vergangenes Jahr bei einem internen Management-Lehrgang der „Apple University" von ranghohen Firmenvertretern darüber debattiert, ob Apple teilweise nicht eher wie eine militärische Organisation denn wie ein traditionelles Unternehmen funktionieren würde. Andere Firmen aus dem Silicon Valley versorgen ihre Mitarbeiter mit Zulagen wie kostenlosem Mittagessen. Bei Apple war man bis dato offenbar der Meinung, dass die Arbeit für den Konzern selbst und an seinen beliebten Produkten Grund genug sei, dabei zu bleiben.

Rabatte, Spenden-Matching, Sabbaticals

Hier entfernt sich Tim Cook, der seit einem Jahr als CEO die Zügel in der Hand hat, von seinem Vorgänger, Steve Jobs. Er hat mittlerweile Ermäßigungen für Mitarbeiter eingeführt, wenn diese Produkte aus eigenem Hause erwerben.

Dazu ermutigt man seit September 2011 seine Mitarbeiter dazu, gemeinnützige Zwecken zu unterstützen, in dem man Spenden an Organisationen, die gesetzlich unter die 501(c)(3)-Klausel fallen, bis zu einer Höhe von 10.000 Dollar pro Jahr um den gleichen Betrag aufstockt. Allerdings hat auch Jobs karitativ gehandelt und laut U2-Sänger Bono zweistellige Millionenbeträge an die „RED"-Kampagne gegen AIDS überwiesen, wie MacRumors schreibt.

Cook soll signalisiert haben, Mitarbeitern künftig Sabbaticals zu genehmigen und scheint auch gewillt sein, Abwerbekandidaten mit Gegenofferten zu begegnen, um sie im Unternehmen zu halten. Aktienbeteiligungen werden nun nicht mehr in Anteilen, sondern in Geldbeträgen beziffert.

Kurs-Talfahrt als Ausstiegsanreiz

Der in den letzten Jahren deutlich angestiegene Kurs ist damit ein weiterer Anreiz im Paket. Jedoch steht Apple in einem immer intensiveren Wettbewerb mit anderen Größen wie Google oder Samsung. Manche Kommentatoren sorgen sich, ob es der Firma noch gelingen wird, das „nächste große Ding" zu liefern.

Der Unternehmenswert hat sich gerade in jüngster Zeit nicht gut entwickelt. Der Wert von Apple-Papieren ist von einem Höchststand von 720 im September auf nunmehr 543 Dollar abgestürzt. Das könnte mit ein Grund dafür sein, warum die Loyalität der einst als beinahe unabwerbbar geltenden Führungskräfte zu bröckeln beginnt. Wie es derzeit um "Blue Sky" steht, ist unklar. Der darin involvierte Scott Forstall ist seit dem letzten Management-Umbau nicht mehr Teil des Unternehmens.

Wandel als Problem?

Die Angestellten „heben ab, wenn ich anrufe", erzählt Umesh Ramakrishnan, Vizechef der Recruiterfirma CTPartners. „Vor ein paar Jahren wäre ich da noch auf eine Steinmauer gestoßen". Auch wenn er bislang noch niemanden abwerben konnte, bemerkt er einen Wandel, der in den vergangenen sechs bis neun Monaten begonnen hat.

Möglicherweise ist es aber auch der neue Wandel in Apples Firmenkultur, der den Ausschlag gibt. Das vermutet Tech-Recruiter Mike Huskins von InSearch Mangement. „Das Habitat ist jetzt ein ganz anderes". (red, derStandard.at, 13.11.2012)

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    Tim Cook bemüht sich, seine Mitarbeiter bei Laune zu halten.

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