Europas Börsen gehen mit Gewinnen aus dem Handel

13. November 2012, 18:28
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Frankfurt am Main - Die europäischen Leitbörsen sind am Dienstag einheitlich mit Gewinnen aus dem Handel gegangen. Der Euro-Stoxx-50 stieg um 19,62 Einheiten oder 0,79 Prozent auf 2.493,14 Zähler. Gegen 15.30 Uhr begannen die wichtigsten Indizes zum Start der Wall Street in den USA eine Aufholjagd und drehten gegen 16.00 Uhr in Plus und erreichten gegen 17.00 Uhr ihre Tageshöchststände. Auch die US-Börsen zeigten sich mit freundlicher Tendenz.

Am Vorabend hatten die EU-Finanzminister eine Entscheidung über Hilfen für Griechenland auf kommende Woche verschoben, wenn sie sich zu einem Sondergipfel treffen wollen. Athens befürchteter Unfall am Geldmarkt aber ist ausgeblieben. Griechenland hatte sich bei Investoren 4,06 Milliarden Euro besorgen können. Das Platzierungsziel von 3,125 Milliarden Euro wurde übertroffen. Damit steigen die Chancen, dass das hoch verschuldete Euro-Krisenland bis Freitag genug Geld in der Kasse hat, um fällige Schulden in Höhe von fünf Milliarden Euro zu begleichen.

Aus Deutschland kamen dagegen negative Nachrichten. Dort hatte sich die Zuversicht der Finanzexperten im November überraschend eingetrübt. "Der Index der ZEW-Konjunkturerwartungen zeigt keinen Optimismus in Sicht", kommentierte ein Experte die trübe Stimmung der Analysten. Angesichts der schwachen Wirtschaftsdaten in jüngster Vergangenheit sind aus seiner Sicht die anhaltenden Konjunktursorgen nachvollziehbar.

Die Bank Austria-Mutter UniCredit hat für die ersten neun Monate 2012 einen Milliardengewinn ausgewiesen, der die Analystenerwartungen übertraf. Vor allem das dritte Quartal war stärker als vom Markt erwartet. Die Aktie legte daraufhin am Dienstagnachmittag um fast 3 Prozent zu. Schlussendlich schlossen die Papiere bei 3,522 Euro, das ist ein Plus von 4,39 Prozent. Konzernchef Federico Ghizzoni machte neben den Früchten des Sparprogramms vor allem die starke Präsenz in Mittel- und Osteuropa für die Ertragsentwicklung verantwortlich. Osteuropa und Polen brachten 1,8 Mrd. Euro des Netto-Betriebsgewinns von 3 Mrd. Euro. Aber auch satte Sondereffekte aus Anleiherückkäufen halfen.

Die zweite italienische Großbank Intesa Sanpaolo hat die Krise des Landes und der Branche im dritten Quartal zu spüren bekommen. Der Gewinn sei um 11,9 Prozent auf 414 Mio. Euro gesunken, teilte der UniCredit-Konkurrent am Dienstag in Mailand mit. Der Aktienkurs der Intesa-Papiere stieg um 5,19 Prozent auf 1,256 Euro.

Parallel zu den UniCredit-Papieren stiegen auch Aktien von Banco Santander (plus 3,59 Prozent), BBVA (plus 3,42 Prozent), BNP Paribas (plus 2,44), Deutsche Bank (plus 1,93 Prozent) und Societe Generale (plus 1,77 Prozent).

Die Aktien des Energiekonzerns Eon sackten nach der gedämpften Prognose für das kommende Jahr am DAX-Ende um mehr als elf Prozent auf 14,64 Euro ab. Davon in Mitleidenschaft gezogen wurden auch die Aktien von RWE mit minus 1,16 Prozent. Für die Titel von K+S ging es ferner um 4,51 Prozent bergab. Der Salz- und Düngemittelkonzern hatte mit einem vorsichtigeren Ausblick auf das laufende Jahr und einer operativen Schwäche im dritten Quartal die Finanzmärkte verschreckt.

In London haben die Aktien von Vodafone nach Vorlage der Halbjahreszahlen um 2,46 Prozent auf 162,50 Pence nachgegeben - zwischenzeitlich lagen die Papiere noch tiefer im Minus. Die Umsatz- und Gewinnkennziffern hätten in so ziemlich jeder Region enttäuscht, schrieb eine Analystin. Das schwache Geschäft in Südeuropa trifft den britischen Mobilfunker hart. Wegen des schwierigen Umfeldes in Spanien und Italien schreiben die Briten auf dieses Geschäft 5,9 Milliarden Pfund ab.

Vor diesem Hintergrund gerieten auch andere Branchenwerte unter Druck. So fielen France Telecom um 0,19 Prozent, und KPN um 1,96 Prozent. Am unteren Ende der europäischen Branchenübersicht zeigten sich Versorgertitel, die um durchschnittlich 2,69 Prozent verloren. Schwächer tendierten auch Aktien aus dem Rohstoff-Sektor sowie Automobil-Titel.

Die Aktien von Pirelli rutschten in Mailand 2,82 Prozent ins Minus. Der italienische Reifenhersteller hatte am Vorabend mit seinen nach Börsenschluss vorgelegten Zahlen zum dritten Quartal nicht nur die Gewinnerwartungen verfehlt, sondern auch das Umsatzziel für das laufende Jahr gekürzt und einen höheren Schuldenstand als bisher in Aussicht gestellt. Die Italiener begründeten dies mit der wirtschaftlichen Flaute in der Eurozone.

Aufatmen könnten hingegen die Aktionäre der Deutschen Lufthansa. Eine weitere Streikwelle der Flugbegleiter ist vom Tisch. Gewerkschaft und Management einigten sich in einer Schlichtung auf 4,6 Prozent mehr Gehalt. Außerdem verzichtet der Konzern bis 2016. Die Papiere legten um 1,25 Prozent auf 12,58 Euro zu. (APA, 13.11.2012)

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