Sozialversicherung will in psychische Gesundheit investieren

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    foto: oliver berg dpa/lth

Strategie entwickelt - Zahl der Diagnosen steigt - Rehabilitation könnte sich "bezahlt" machen

Wien - Die Sozialversicherung - PVA und Krankenkassen - will in die psychische Gesundheit, die Behandlung von Erkrankten und die Rehabilitation investieren. Auf der Basis der Entwicklungen ab dem Jahr 2007 hat sie die Strategie "Psychische Gesundheit" entwickelt. Während die Zahl der Erkrankungen weiter steige, scheine sich das Bemühungen der Pensionsversicherung um mehr Rehabilitation erstmals auszuwirken, hieß es am Montagabend in Wien.

"900.000 Menschen erhielten im Jahr 2009 Leistungen der Krankenversicherung wegen psychischen Erkrankungen. Knapp mehr als die Hälfte waren älter als 60 Jahre", sagte Christoph Klein, stellvertretender Generaldirektor des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger. Für Krankenbehandlung wurden zwischen 450 bis 500 Millionen Euro ausgegeben, davon allein für Psychopharmaka 250 Millionen und für Psychotherapie 63 Millionen Euro. An Krankengeld kamen noch 71 Millionen Euro hinzu, zusätzlich weitere 280 Millionen Euro an Kassengeldern für die stationäre Behandlung von Patienten.

Steigende Zahl bei Krankenständen

Die aktuellen Daten der Krankenversicherung: Von 2009 auf 2010 stiegen die Krankenstände mit psychischen Diagnosen nach einem Plus von knapp 22 Prozent in den Jahren 2007 bis 2009 noch einmal um 12,13 Prozent an, jene mit körperlichen Diagnosen blieben stabil (minus 0,01 Prozent). Bei den Medikamentenverordnungen gab es insgesamt zwischen 2009 und 2011 eine Steigerung um 0,91 Prozent, bei den Psychopharmaka (exklusive der Demenz-Arzneimittel) um 5,74 Prozent.

Besser "fährt" da offenbar bereits die Pensionsversicherungsanstalt mit gezielten Rehabilitationsangeboten. Die stellvertretende Generaldirektorin Gabriele Eichhorn sagte: "Wir hatten 700 Rehabilitationsplätze (2006 und früher pro Jahr, Anm.) für Menschen mit psychischen Erkrankungen, jetzt haben wir 5.500 - und es sind noch immer nicht genug."

Während im Jahr 2004 33.570 Personen in Österreich krankheitshalber in Frühpension gingen, waren es im vergangenen Jahr 28.273. Bei den Frühpensionierungen wegen psychischer Erkrankungen stieg die Zahl von 7.808 im Jahr 2004 auf 9.070 im Jahr 2011. Doch die Kurve flachte sich etwa mit dem Jahr 2008 deutlich ab, ist stabil. Lag der Anteil der Frühpensionierungen beispielsweise im Jahr 2010 bei 31,7 Prozent, so stieg er bis 2011 nur noch auf 32,1 Prozent. Im Jahr 2000 hatte dieser Anteil 21,1 Prozent betragen.

Prävention und Rehabilitation

"Niemand geht wegen psychischer Erkrankungen 'leicht' in Frühpension", so Eichhorn. "Die Frauen mit durchschnittlich 47,3 Jahren und im Durchschnitt weiteren 20,1 Jahren an Pensionserwartung, die Männer mit durchschnittlich 48,7 Jahren und einer weiteren Lebenserwartung von 14,2 Jahren. Die Männer erreichen damit nicht einmal das reguläre Pensionsalter."

Die neue Strategie setzt vor allem auf Prävention, bessere Versorgung der Kranken und gezielte Rehabilitation. In der Versorgung sollen vor allem die Allgemeinmediziner via Ausbildung und angepasste Honorarkataloge gefördert werden. Immerhin sind 90 Prozent der psychisch Kranken beim Hausarzt in Behandlung. Insgesamt will man eine lückenlose Versorgungskette von der niedergelassenen Praxis bis zur Klinik und wieder zurück organisieren helfen.

Die Psychotherapie-Angebote (je nach Zahler bisher bis zu fünf Monate Wartezeit) sollen weiter verbessert werden. Das gilt auch für die Psychotherapie bei Kindern. Derzeit werden pro Jahr rund 500.000 Therapiestunden von den Krankenkassen als Sachleistung finanziert, hinzu kommen noch einmal so viele Stunden mit Zuschuss. (APA, 13.11.2012)

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