Höhere Preise für Männer: Wiener Linien müssen Schadenersatz zahlen

13. November 2012, 09:36
  • Die Wiener Linien müssen wohl mit weiteren Klagen rechnen. Wie der Anwalt des Klägers mitteilte, seien mehrere Fälle anhängig.
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    Die Wiener Linien müssen wohl mit weiteren Klagen rechnen. Wie der Anwalt des Klägers mitteilte, seien mehrere Fälle anhängig.

Bezirksgericht folgt VfGH-Spruch: Höhere Jahreskartenpreise für männliche Pensionisten sind unzulässig

Wien - Erneut hat ein Wiener Pensionist die Wiener Linien erfolgreich auf Schadenersatz geklagt. Grund dafür waren unterschiedliche Preise bei Seniorenkarten. Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) hatte Ende 2010 eine Regelung gekippt, wonach Frauen eine ermäßigte Jahreskarte bereits ab 60 Jahren bekommen, Männer allerdings erst ab 65 Jahren. Der Pensionist war von dieser Ungleichbehandlung betroffen und klagte. Die Wiener Linien müssen ihm nun 1.500 Euro Schadenersatz bezahlen - zumindest laut erstinstanzlichem Urteil. Sie behalten sich allerdings vor, gegen die Entscheidung des Gerichts zu berufen.

Wie der Wiener Anwalt Helmut Graupner am Montag in einer Aussendung mitteilte, hatte sein 1948 geborener Mandant von 2009 bis 2011 für seine Jahreskarten jeweils 449 Euro bezahlt. Frauen im selben Alter erhielten diese jedoch zum halben Preis. "Der Verfassungsgerichtshof hat die entsprechende Verordnung des Verkehrsministeriums zwar erst mit Ende 2011 aufgehoben, aufgrund des Vorrangs der EU-Antidiskriminierungsrichtlinie war diese Verordnung aber ohnehin nicht anzuwenden", so Graupner.

Weitere Fälle anhängig

Das Bezirksgericht Innere Stadt hat dem Pensionisten in seiner Beschwerde rechtgegeben. Mit dem Urteil vom 8. November wurde ihm der Betrag von 1.500 Euro zuzüglich Zinsen zugesprochen, den der Kläger laut Graupner für die erlittene Diskriminierung verlangt hatte.

Außerdem müssen die Verkehrsbetriebe jenen Betrag refundieren, den der Pensionist mehr bezahlen musste als gleichaltrige Frauen - also 440 Euro. Inklusive Verfahrenskosten ergäben sich so mehr als 3.000 Euro Kosten für die Wiener Linien, hieß es in der Aussendung. "Weitere Fälle sind anhängig", so der Anwalt. Er sei jedenfalls zuversichtlich, dass das Urteil auch im Falle einer Berufung halten wird.

Ein Sprecher der Wiener Linien kündigte an, dass man sich vorbehalten wolle, zu berufen. Er verwies auch auf ähnliche Fälle, die zugunsten der Verkehrsbetriebe ausgegangen seien. Man habe sich bei der Preisstaffelung damals an das gesetzlich gültige Pensionsantrittsalter von Männern und Frauen gehalten.

Gleichstellung nach VfGH-Spruch

Die Wiener Linien haben bereits mit Jahresbeginn auf die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs - davon waren auch andere Verkehrsunternehmen wie die ÖBB betroffen - reagiert und bieten nun die Seniorenkarte für Männer wie Frauen ab 60 Jahre an. In den kommenden Jahren wird die Altersgrenze allerdings schrittweise auf 65 Jahre erhöht.

Bereits vor einigen Monaten hatte ein anderer Wiener Pensionist die Wiener Linien wegen der unterschiedlichen Ticketpreise für Senioren geklagt. Ihm wurde neben der Differenzsumme zudem ein Schadenersatz von 500 Euro zugesprochen. (APA, 13.11.2012)

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Es wäre interessant, die tatsächlichen Kosten zu erfahren.

Wieviel kostet eine Straßenbahnfahrt?
Und wieviel Prozent davon zahlt der Fahrgast?
Möglicherweise käme man da drauf, dass eine Taxifahrt billiger ist...

Ermässigungen gehören grundsätzlich...

...ersatzlos gestrichen.

ah, wieso?

Vielleicht sollte man es einmal umgekehrt machen:

Wer viel in den Steuertopf einzahlt, der bekommt eine Ermäßigung. Das wäre doch auch eine Form der Gerechtigkeit...

Der Sinn von Steuern ist es nicht, dass man als Individuum das rausbekommt, was man einzahlt.

nicht zu vergessen: es würden dann ja auch steuerliche ermässigungen gestrichen.
also der mit 1000/monat zahlt genausoviel steuern wie der mit 5000/monat
egal ob jetzt dem mit 5000 am ende mehr, oder dem mit 1000 weniger überbleibt - unter solch genialen ideen leiden immer die armen.
aber um das weniger geld kann sich der arme dann ja eine teurere (weil nicht ermässigte) jahreskarte kaufen

ich bin da eher für solidarität.

Da ist doch Solidarität.

Mit denen, von denen das System lebt...

Oh ja, das System lebt natürlich vorwiegend von denen, die eine grosse Erbschaft machen und dann von den Zinsen leben. Denen sollte man natürlich alle Steuern refundieren.

"Man habe sich bei der Preisstaffelung damals an das gesetzlich gültige Pensionsantrittsalter von Männern und Frauen gehalten."

... das ja ein Bilderbuchbeispiel von Geschlechterdiskriminierung ist.

Und bemerkenswert: Alle eindeutigen Fälle von systematischer ("gesetzlicher") Geschlechterdiskriminerung gehen zulasten von Männern.

Vom Mindestpensionisten bis zum pensionierten Hofrat alle einfach mal durchsubventioniert, was für eine Geldverschwendung! Prinzip Gießkanne wie so oft in Österreich.

Besser wäre: Unter Jahreseinkommen X günstige/gratis Öffi-Karte, darüber regulärer Tarif für alle.

Sinnvoll wäre: Nulltarif für alle Öffis und Finanzierung aus dem Budget.
Dadurch würden als Nebeneffekt auch die Bezieher geringer Einkommen bevorzugt, weil die die Öffis in viel höherem Masse nutzen als die, die den Porsche in ihrer Garage stehen haben.
Und die ganzen Kosten für Fahrscheinverkauf und Kontrolle, die letztlich auch zu 2/3 vom Steuerzahler finanziert werden, würde man einsparen.

Sofort dafür.
Ähnliches auch für Kinderbeihilfe und dergleichen.

Da Frauen im Schnitt älter werden, ist das eigentlich eine doppelte Ungleichbehandlung.

ja, und dann fährt man jahre und jahre lang zu diesem friedhof an des verstorbenen mannes grab, das kostet halt

Na geh, der junge neue habschi hat sicher ein auto ;)

na dann her mit ihm!,

ich hätt verwendung :D

Wir werden älter, weil wir vernünftiger leben und das ist auch gut so.;-)

Das stimmt nur zum Teil

Männer sind einfach genetisch benachteiligt.
Da liegt schon an der Zeugungsrate M 106 zu W 100 Föten, von denen aber nur 102 / 100 geboren werden.
Schon im Mutterleib ist die Sterblichkeit von M höher.
Liegt wahrscheinlich daran, dass in den ersten Wochen der Fötus undifferenziert ist, erst dann ein Y Chromoson bildet, was mit viel Aufwand und Fehlern behaftet ist. Auch nach der Geburt ist die Säuglingssterblichkeit bei Buben höher. Gibts Literatur dazu.

Sag ich ja, Ausschußware.;-)

Das war jetzt nicht lieb. :-(

Dafür können wir öffentlich im Stehen ehschonwissen....

Oje, das tut mir jetzt gleich wieder leid.
Sinds mir nicht allzu gram.;-)

also zunächst verstehe ich den smilie in dem posting so, dass es nicht ernst gemeint ist.
und wäre es ernst gemeint wäre es doch ein schönes weltbild: unvernüftige (oder anderes gesagt dumme) sterben früh
demnach wären schildkröten extrem vernüftige tiere, weil sie 300 jahre alt werden

Und Schildkröten rauchen und saufen nicht. Stelle mir das auch grad bildlich vor, wenn sie es täten. :-)

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