Neue Gentherapie heilt Epilepsie

17. November 2012, 16:57

Gentherapeutische Behandlung stoppte Krampfanfälle bei den Nagetieren über mehrere Wochen hinweg

London - Einem internationalen Forscherteam ist es erstmals gelungen, Epilepsie bei Ratten mittels Gentherapie zu heilen. Die Wissenschafter schleusten dafür zusätzliche Kopien eines Gens für einen Ionenkanal in das Gehirn der Nager ein. Diese Genkopien verhinderten eine Übererregung der Gehirnzellen und damit die Ursache für einen epileptischen Anfall. Eine einmalige gentherapeutische Behandlung habe die Krampfanfälle bei den Ratten über mehrere Wochen hinweg gestoppt, ohne dass dabei Nebenwirkungen aufgetreten seien, berichtete die Forscher im Fachmagazin "Science Translational Medicine".

Das Verfahren wirke bei bereits etablierter Epilepsie, könne aber auch verhindern, dass epileptische Herde erst entstehen, etwa nach Hirnverletzungen. Noch müssen weitere Tests zeigen, ob diese Gentherapie auch beim Menschen funktioniert. Wäre das der Fall, könnte damit Patienten geholfen werden, deren Epilepsie bisher nicht behandelbar ist, sagen die Forscher.

"Epilepsie betrifft mehr als 50 Millionen Menschen weltweit - aber selbst mit optimaler Behandlung leiden 20 Prozent davon weiterhin dauerhaft an Krampfanfällen", schreiben Robert Wykes vom University College London und seine Kollegen. Ein epileptischer Anfall entsteht, wenn Neuronen in einem bestimmten Hirnbereich krankhaft übererregbar sind - durch angeborene Fehlbildungen oder aber durch nachträglich entstandene Schäden. Feuern sie im Übermaß, löst dies Bewusstseinsstörungen und Muskelkrämpfe aus.

Medikamente oder Operation

In vielen Fällen lasse sich die Epilepsie nicht mit Medikamenten heilen, sagen die Forscher. Eine chirurgische Entfernung des betroffenen Hirnareals könne zwar helfen - oft sei dies aber nicht möglich, weil dabei für die Hirnfunktion entscheidende Bereiche ebenfalls geschädigt werden würden. Die Versuche mit den Ratten zeigten nun, dass es eine weniger invasive Alternative geben könnte.

"Bisher haben wir die Wirkung dieser Methode nur für eine Art der Epilepsieherde untersucht", räumen die Wissenschafter ein. Aber die Daten deuteten darauf hin, dass eine Gentherapie mit diesem Kaliumkanal-Gen auch andere Epilepsieformen heilen könne. (APA/red, derstandard.at, 17.11.2012)

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13 Postings

Gehirn rausoperieren - Die Epilepsie ist augenblicklich weg.

Sie sprechen da wohl aus Erfahrung...

Nein, ich rede von Ihnen - den Mann dem man den Humor herausoperiert hat!

Testpersonen ohne tödliche Krankheit?

Es wird ein Lentivirus, d.h. ein Retrovirus als Vektor verwendet.

Ich frage mich, wie das mit dem Test am Menschen funktionieren soll. Normalerweise werden solche Experimente doch nur bei tödlichen Krankheiten genehmigt?

Nichtsdestotrotz klingt es vielversprechend. Mit Epilepsie hätte man wenigstens mal eine Krankheit im Visier, bei der von einer erfolgreichen Behandlung viele profitieren würden.
Anders als bei den seltenen Gendefekten, die oft Gegenstand von Gentherapie-Versuchen sind.

gentherapie bringt skepsis hervor?

prinzipiell würd ich dir ja recht geben, aber sag das einem menschen der nicht behandelbar ist und 5 anfälle die woche hat.

ich selbst hab eine leichte form der epilepsie, werd mir einen termin mit meinem artzt machen und mal in ruhe darüber plaudern, sagen wir es so: "ich denke gerne an die chance einer möglichkeit"

Naja ja tut sie

Die sg. Bubblekinder wurden schon Ende der 90er mit Gentheraphie behandelt. Ging auch viele Male gut, bis dann einige an der Therapie gestoreben sind...

Ich bin sehr für Gentheraphie weil es Probleme löst an der Wurzel aber sie sind sehr aufwendig.

gentherapie

allein das wort macht im vorfeld sehr skeptisch, denn der erfolg von gentherapien war bis jetzt immer äusserst durchwachsen...

Fluch und Segen.

Eindeutig ersteres, wenn Kapital- oder Machtinteressen ins Spiel kommen.

naja das grandawasser hat es auch nicht gratis gegeben. und selbst für globuli und co. soll schon kassiert wurden sein.

Diese Art von Denken ist was den Fortschritt aufhält .

Heutzutage ist Grundlagenforschung gefolgt von Experminetler Forschung dringend Notwendig , erst als ein letzter Schritt kann dann die Entwicklung eines Mittels / Produktes / whatever angeganen werden welches dann auch Wirklich Verwendet wird.

Viele große Medizinische Fortschritte befinden sich im momment in der Phase der Experimentellen Testung , mit realer Implementierung der tollen dinge von denen wir neuerdings immer Lesen ist realistisch also frühestens in 10 Jahren zu rechnen , aber mann darf sich von den Langen Entwicklungsdauern nicht abschrecken lassen.
Und Technologien nicht Aufgeben weil sie in ihrer Jetzigen Form nicht perfekt Funktionieren.

Gegenfrage...

Sind Ängste und Zweifel an den Gefahren und dem Missbrauchspotential unbegründet?

Ja im algemeinen schon , denn die Vorschriften um überhauptr eine Zulassung für eine Testung am Menschen sind abnorm Streng, von Algemeinen gebrauch garnicht zu sprechen .

Da mache ich mir eher sorgen um die Gentechnik bei Nahrungsherstellung , die obwohl sie extreme versprechen hällt etwas Unkontroliert scheint !

Ob wir den Geist wieder in die Flasche kriegen...

DAS wird das Hauptproblem.

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