Nationalrat beschließt heute ELGA

13. November 2012, 08:59

Wer nicht widerspricht, ist automatisch dabei - E-Card als Schlüssel, behandelnder Arzt darf 28 Tage lang zugreifen

Wien - Der Nationalrat beschließt heute Dienstag die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA). Damit schafft er die gesetzlichen Grundlagen für ein Informationssystem, das Patienten, Ärzten und vielen anderen Gesundheitsdienstleistern Zugang zu wichtigen Gesundheitsdaten wie Befunden und Medikamenten geben soll. Patienten sind automatisch dabei, wenn sie nicht widersprechen ("Opt-out"). Der Schlüssel zu der Akte ist beim Arztbesuch die E-Card.

System ab 2013 in Betrieb

Spätestens Ende 2013 oder Anfang 2014 sollen alle Patienten Zugang zu ELGA und der Widerspruchsstelle haben. Ab 2015 müssen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen teilnehmen, ab 2016 alle Vertragsärzte und Apotheken im Rahmen der E-Medikation und ab 2017 die Privatkrankenanstalten. 2022 folgen die Zahnärzte. Die Daten bleiben dezentral gespeichert und werden über ELGA zusammengeführt.

Ärzte können haftbar gemacht werden

Ärzte müssen zwar Labor- und Radiologiebefunde sowie verschriebene Medikamente eingeben, ELGA aber nicht verpflichtend anwenden. Allerdings können sie haftbar gemacht werden, wenn sie aufgrund einer Nicht-Verwendung einen Fehler machen.

Auf die Daten zugreifen darf neben den Patienten nur, wer einen Behandlungskontext nachweisen kann - und zwar für 28 Tage. Damit soll etwa das Schnüffeln in Promi-Akten unterbunden werden. Zugriffe werden protokolliert, der Datenverkehr soll über gesicherte Netze laufen. Patienten können durch eine Anmeldung mit ihrer Bürgerkarte sehen, wer auf ihre Daten zugegriffen hat. Bei Missbrauch drohen Strafen.

Datenzugriff

Für Arbeitgeber, Betriebsärzte, Behörden, Versicherungen und Kassen-Chefärzte sind die Daten tabu, der Zugriff soll auch technisch nicht möglich sei. Patienten können einzelne Befunde, Behandlungsfälle oder Medikamente ausblenden lassen.

Das Gesundheitsministerium verspricht den Patienten einen unkomplizierten und sicheren Zugriff auf ihre Befunde, mehr Sicherheit bei Medikamentenverschreibungen und eine höhere Behandlungsqualität durch die besser verfügbaren Daten. Den Ärzten - die bis zuletzt gegen ELGA Sturm gelaufen sind - wird die Versorgung mit standardisierten Daten und damit Hilfe bei der Fehlervermeidung versprochen. Auch Doppelbefunde und Doppelmedikationen sollen zurückgedrängt werden.

Die Patienten müssen für die Teilnahme nicht zusätzlich zahlen. In einer volkswirtschaftlichen Betrachtung listet das Gesundheitsministerium ab 2018 laufende Kosten von 18 Millionen Euro jährlich auf, dem stehen Kostendämpfungseffekte von rund 129,8 Mio. Euro, davon 95,8 Mio. Euro für das Gesundheitssystem, gegenüber. Bis 2017 müssen aber erst einmal rund 130 Mio. Euro investiert werden. Für Ärzte, Apotheken und Privatkrankenanstalten ist eine Anschubfinanzierung (insgesamt 15 Mio. Euro) vorgesehen. (APA, 13.11.2012)

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ich bin betriebsarzt und ich bin kassenarzt

wie soll ich das nun machen?

da kann man sehen wie seriös die politik das thema angeht

wie ist das, wenn ich einem Privatarzt gehe, muss der dann auch ELGA-Eintragungen machen oder bleiben meine privaten Befunde dort wo sie hingehören????

Thema Betriebsarzt und Zugriff (gilt auch für Chefarzt KK)

Ein Betriebsarzt hat vielfach auch eine Ordination wo die Betriebsangehörigen hingehen. Also kann der Arzt leicht Einsicht nehmen, muss sogar! Chefärzte wollen sowieso alles, sogar via Dickdarm die Mandeln sehen. Das schaue ich mir an, dass die keinen Zugriff erhalten!

Opt Out ist ein schlechter Witz:

Die ELGA-Faq sagt dazu:
"Dieser „Widerspruch“ wird voraussichtlich ab 31.12.2013 entweder elektronisch über das ELGA-Bürger-Portal, das auf der Website www.gesundheit.gv.at verankert werden soll, oder schriftlich bei einer Widerspruchsstelle abgegeben werden können. Das ELGA-Bürger-Portal sowie die Widerspruchsstellen werden vom Bundesminister für Gesundheit so eingerichtet, dass der Teilnahme vor Inbetriebnahme von ELGA widersprochen werden kann. Gegenwärtig ist es noch nicht möglich, einen Widerspruch einzulegen. "

Super! Die typisch österreichische Lösung: Das geht frühestens in 1 Jahr und wird dann ganz klammheimlich eingerichtet. Die rechnen quasi mit unserer Vergesslichkeit und Blödheit und werden damit auch noch recht bekommen...

opt out, wo ,wann ,wer, was ist mit Bestandsdaten???

All das wird nur mangelhaft kommuniziert...
Werden Bestandsdaten in die Datenbank übertragen? Wenn ja von wem...? Wer kontroliert die Richtigkeit?
Man fragt sich wozu ein Arzt noch einer Schweigepflicht unterliegt wenn alle Daten von Nichtärzten gespeichert werdenn nur der Patioent hat nichts schriftliches über seine eihgenen Befunde...
Eigentlich eine Frechheit!
Mit der E-Card muß es jedem Versicherungsnehmer möglich sein seine Befunde und Daten abzurufen und auszudrucken!
Wer garantiert das? Wie wird das bewerkstelligt, wo gibt es die Terminals dafür???

Hab Angst !

Vorratsdatenspeicherung, ELGA ...

Aber das Volk regt sich lieber über Fußgängerbeauftragte, unvollständige Radwege und andere Hundstrümmerldiskussionen auf.

Parkpickerl ned vergessen. Ich verstehe die Prioritäten auch nicht.

Beauftragtenunwesen

Also mit dem Geld für die grünen Beauftragten in Wien könnte man das eine oder das andere im Gesundheitssystem (im Kleinen natürlich nur) machen. Und die Dinge haben miteinander nichts zu tun. Wenn Sie sich vor den Datenspeicherungen fürchten ist das Ihr gutes Recht und Sie können sich im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten des Einzelnen dagegen wehren. Deshalb ist es aber noch nicht egal, was andernorts passiert.

"Die Daten bleiben dezentral gespeichert und werden über ELGA zusammengeführt."

Im Klartext, die Daten werden redundant bei ELGA abgelegt. Sonst könnte ja auch kein Zugriff funktionieren. Sicherheitstechnisch schon etwas fragwürdig...

Ich würde gerne wissen woher diese Information kommt?
Oder kenn Sie's einfach nicht anders?

Ich arbeite in der IT Branche. Wir entwickeln zum Beispiel die CDA Konvertierung für div. Laborsoftware. HL7 CDA ist nämlich das Format mit dem die Befunde transportiert werden. Und natürlich wird jeder Befund an ELGA geschickt. Da könnt ihr rotstricheln was ihr wollt...

Was machen Sie dann bei Ihrer Laborsoftware, wenn ein Befund als ungültig erklärt wird? Wie wird sichergestellt dass alle redundant abgelegten Laborbefunde ebenfalls als ungültig erklärt werden?
Was passiert wenn Laborbefunde korrigiert werden? Ist das bei Ihrer Software nicht möglich?

noch eine Antwort

Haben Sie eigentlich die ELGA-Architektur schon mal gelesen?

Jetzt wird es lustig.

Und in Ihrer Firma speichern Sie immer alles redundant ab um es auch wieder zu finden? Origineller Ansatz. Könnte man auf jeden einzelnen User runterbrechen - wäre gut für die Hardwarebranche.

ich mach das so

und habe mir den namen "backup" dafür ausgedacht

Schauen sie sich das an
http://wiki.ihe.net/index.php... nt_Sharing

Sollte ihnen geholfen werden die Repositories gibts im Prinzip jetzt schon in den einzelnen Krankenhäusern. Die ELGA wird diese durch die einzelnen Registries (Index) abrufen können.

Falsch falsch und nochmals falsch. (s. Antwort weiter oben von mir)

Es ist aber für das Missbrauchspotential sowas von egal, ob die Daten zentral oder über das Land verteilt liegen.
Zentraler Zugriff ist zentraler Zugriff und die Daten sind damit für einen eventuellen Missbrauch zugänglich.

Es fehlt schon die wesentliche Information, ob das zentrale Datenregister nach 28 Tagen gelöscht oder weiter gespeichert bleibt. In letzterem Fall fehlt dann schon jeder Nachweis, wie verhindert wird, dass es trotzdem zugänglich ist.

Zudem fehlt auch die Definition, wie das in der Arztpaxis abläuft. Was geht z.B. die Vorzimmerdame mein Befund eines ganz anderen Arztes an ?

Das gleiche Problem habe ich bei der Apotheke. Wenn ich irgendeine 'sozial bedenkliche' Krankheit habe, ->

sieht das die Apotheke(ngehilfin) am Land auch wenn ich nur Zahnwehtabletten hole und am Tag darauf steht es in der Dorfzeitung ?
(Ich weiss, dass sie den Befund nicht bekommt, aber einige Medikamte geben auch einen sehr deutlichen Aufschluss)

Wieviel ist einer Versicherungsorganisation dann das wert, oder einer Personalberatung, oder ...
an diese Daten zu kommen ?

Die Apothekendame wusste bis jetzt auch, dass Sie Zahnweh haben ...

So ganz sinnerfassend war das jetzt aber nicht.

Tut mir leid aber es ist absoluter Unfug, dass alle Daten in einem zentralen ELGA Superserver abgelegt werden.

Gibt es einen Mengenrabatt bei ELGA? (Teil 1)

Welche Vorteile bringt es für den Patienten oder für die Gesellschaft wenn möglichst viele Patienten bei ELGA teilnehmen?

Erstens: Die Sicht des Patienten
Ob man nun selber bei ELGA mitmacht, hängt wohl viel von den eigenen erhofften Vorteilen ab.

Der Wunsch nach möglichst vielen anderen Teilnehmern könnte darin zu suchen sein, dass man befürchtet wenn ELGA nicht genug Teilnehmer hat , es kein ELGA gibt. Eine unbegründete Befürchtung da ja dann bereits die Investition getätigt wurde.

Der Wunsch nach möglichst wenig Teilnehmern liegt in der Befürchtung, dass die Daten erst dann wirtschaftlich nutzbar sind, wenn genug Datensätze vorhanden sind. Dadurch wird Datenmissbrauch erst attraktiv!

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