Petraeus-Affäre zieht immer weitere Kreise

  • FBI-Ermittler vor dem Haus von Paula Broadwell in Charlotte.
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    foto: the charlotte observer, robert lahser

    FBI-Ermittler vor dem Haus von Paula Broadwell in Charlotte.

  • Vier Stunden lang waren die Ermittler in dem Haus von Broadwell im Einsatz, schreibt der "Charlotte Observer".
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    Vier Stunden lang waren die Ermittler in dem Haus von Broadwell im Einsatz, schreibt der "Charlotte Observer".

Auch Afghanistan-Kommandant Allen verstrickt - FBI-Ermittler schickt Fotos von nacktem Oberkörper an Petraeus-Vertraute

Washington - Auch der Kommandant der US- und NATO-Truppen in Afghanistan, John R. Allen, ist laut zahlreichen Medienberichten in die Affäre um den zurückgetretenen CIA-Chef David Petraeus verstrickt. Die US-Bundespolizei FBI spricht von 20.000 bis 30.000 Seiten möglicherweise unangemessener E-Mails zwischen Allen und Jill Kelley. Kelley ist jene Frau, die die FBI-Ermittlungen gegen Petraeus ausgelöst haben soll, weil sie E-Mails als bedrohlich empfand und das FBI einschaltete. Als Absenderin der Mails wurde Paula Broadwell ermittelt, die Biografin und Geliebte von Petraeus.

Inhalt der E-Mails nicht bekannt

Allen ist seit 2011 Nachfolger von Petraeus als Kommandant der ISAF-Truppen. Im kommenden Jahr sollte er NATO-Kommandant für Europa werden. Als sein Nachfolger in Afghanistan wurde Joseph Dunford ausgewählt. Über den Inhalt der Mails zwischen Kelley und Allen ist nichts bekannt. Auch nicht, in welcher Beziehung die beiden zueinander stehen.

Am Sonntag hatte das FBI das US-Verteidigungsministerium von den Ermittlungen über Allen informiert. Verteidigungsminister Leon Panetta beauftragte sein Ministerium daraufhin mit weiteren Untersuchungen.

Ermittler vom Kelley-Fall abgezogen

Mittlerweile werden auch immer mehr Details zu den FBI-Ermittlungen bekannt. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" wurde der FBI-Ermittler, der auf eine Untersuchung der E-Mails an Kelley gedrängt hatte, von diesem Fall abgezogen. Er sei persönlich involviert gewesen und habe Kelley Fotos von ihm mit nacktem Oberkörper geschickt. Der Ermittler habe aber auch weiterhin nicht von dem Fall gelassen und den republikanischen Kongressabgeordneten Dave Reichert informiert. Reichert wiederum hat die Informationen an Eric Cantor, den Mehrheitsführer der Republikaner im Repräsentantenhaus, weitergegeben.

Petraeus wollte, nachdem ihn das FBI mit seiner außerehelichen Affäre konfrontiert hatte, nicht sofort zurücktreten, berichtet die "Washington Post". Er habe gedacht, die Sache würde nicht öffentlich bekannt werden. Erst als der Direktor der Nationalen Sicherheitsdienste, James R. Clapper jr., seinen Rücktritt forderte, habe Petraeus eingelenkt.

FBI durchsuchte Broadwells Haus

Das FBI hat laut Medienberichten vom Montagabend inzwischen Broadwells Haus durchsucht. Die 40-Jährige lebt mit ihrer Familie in Charlotte im Bundesstaat North Carolina. Nach Angaben des "Charlotte Observer" betraten mehrere FBI-Beamte mit leeren Kartons das Haus. Laut CNN bestätigte eine FBI-Sprecherin den abendlichen Besuch, sagte aber nicht, was die Beamten in dem Haus suchten. Laut "New York Times" hatte Broadwell dem FBI-Einsatz zugestimmt.

Petraeus entsetzt

Petraeus selbst war laut einem Bericht der "Washington Post" vom Montag entsetzt, als er von Broadwells Droh-E-Mails an ihre vermeintliche Nebenbuhlerin erfuhr. Er forderte Broadwell auf, Kelley in Ruhe zu lassen.

Nach Angaben des Blattes beendete er die Affäre mit seiner Biografin vor rund vier Monaten - das sei etwa die Zeit gewesen, zu der er sich wegen der E-Mails mit Broadwell auseinandergesetzt habe. Die Zeitung berief sich auf Angaben von Petraeus nahestehenden Personen.

Ehefrau "zurzeit nicht gerade erfreut"

Petraeus war am Freitag als Geheimdienstchef zurückgetreten. Das FBI hatte zuvor die Affäre aufgedeckt, nachdem sich Kelley hilfesuchend an die Bundespolizei gewandt hatte. Laut Medienberichten sah Broadwell in Kelley, die nach eigenen Angaben seit mehr als fünf Jahren mit Petraeus und dessen Frau Holly befreundet war, eine Rivalin. In den E-Mails soll sie Kelley aufgefordert haben, Petraeus in Ruhe zu lassen.

Ein früherer Petraeus-Sprecher, Steve Boylan, sagte unterdessen dem Sender ABC News, die betrogene Ehefrau Holly sei "zurzeit nicht gerade erfreut". Wütend sei noch eine Untertreibung, habe Petraeus selbst in einem Gespräch am Wochenende gesagt. Das Paar ist seit mehr als 37 Jahren verheiratet.

Petraeus sollte eigentlich am Dienstag vor einem Senatsausschuss zu den CIA-Erkenntnissen vor und nach dem Terrorangriff auf das US-Konsulat in der libyschen Hafenstadt Benghazi aussagen, bei dem der US-Botschafter in Libyen getötet wurde. Die CIA hatte dem Weißen Haus nach dem Angriff am 11. September tagelang gesagt, er sei aus einer spontanen Protestaktion gegen ein islamfeindliches Video erwachsen. Tatsächlich handelte es sich um einen geplanten Terrorangriff. Der Auswärtige Ausschuss will von der CIA Aufklärung darüber, welche Erkenntnisse sie wann hatte. Statt Petraeus wird nun sein bisheriger Stellvertreter Michael George Morell befragt werden, der die CIA kommissarisch leitet.

Zunächst war spekuliert worden, Petraeus könnte zurückgetreten sein, um einen Auftritt vor dem Ausschuss zu vermeiden. Das hatten mehrere Seiten aber kategorisch bestritten. Dennoch erhält die Ausschusssitzung am Dienstag nach dem Rücktritt des CIA-Chefs besondere Brisanz. (APA/red, derStandard.at, 13.11.2012)

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