"Alceste": Trauergesänge in der Todeszone

  • Ein rarer glücklicher Eheaugenblick an der Staatsoper: Veronique Gens (als Alceste) und Joseph Kaiser (als Admete).
    foto: apa/hans klaus techt

    Ein rarer glücklicher Eheaugenblick an der Staatsoper: Veronique Gens (als Alceste) und Joseph Kaiser (als Admete).

Christof Loys erprobte Inszenierung von Christoph Willibald Glucks "Alceste" an der Wiener Staatsoper

Wien - Es ist offenbar das Schicksal einiger bedeutender Regisseure der Gegenwart, dass sie an der Wiener Staatsoper nur mit einer anderswo ersterprobten Inszenierung landen können. Das war so bei Peter Konwitschny (in der Phase Ioan Holender); das ist nun vorläufig so bei Christof Loy, dessen Version von Christoph Willibald Glucks "Alceste" ihre Premiere beim Festival in Aix-en-Provence hatte und nun also ins Haus am Ring gereist ist.

Loy erzählt die Geschichte eigentlich schlicht. Er verlegt sie nur in ein Bürgerhaus voller Kinder (passabel der Gustav Mahler Chor), die sich angesichts der drohenden elternlichen Todesfälle vielfach der Verzweiflung überantworten müssen. Wie immer ist Loy da ein sensibler Figurenpsychologe, der den Chor subtil ausgestaltet. Bei den Hauptfiguren geht er eher routiniert vor.

Joseph Kaiser singt als Admète ansehnlich, Véronique Gens erbringt als Alceste eine tolle Kraftleistung mit kleinen Schwankungen, Adam Plachetka ist als Hercule tadellos, und Clemens Unterreiner wirkt als Oberpriester kraftvoll. Dirigent Ivor Bolton zeigt Sinn für die Facetten dieser Musik: Er kann das fabelhafte Freiburger Barockorchester zu vitalen Akzenten animieren, aber auch den Zauber der Tragik kühl evozieren. Applaus für alle; ein paar Buhs für Regisseur Loy. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 13.11.2012)

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