"Alceste": Trauergesänge in der Todeszone

Ljubiša Tošic
12. November 2012, 23:55
  • Ein rarer glücklicher Eheaugenblick an der Staatsoper: Veronique Gens (als Alceste) und Joseph Kaiser (als Admete).
    foto: apa/hans klaus techt

    Ein rarer glücklicher Eheaugenblick an der Staatsoper: Veronique Gens (als Alceste) und Joseph Kaiser (als Admete).

Christof Loys erprobte Inszenierung von Christoph Willibald Glucks "Alceste" an der Wiener Staatsoper

Wien - Es ist offenbar das Schicksal einiger bedeutender Regisseure der Gegenwart, dass sie an der Wiener Staatsoper nur mit einer anderswo ersterprobten Inszenierung landen können. Das war so bei Peter Konwitschny (in der Phase Ioan Holender); das ist nun vorläufig so bei Christof Loy, dessen Version von Christoph Willibald Glucks "Alceste" ihre Premiere beim Festival in Aix-en-Provence hatte und nun also ins Haus am Ring gereist ist.

Loy erzählt die Geschichte eigentlich schlicht. Er verlegt sie nur in ein Bürgerhaus voller Kinder (passabel der Gustav Mahler Chor), die sich angesichts der drohenden elternlichen Todesfälle vielfach der Verzweiflung überantworten müssen. Wie immer ist Loy da ein sensibler Figurenpsychologe, der den Chor subtil ausgestaltet. Bei den Hauptfiguren geht er eher routiniert vor.

Joseph Kaiser singt als Admète ansehnlich, Véronique Gens erbringt als Alceste eine tolle Kraftleistung mit kleinen Schwankungen, Adam Plachetka ist als Hercule tadellos, und Clemens Unterreiner wirkt als Oberpriester kraftvoll. Dirigent Ivor Bolton zeigt Sinn für die Facetten dieser Musik: Er kann das fabelhafte Freiburger Barockorchester zu vitalen Akzenten animieren, aber auch den Zauber der Tragik kühl evozieren. Applaus für alle; ein paar Buhs für Regisseur Loy. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 13.11.2012)

Share if you care
8 Postings
Seit 2010

ist dieser szenische Schmarren als solcher bekannt - Herr Meyer importiert ihn nun wohl aus nationalem Stolz...

was sind pseudo vitale tempi?
also ich fand es packend von der ersten bis zur letzten sekunde und absolut stimmig mit gefühl inszeniert, gespielt und gesungen - die kombination freiburg - bolton übertraf sogar minkowski - grenoble vor zwei jahren bei alcina.
seit gestern kommt einem der theater an der wien horror mit dem stumpfen einheitsklang der symphoniker noch schrecklicher vor...
aber vielleicht fehlen mir die 35 opernhäuser jährlich oder umgekeht um nicht berührt gewesen zu sein

Tiefer Schlaf in der Staatsoper

Und schon wieder eine "neue", routinierte Darstellung einer Barockoper in Wien. Die ermüdenden pseudo-vitalen Tempi und schrecklich langweilige Inszenierung haben uns zu tiefem Schlaf gebracht. Also von der Wiener Staatsoper hätten wir etwas Besseres erwartet!

Ein Musikliebhaber, der seit 35 Jahren führende Opernhäuser der Welt besucht und selten wie heute enttäuscht wird.

Abgesehen davon, dass die führenden Opernhäuser nicht immer die, sind, die sich als solche anpreisen

oder in den Unterlagen der Reiseveranstlater stehen.
Aber ich muss zugeben, dass ich die Alceste noch nicht gehört und gesehen habe, mir aber jetzt schon zum Beispiel das Orchestra la Scintilla dazu fehlt.

Von der Wiener Staatsoper?

Von den derzeit Verantwortlichen kaum! Diese müde "Produktion" beweist rückwirkend, warum Ioan Holender Herrn Loy nicht am Opernring duldete....

Als modeste Küchenschabe, die leider nicht die Gelegenheit hat, seit 35 Jahren die führenden Opernhäuser der Welt zu besuchen, kann ich nur sagen: mir hat diese Alceste gefallen! (nur im Internet-ö1 gehört, d.h. kann nichts zur Inszenierung sagen).

Ad 'krikri', "stumpfer Einheitsklang der Symphoniker": scheint mir zu generalisiert & übertrieben! So reden kann auch nur jemand sehr Wien-Verwöhnter! Scheint mir eine Variante des 35-Jahre-führende-Opernhäuser-Arguments.

Aber es stimmt natürlich in der Kunst: gut genug ist nie gut genug.

das mit den stumpfen symphonikern hat sich nur auf letzten donnerstag bezogen, denn im th a d w haben sowohl die symphoniker als auch das rso wien schon oft bewiesen, dass sie den wph um nichts nachstehen und diese manchmal sogar übertreffen,
wie z.b. beim letzten puccini abend

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.