"Die anderen machen es zum Problem“

12. November 2012, 19:38
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Jung, schwul, migrantisch/deutsch, verliebt in den Klavierlehrer. Der Schauspieler Sascha Kekez spielt einen jungen Mann, der zu sich selbst stehen will

Die Hauptfigur "Sascha" gerät im gleichnamigen Film in einen Konflikt mit der montenegrinischen, patriarchalisch geprägten Familie. Der junge Schauspieler Saša Kerkez war gemeinsam mit dem Filmregisseur Dennis Todorović in Wien, bei der Vorführung des Films im Rahmen des Migay-Festivals. Im Anschluss an die Filmvorführung sprach Kekez mit daStandard darüber, wie es für ihn war, einen schwulen Migranten der zweiten Generation in Deutschland zu spielen.


daStandard.at: Sie selbst haben, ebenfalls wie die von Ihnen verkörperte Filmfigur, einen ex-jugoslawischen Hintergrund und sind in Deutschland aufgewachsen. Wie war es für Sie, diese Rolle zu spielen?

Saša Kekez: Das Drehbuch fand ich gut, weil ich mich sehr gut hineinversetzen konnte, wie das ist, in einer Familie zu leben, die total chaotisch ist, und in der jeder immer alles besser weiß. Wo jeder weiß, wie es besser läuft.

daStandard: Wie war es für Sie, einen Schwulen zu spielen?

Kekez: Der Akt selbst, einen Schwulen zu spielen, war überhaupt kein Problem, die Zusammenarbeit mit den Kollegen klappte sehr gut. Ich wusste allerdings im Vorfeld nicht, welche Kreise der Film ziehen würde. Als Schauspieler hat man immer ein bisschen Angst, den sozusagen Schwulenstempel aufgedrückt zu kriegen. Andererseits dachte ich mir, komm, was soll´s, das Drehbuch ist toll, es ist eine sympathische Rolle, die Kollegen sind toll, du wärst ja blöd, wenn du es nicht machst. Ich habe es keine Sekunde bereut, ganz im Gegenteil. "Sascha" war mein erster Film, und ich bin stolz darauf.

daStandard: Und wie sind nun die Kreise, die der Film gezogen hat?

Kekez: Der Film hat sich vor allem im Ausland sehr gut verkauft, in Amerika, in Australien, in Großbritannien, auf DVD. In Deutschland und Polen wurde er in vielen Kinos gezeigt. Das Goethe-Institut hat den Film ebenfalls erworben und verbreitet ihn über eigene Kanäle.

daStandard: Noch einmal zurück zu Ihrer Rolle als Schwuler. Was hat es, aus der Sicht eines Schauspielers, mit den Schwulenrollen auf sich?

Kekez: Es kommt darauf an, ob man die lustige Tunte von nebenan spielt, oder das Thema ernst nimmt. Es ist akzeptierter, lustig daherzukommen mit der Boa und eine Karikatur des Schwulen abzugeben. Das finden die meisten irgendwie toll. Aber im Film "Sascha" geht es um etwas anderes: Das Problem ist nicht, dass Sascha schwul ist, sondern die Reaktion der Leute um ihn herum. Es sind ja die anderen, die es zu einem Problem machen. Wenn es diese anderen nicht gäbe, wäre es ein klarer Fall von ‚ich bin halt verliebt in meinen Klavierlehrer.'

daStandard: Es gibt also zwei Coming outs? Ein inneres, und dann eines für die eigene Umgebung?

Kekez: Ganz genau. Das erste Coming out ist in dem Fall für Sascha kein Problem. Das zweite sehr wohl.

daStandard: Hätten Sie Lust, Ihren Film auf dem Balkan zu promoten, also in den Ländern, wo Sie selbst und die Filmfigur „Sascha" herkommen?

Kekez: Ehrlich gesagt, ich hätte schon ein bisschen Angst. Wenn man weiß, dass in Serbien keine Gay Parade stattfinden kann, dass Steine geworfen werden, dass die Gegner zahlreicher sind als die Teilnehmer der Parade, dass sich die Gegner besser mobiliseren... Also vor einem solchen Hintergrund wäre mir nicht wohl dabei, den Film in diesen Ländern zu promoten. Andererseits würde ich mich dem auch bereitwillig stellen wollen, weil ich denke, das Thema ist es wert, dieses Risiko einzugehen. Die Frage ist, wie groß das Risiko wirklich ist. ((Mascha Dabić, 12.11.2012, daStandard.at)

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