Deutsche Grüne

Einserkastl | Hans Rauscher
12. November 2012, 18:39

Ein beträchtlicher Teil der grünen Basis in Deutschland will es nicht monothematisch links

Die deutschen Grünen haben einen alten K-Gruppler und eine junge Bürgerlich-Liberale mit christlicher Grundierung zum neuen Führungsduo gemacht. Jürgen Trittin war als Student Mitglied beim Kommunistischen Bund und läuft heute unter gemäßigte Linke. Katrin Göring-Eckardt hingegen gehört eher zu dem Flügel, der seit kurzem in Baden-Württemberg den Ministerpräsidenten und in Stuttgart den Bürgermeister stellt: bürgerlich-grün.

Die beiden wurden übrigens in einer Urwahl von der Basis ausgewählt. Soll heißen: Ein beträchtlicher Teil der grünen Basis in Deutschland will es nicht monothematisch links, sondern auch bürgerlich-liberal. Was ja auch der soziologischen Basis entspricht: jüngere, urbane, besserverdienende, auf Ökologie und Solidarität ausgerichtete Schichten, die es aber auch im Leben zu etwas gebracht haben und/oder bringen wollen.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel fand es daher schon angebracht, die Grünen vor einer Koalition mit der CDU und Frau Merkel zu warnen. Schließlich seien sie praktisch schon der SPD versprochen. Diese Sorgen muss die SPÖ nicht haben. Die österreichischen Grünen haben sich im Bund und in Wien unverbrüchlich an die Sozialdemokratie gekettet und bemühen sich nach Kräften, den bürgerlich-liberalen Teil ihrer (potenziellen) Wählerschaft zu ignorieren oder - mit Vorschlägen aus den Zeiten des "real existierenden Sozialismus" (Erich Honecker) zu vergrämen. (Hans Rauscher, DER STANDARD, 13.11.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 323
1 2 3 4 5 6 7

Die Grünen haben sich wohl mehr als jede andere Partei geändert. Noch 1980 stand im grünen Parteiprogramm (Punkt 1.5.):

"Die Mütter oder Väter, die sich aus erzieherischer Verantwortung überwiegend ihren Kindern widmen, gegebenenfalls unter Verzicht auf Ausübung ihres Berufes, leisten eine Arbeit von größter gesellschaftlicher Bedeutung. Damit die spätere Entwicklung des Kindes ungestört verlaufen kann, sollte in den ersten Jahren möglichst kein Wechsel der Bezugspersonen stattfinden. Darum fordern wir entsprechende Angebote hauswirtschaftlicher und pädagogischer Ausbildung und ein Erziehungsgehalt“.

Was ist passiert mit dieser damals offensichtlich vernünftigen Partei?

tolle entwicklung der deutschen grünen

von pazifisten zu kriegstreibern
von sozial denkend zu harz4
von bürgerrechten zu sicherheitsgesetzen
von kritischen denkern zu speichelleckern

rauschende Grammatik

"(...) will es nicht monothematisch links, sondern auch bürgerlich-liberal."

entweder fehlt ein "nur" im ersten, oder es ist ein "auch" im zweiten Satzteil entbehrlich.

Dem Autor gelingt es, seine eigentliche Vorliebe in grammatikalisch bedenkliche Formulierungen einfließen zu lassen.

Die oesterreichischen Gruenen muessen sich entscheiden

ob es sinnvoll ist, mit einem Schwenk zu einer egozentrischen Klientelpolitik fuer die Mittelschicht die gesamte (links)liberale Kernwaehlerschaft zu veraergern, dafuer aber die Stimme von Hans Rauscher zu gewinnen.

Mut zur Mitte

Wenn sich die Neue Grüne mit einem guten Spitzenkandidaten (vgl. Van der Bellen früher) in Österreich mehr in Richtung Mitte bewegen würden könnten sie einen großen Wählerkreis ansprechen, der jetzt ÖVP oder gar nicht wählt, in Summe sicher >15%.

Der Rest (aus dem ehemals Kommunistischen oder Alternativen Lager) kann sich ja als österr. Linke abspalten und mit den Piraten fusionieren, was ja auch eine Wählerschaft jenseits von 5% finden würde.

vdb hatte bei der wahl 2006 auch nur 11%

das obwohl die spö den bawag skandal am hals hatte,

die övp-fpö regierung ihr wahres, durch und durch korruptes, gesicht gezeigt hat

und die fpö interne kämpfe zwischen rechtsextrem und jenseitig ausfocht

trotzdem wählten nur 11% die grünen, mit dem allseits respektierten vdb an der spitze

Ganz im Gegenteil. Eine Partei müsste mal das linke in Österreich brachliegende Spektrum abdecken, da ließe sich gut fischen. So etwas wie DIE LINKE in D gibt es hierzulande nicht, der Bereich wird von keiner Partei besetzt, auch wenn manche irrtümlicherweise glauben, die Grünen würden das tun.

In der sogenannten Mitte sehen sich ohnehin alle, sogar die rechte Retrotruppe ÖVP, als auch sogar die ultrarechte FPÖ (=NPD in D).

Die Grünen sind die MItte!

Nur kann das aufgrund des gesamtpolitischen Rechtsruck der letzten Jahren halt kaum noch einer erkennen.

Genau so ist es. Und was ist links von dieser Mitte? Gähnende Leere.

wurde im ZDF schon besprochen

*achtung satire - aber orginal ZDF"
http://www.youtube.com/watch?v=93L6pMER3Zw

Der Einzige der da ignoriert oder vergrämt wird ist Herr Rauscher, mir scheint.
Selten so einen Blödsinn hier gelesen, wirklich.

nicht der einzige, in der presse sinds auch ganz verschnupft

die tanzen halt alle romney style

Was heißt denn "monothematisch links", wie kann "links" monothematisch sein? Die Linken die ich kenne, haben zu allem eine Meinung ;)

als ein in der rechtspopulistischen parteien- und gesinnungslandschaft österreichs (inkl. SPÖ & ÖVP) sozialisierter muss einem jedes linke lüftchen kommunistisch vorkommen.

insoweit stimmt raus analyse - aber auch nur insoweit.

die grüne schlingen

die teaparty ist erzürnt

Grün = ÖVP mit Fahrrad

Links ist eine Sahra Wagenknecht in D, aber sicher keine Eva Glawischnig in Ö.

In Ö ist das gesamte Spektrum nach rechts gerückt.
Die Grünen sind sicher die besseren Schwarzen, weil sie nicht bis in die Eingeweide korrupt sind und bei allem dauerbetonieren, was gegenüber den 1950ern neu ist. Aber mit links haben die Grünen in Ö wirklich nichts zu tun.

Grün fällt ja auch, im Gegensatz zu "echten" Linken, dauernd um (siehe ESM Entscheidung bei Wagenknecht vs. Glawischnig). Es wird zwar viel Wind gemacht, aber wenn es drauf ankommt, unterschreiben die Grünen in Ö jedes Papierl der Regierung.

WebDuzer, Ihr Befund fällt etwas ungerecht aus

denn bei unseren Nachbarn gibt es neben der Wagenknecht (Linke), die auch mir sehr gut gefällt und noch die Grünen. Damit will ich die Truppe um Eva natürlich nicht schönreden. Was die in den letzten Jahren aufgeführt haben, trieb auch mich zur Weißglut (und lies mich auch die F symphatisch werden). ESM war ja nur der vorläufige Abschluss einer infantilen Kette. Schon vergessen wurde der Schulterschluss mit den Regimezecken bei der Verlängerung der Legislaturperiode (eigentlich ein demokratiepolitisches Verbrechen) und bei der Erhöhung der Parteienförderung - hier stimmten auch die blauen Plutzer mit. Das Ausländerthema ist ohnehin ein Kapitel für sich.

Ich stimme bis auf einen Punkt zu: Die Sympathie zu F. Wie kann denn sowas passieren?

Ich finde es sogar todtraurig, dass ausgerechnet die Effen ESM Kritik üben. Leider gibt es in Ö eben keine echte Linke, die schon von ihrem Selbstverständnis her Kritik am ESM üben müsste (übrigens ein klarer Beweis, dass Grün in Ö nicht links ist).

Es ist nämlich ein Jammer, dass man bei Kritik am ESM sofort in die Schublade zu diesem blaubraunen Gesindel gesteckt wird. Und: Dass man als ESM-kritischer Nicht-F-Mensch letztlich ohne politische Vertretung alleine dasteht.

Da schau her, die Speckgürtel-Bobos beim Rotstricheln.

Der Einsatz der Grünen im U-Ausschuß ist aber in höchstem Maße zu loben; dafür sind sie TROTZ Glawischnig gut.

Glawischnig sollte dorthin, wo sie hingehört: zur ÖVP.

Ob die Raika dort neben Mitterlehner und Kurz noch eine dritte eigenständig denkende Person unter all den Politdarstellern aushalten könnte, ist aber natürlich sehr fraglich.

schade, herr rauscher

angesichts ihrer wiederkehrenden ängste vor der besteuerung ihres eigentums überrascht mich das einserkastl nicht wirklich. aber warum gleich die kommunismuskeule schwingen?

diskutieren wir über politik - ob sie gefällt oder nicht aber bitte die lassen sie doch die kirche im dorf.

günstigere öffis, ausweitung der parkraumbewirtschaftung, höhere kindermindestsicherung als im restlichen österreich und jetzt die forderung nach mietzinsobergrenzen - zumindest aus meiner sicht verkehrs-, umwelt- und sozialpolitisch sinnvoll. sie verschrecken auch keine bürgerlich liberalen sondern lediglich einige phobiker, die alles was den touch von gerechtigkeit hat mit kommunismus gleichsetzen.

rau ist halt ein typ. kind des kalten krieges

wahrscheinlich hat er in den 80ern vorm schlafengehen nachgesehen ob sich der kgb eh nicht unter seinem bett versteckt...

Nicht die Grünen sind zu weit links

Die ÖVP ist (derzeit) zu hinterwäldlerisch und zu korrupt.

Grün wählt in Ö nur jemand der es sich im Schrebergarten des öffentlichen/geschützten Sektors

gemütlich eingerichtet hat!!!!!

Statistiken belegen Anderes. Der größte Prozentsatz der Grünwähler stammt aus dem bürgerlichen "Leistungs-"sektor.

Posting 1 bis 25 von 323
1 2 3 4 5 6 7

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.