USA - China: Absurde Vergleiche

Kolumne |

Viel hängt in den nächsten Monaten von der Kompromissbereitschaft des nach wie vor von den Republikanern dominierten US-Kongresses ab

Das zufällige zeitliche Zusammenfallen der amerikanischen Präsidentschaftswahlen mit dem Führungswechsel an der Spitze der KP Chinas hat eine Flut von Kommentaren ausgelöst. Unter diesen gab es auch sinnlose Vergleiche zwischen den Überlebenschancen der amerikanischen Demokratie und des repressiven Machtmonopols der chinesischen Kommunisten. Nichts wäre gefährlicher als die Unterschätzung der politischen und wirtschaftlichen Regenerationsfähigkeit Amerikas und die Überschätzung der Stabilität eines rotlackierten Staatskapitalismus, der von einer geschlossenen Clique verwaltet wird.

Vor der Wahlkampagne in den USA blühten die Niedergangszenarien richtig auf. Bei den deutschsprachigen Medien gab das Nachrichtenmagazin Der Spiegel den Ton mit einer düsteren Titelgeschichte über die verspielte Weltmachtrolle des "amerikanischen Patienten" an, dessen politisches System noch dazu unüberwindbar blockiert sei. Mit hämischer Schadenfreude wurde der scheinbar unaufhaltsame Niedergang "einer großen Nation" kommentiert. Dass der "Spiegel" Amerika bereits 1979 zur Zeit der Ölkrise in einer Titelgeschichte als ein Land der begrenzten Möglichkeiten bezeichnet hatte, präsentierte man sogar als einen überzeugenden "Beweis".

Dass die Krise heute viel umfassender, weil sozial, politisch und ideell sei, mag schon stimmen. Die Behauptung allerdings, dass die USA jede Debatte über die Gründe dafür verweigern, ist völlig aus der Luft gegriffen. Im Gegenteil, die Diskussion über die gefährdete Hegemonie der Vereinigten Staaten füllt seit Jahren die Meinungsseiten der Zeitungen, die Spalten der Zeitschriften und liefert Stoff für zahlreiche Pamphlete und Bücher.

Die Zahlen über die enorme Verschuldung, die gewachsene Ungleichheit (ein Prozent der Reichen besitzt ein Drittel des Gesamtvermögens) und die enormen sozialen Folgen haben die Mehrheit der Amerikaner überzeugt, dass nur ein zweites Mandat für Barack Obama den Weg zur Bekämpfung der extremen Ungleichheit, unter anderem durch eine Steuerreform, ermöglichen kann. Viel hängt in den nächsten Monaten von der Kompromissbereitschaft des nach wie vor von den Republikanern dominierten Kongresses ab.

Wenn auch die in den letzten Jahrzehnten entstandene extreme Ungleichheit den Traum vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten weitgehend zerstört hat, bleibt Amerika mit den Worten der Exaußenministerin Madeleine Albright trotzdem ein "Leuchtfeuer der Hoffnung weltweit", ein "unersetzliches, ein unentbehrliches" Land. Zu Recht wies sie darauf hin, dass sie als gebürtige Tschechin mit elf Jahren in die USA kam und dann als erste Frau Außenministerin wurde: "So etwas gibt es nur in den USA."

Das Gleiche könnte man von Henry Kissinger, dem in Deutschland geborenen, ersten jüdischen Außenminister, oder von Arnold Schwarzenegger als Gouverneur von Kalifornien oder dem ungarischen Multimillionär und Mäzen George Soros sagen. Gerade die triumphale Wiederwahl des ersten afroamerikanischen Präsidenten zeigt die Spielräume des Möglichen in dieser großen Demokratie und die Absurdität eines Vergleichs mit dem Machtmonopol einer alleinherrschenden repressiven Partei. (Paul Lendvai, DER STANDARD, 13.11.2012)

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In Frankreich heißt das Fremdenlegion

Wer bereit ist, zu morden, ob 500.000 Kinder im Irak oder tausende Chilenen, der kann ganz toll Karriere machen

die fremdenlegion hat also 500.000 irakische kinder ermordet.

für diese sensationelle aufdeckung haben sie sicher quellen.

wider die Angststarre

Bei alldem darf man halt nie vergessen, dass China das bevorsteht was Europa und die USA schon länger hinter sich haben.
Die einzelnen Bevölkerungsgruppen habe sich miteinander arrangiert wenn es auch noch Probleme gibt auf diesem Sektor.
Aber in China wird das noch sehr stark unterdrückt, die Frage ist was da rauskommen wird wenn die Wirtschaftszahlen nicht mehr so passen.
Natürlich stellt sich die Frage was dies dann für die Welt bedeutet?
Aber dass dieses Jahrhundert ein asiatisches wird, daran darf keiner Zweifeln, ich sehe am Ende des Tages Indien aber am längeren Ast.
Die westliche Welt kann davon aber profitieren, man soll nicht denken der Wachstum der einen ist der Verlust der anderen. Das trifft im Falle Afrikas zu, leider...

Das trifft im Falle Afrikas zu, leider, aber bei entwickelten Gesellschaften wie der europäischen und amerikanischen ist dies aber meiner Meinung nach nicht der Fall.
Ich sehe es eher als Vorteil, dass sich mehrere Machtzentren herausbilden, die ja nicht nur in Asien, sondern auch Mittel- und Südamerika zu suchen sein werden.
Einen guten Ansatz finde ich Merkels erneuerter Wunsch nach einer amerikanisch-europäischen Freihandelszone.

Wäre China ein multiethnisches Einwanderungsland, würden auch dort Migranten in der Regierung sitzen (wobei im ZK viele Vertreter der nationalen Minderheiten, etwa Uiguren sitzen), also ihr Vergleich hinkt gewaltig. Und wenn Sie an die "politische und wirtschaftlichen Regenerationsfähigkeit Amerikas" glauben, dann verweigern sie einfach die Realität. Was auch immer in der Zukunft passiert, China sitzt auf dem längeren Ast. Ausserdem Politiker, die Kriege und politische Morde zu verantworten hatten, Finanzjongleure, die ganze Staaten in die Pleite schickten, als Beispiele einer, was? offeneren, kultivierteren, zivilisierteren Gesellschaft als leuchtende Beispiele hinzustellen, zeugt von gelinde gesagt wenig Sensibilität.

So lange die Schulden noch steigen können ist scheinbar alles in Ordnung.

Wie lange das so weitergehen kann, ist eine Unbelkannte. Der Weg ist damit vorgezeichnet.
Zum Unterschied von den USA hat Chinakaum Schulden.
Die von den USA angezettelten Kriege, werden eher noch mehr und damit ist eine Verarmung derf Amerikaner progressiv, was aber auch auf EUropa wirkt.

wieso diese häme?

wäre irgendeiner der hier postenden personen lieber unter kommunistischer hegemonie aufgewachsen? denkt irgendjemand hier ernsthaft, in china wären die lebensbedingungen besser als in den usa? bei allen fehlern, bei allen problemen: jeder europäer kann nur sehr hoffen, dass ihm diese wohlgesonnene hegemonialmacht erhalten bleibt....

Diese "wohlgesonnene Hegemonialmacht" hat sich unnötiger Weise in WK I eingemischt und damit WK II mitverursacht und ist damit hauptverantwortlich für alle Scherereien die nach WK II entstanden und noch heute bestehen.

Unnötiger Weise zettelt diese "wohlgesonnene Hegemonialmacht" ständig neue Kriege an, weil sie nur durch ständige Drohgebärden ihre Macht sichern Kann!

Ich verrate Ihnen was:

Alles verändert/entwickelt sich ständig. Unsere Gesellschaft wird schon in 20 Jahren ganz anders aussehen als jetzt. Nur Toren glauben, es bleibe alles so wie es ist (das tat es nie).
Die einzige Frage ist: Wohin entwickeln wir uns? Und wenn man sich diverse Entwicklungen ansieht, dann gibt es da wenig Grund für Optimismus.

Stichworte: Zunehmende Verarmung breiter Bevölkerungsschichten, zunehmende Bürgerüberwachung, nicht zurückzahlbare Schulden, etc.
Und Sachen wie das da:
http://www.sein.de/gesellsch... zerne.html

erinnert

Mich erinnert das heutige Amerika immer etwas an das alte Rom um ca. 400 nach Christus.
Das Militär ist technisch top, aber moralisch zersetzt(damals halt Germanen im Heer, heute in den USA wird aus der Unterschicht rekrutiert), zerfallende Infrastruktur, der Reichtum ist in den Händen weniger.
Wie Westrom unterging wissen wir ja - schauen wir mal ob Amerika die Kurve biegt.

Und mich erinnert dir ganze Hysterie um China ein bissl an die 70er oder 80er Jahre, als man glaubte Japan sei schon sehr bald Wirtschaftsnation Nr. 1. Die Probleme (Überalterung der Gesellschaft) sind sogar ziemlich ähnlich...

Na ja, nur hat China etwa zehnmal so viele Einwohner wie Japan und mehr als viermal so viele wie die USA, das sind schon ganz andere Dimensionen. Wenn China nur dieses Niveau erreicht auf welchem Japan jetzt schon 20 Jahre stagniert, dann wird es mit Abstand die größe Wirtschaftsmacht der Welt.

Aber auf dem Weg dorthin sind sicher noch viele nur schwer abzuschätzende Parameter...

ja

Durchaus richtig, die Zukunft wird es weisen.

"Unter diesen gab es auch sinnlose Vergleiche zwischen den Überlebenschancen der amerikanischen Demokratie und des repressiven Machtmonopols der chinesischen Kommunisten."

Jetzt gibts einen mehr

Jetzt haben sie sich in die Nesseln gesetzt Herr Lendvai. Da werden schon bald die ersten Chinafanboy aufkreuzen und ihnen alles Mögliche unterstellen. China Instabilität zu unterstellen ist schon eine Frechheit die seinesgleichen sucht. Auf Ö oder die USA dürfens hinhauen, aber bloß nicht auf die Volksrepublik!!!

China? Macht nix!

China wird zur Weltmacht? Ich kann meine Zweifel aus Peking nur per VPN Leitung anmelden! Da stimmt doch schon grundsätzlich was nicht!

Ich brauch keine VPN um diesen Komentar zu verfassen, und ich bin auch in China... aber Google ist unbrauchbar.

Dass man bei einer Bevölkerung von 300 Millionen ein paar Aufsteiger-Geschichten findet, ist nur das Gesetz der großen Zahl. Alle Statistiken zeigen jedoch, dass es sozialen Aufsteig als generelles Phänomen in den USA immer weniger gibt. Die Einkommens- und Vermögenskluft wird vielmehr immer größer. In China allerdings auch, beide sind kein Vorbild. Der europäische Sozialstaat ist immer noch die humanste Art ein Gemeinwesen zu organisieren.

richtig !!! Hoffentlich besinnen sich einige Politiker

(merkel) und Troika Sozialstaatvernichter schnell wieder daran.

Danke, jetzt muss ich keinen Kommentar mehr schreiben! :)

In Sachen Propaganda

steht Herr Lendvai China jedenfalls nicht nach.

Oi, welche Aufzählung:
Kissinger - jener etwa, der, z. B., Zypern an die Türken verkauft hatte?
Oder Schwarzenegger, der - ja was eigentlich -na eh nix (noch besser als die anderen)!
Georges Soros (der Währungsschwindel Tschortschi) - der in den 70/80 und 90er Jahren ungezählte Angriffe auf europäische Währungen unternahm und jetzt als "Weiser" für die Finanzkrise gilt???

Solch ein Sammelsurium ist wohl wahrlich nur in den USA möglich.

Es zeit nur , dass wenn du keine Moral kennst, bist du in den Amerikanischen führungszirkeln gern gesehen, egal woher du kommst.(solange du die Amerikanische version von "keine Moral" verfolgst)

die Aufzählung zeigt zwar nicht, was Lendvai damit aussagen wollte, nämlich dass es egal ist, woher man/frau kommt, man/frau kann ganz nach oben kommen; aber immerhin sind die Beispiele exakt, um zu zeigen, dass das moralisch Verwerfliche zumindest im Kapitalismus nach oben gelangt; ich fürchte nur, dass auch in China nicht die ehrlichen und anständigen in die obersten Gremien kommen, sondern auch das moralisch Verwerflichste dieses Volkes - die Menschen mögen unterschiedl. Hautfareb etc haben, in einem sind sie sich völlig identisch: im moralisch absenten Streben nach allem Einzelner und dies diesen gewähren Lassens der ehrlichen Mehrheit; nur das garantiert Frieden, zumindest kurzfristig; sonst gäb's noch mehr Kriminalität etc

die triumphale Wiederwahl des notorischen lügners wird in einem der größten Desaster enden die amerika erlebt hat, diese hysterische obamania geht jedem der noch einigermaßen denken kann schon ordentlich auf den nerv

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